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EZB Leitzinsen Entwicklung

Wir beobachten, dokumentieren und analysieren für Sie die Leitzinsen.

  • aktuelle Leitzins Entwicklung
  • historische Leitzins Entwicklung seit 1999
  • Leitzins Prognose
Entwicklung der Leitzinsen

EZB Leitzinsen Entwicklung seit 1999 bis heute

Die Entwicklung der Leitzinsen seit Einführung des Euro

Chart: EZB Leitzinsen Entwicklung

Die Zinsen befinden sich weltweit auf einem historischen Tiefststand. Was schlecht ist für Sparer, die klassische Altersvorsorge und Banken, das erfreut Schuldner und Kreditinteressenten. Die Notenbanken wirken mit ihrer Geld- und Zinspolitik unmittelbar auf die Zinsen am Geldmarkt ein und beeinflussen sogar den (längerfristigen) Kapitalmarkt.

Wir informieren Sie über die aktuellen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank, gehen den Ursachen der derzeit niedrigen Leitzinsen nach und wagen eine Zinsprognose für die Zukunft.

Die aktuellen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank

Die drei Leitzinsen der Europäischen Zentralbank befinden sich bereits seit Jahren auf einem extrem niedrigen Niveau:

  1. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der seit März 2016 bei 0,00 Prozent liegt. Zu diesem Zinssatz können sich Banken von der Notenbank für einen Zeitraum von einer Woche mit Liquidität versorgen.
  2. Wollen sich Kreditinstitute Liquidität für nur einen Geschäftstag beschaffen, so berechnet die EZB seit März 2016 einen „Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität“ in Höhe von 0,25 Prozent.
  3. Banken und Sparkassen erhalten für ihre Einlagen bei der Zentralbank zur Zeit keine Guthabenzinsen. Vielmehr müssen die Finanzinstitute für ihre Guthaben seit März 2016 „Negativzinsen“ an die EZB entrichten. Die negativen Zinsen für die sogenannte Einlagenfazilität wurden von der Europäischen Zentralbank zuletzt im September 2019 auf -0,50 Prozent p. a. erhöht.

Rückblick: die langfristige Entwicklung der Leitzinsen

Wer die Leitzins-Entwicklungen der Vergangenheit nachvollzieht, für den ist eine persönliche Einschätzung zukünftiger Zinsentwicklungen eher möglich.

Der Übergang von der Deutschen Bundesbank zur Europäischen Zentralbank

Bis Ende 1998 war der Diskontsatz der Deutschen Bundesbank der wichtigste Leitzins in Deutschland.

Anfang 1999 begann nach langer Vorbereitungszeit die abschließende dritte Stufe der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

  • Der Euro wurde gemeinsame Währung für zunächst elf Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
  • Die Verantwortung für die Geldpolitik ging von den nationalen Notenbanken (in Deutschland: von der Deutschen Bundesbank) auf die Europäische Zentralbank über. Die Deutsche Bundesbank trat ihre Kompetenzen in der Geldpolitik an die EZB ab.
  • Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB löste den Diskontsatz der Deutschen Bundesbank als den in Deutschland bis dahin wichtigsten Leitzins ab.

Den langfristigen Zinstrend verstehen: die Entwicklung der Leitzinsen in den letzten 30 Jahren

Die Zinsentwicklung der letzten dreißig Jahre ist von wellenartigen Schwankungen gekennzeichnet. Jeder der Zinszyklen umfasste mehrere Jahre.

  • Die Notenbank hob die Leitzinsen an, wenn sie die Geldwertstabilität durch eine zu hohe Inflation bedroht sah.
  • In Zeiten einer geringen Inflationsrate, die oft mit einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung einherging, senkte hingegen die Bundesbank (beziehungsweise ab 1999 die EZB) die Leitzinsen, um die Wirtschaftsentwicklung zu unterstützen.

Die Leitzinsen sind seit 1990 – unter Schwankungen – kontinuierlich zurückgegangen. In der seit 2011 nahezu unterbrechungslosen Zinssenkungsphase haben die Leitzinsen ein zuvor kaum vorstellbares, extrem niedriges Niveau erreicht.

Die Leitzinsen in der Eurozone: in immer kürzeren Wellen abwärts

Die nachfolgende Chronologie der Zinsentwicklung bezieht sich auf folgende Zinssätze:

Deutsche Bundesbank bis Ende 1998:
  1. Diskontsatz
Europäische Zentralbank ab Anfang 1999:
  1. „Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte“ („HR“) und
  2. „Einlagenfazilität“ („EF“)

Zinszyklus 1988 bis 1999

Ausgangspunkt unserer Betrachtung ist das Zinstief von Juli 1988 (Diskontsatz 3,00 Prozent):

  • Anschließend stiegen die Leitzinsen bis Januar 1993 (Zinshoch bei einem Diskontsatz von 8,75 Prozent),
  • worauf eine Abwärtsbewegung bis Dezember 1998 (Tiefpunkt Diskontsatz: 2,50 Prozent) folgte,
  • sowie nach Übergang von der Deutschen Bundesbank zur Europäischen Zentralbank bis April 1999 (Zinstief: HR 2,50 Prozent und EF 1,50 Prozent).

Zinszyklus 1999 bis 2005

  • Aufwärtsbewegung bis April 2001 (Zinshoch: HR 4,75 Prozent; EF 3,75 Prozent)
  • anschließende Abwärtsbewegung bis November 2005 (Zinstief: HR 2,00 Prozent; EF 1,00 Prozent)

Zinszyklus 2005 bis 2011

  • Aufwärtsbewegung bis September 2008 (Zinshoch: HR 4,25 Prozent, EF 3,25 Prozent)
  • anschließende Abwärtsbewegung bis März 2011 (Zinstief: HR 1,00 Prozent; EF 0,25 Prozent)

Zinszyklus ab 2011, bis heute andauernd

  • nur kurze Aufwärtsbewegung bis Oktober 2011 (Zinshoch: HR 1,50 Prozent; EF 0,75 Prozent), anschließende Abwärtsbewegung
  • ab Juli 2012: HR 0,75 Prozent; EF: 0,00 Prozent
  • ab Juni 2014: HR 0,15 Prozent; EF: -0,10 Prozent (erstmals negative Zinsen für Bankeneinlagen bei der Europäischen Zentralbank)
  • seit März 2016 historisches Zinstief (HR 0,00 Prozent; EF -0,50 Prozent)

Die Ursachen der aktuellen Leitzinsen Entwicklung

Die Niedrigzinspolitik der EZB ist die entscheidende Ursache für das derzeitige Niedrigzinsniveau in der Eurozone. Ohne das Eingreifen der Europäischen Zentralbank würde sich sowohl am Geld- als auch am Kapitalmarkt höchstwahrscheinlich ein deutlich höherer Marktzins durchsetzen.

EZB-Leitzinsen: Einfluss auf den Geldmarkt

Die Europäische Zentralbank beeinflusst mit ihrer Leitzinspolitik vor allem den Geldmarkt, der kurzfristige Anlage- und Kredit-Formen umfasst.

Ankauf von Anleihen: Einfluss auf den Kapitalmarkt

Die EZB greift aber seit einigen Jahren durch den Ankauf von Anleihen auch massiv in den Kapitalmarkt ein – und damit auch in die Verzinsung längerfristiger Anlageformen und Kredite.

Der regelmäßige, umfangreiche Erwerb von festverzinslichen Wertpapieren durch die Zentralbank führt zu steigenden Anleihekursen und bewirkt damit unmittelbar fallende Verzinsungen für langfristige Anlagen.

Seit März 2015 erwirbt die Europäische Zentralbank im Rahmen ihres Asset Purchase Programme (APP) Vermögensgegenstände, um die Eurozone (notfalls auch unbegrenzt) mit Liquidität auszustatten und die Kapitalmarktzinsen zu senken.

  • Die Notenbank kaufte Bundesanleihen, abgesicherte sonstige Anleihen und auf verbrieften Forderungen basierende ABS-Wertpapiere ab März 2015 mit einem Monatsvolumen von 60 Milliarden Euro. Das monatliche Ankaufvolumen wurde im April 2016 auf 80 Milliarden Euro erhöht.
  • Entsprechend einer damals positiven Konjunkturentwicklung senkte die EZB ihren Anleihe-Ankauf schrittweise auf monatlich 60 Milliarden Euro (ab April 2017), 30 Milliarden Euro (Januar 2018) und 15 Milliarden Euro (Oktober 2018), bevor sie das APP-Ankaufprogramm Ende 2018 auslaufen ließ.
  • Als sich jedoch die Konjunkturaussichten wieder einzutrüben begannen, startete die Europäische Zentralbank im November 2019 erneut mit monatlichen Anleiheankäufen in Höhe von monatlich 20 Milliarden Euro.

Wirtschaftskrise aufgrund Corona-Pandemie: verstärkte Anleihe-Ankäufe durch EZB

Nachdem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie erkennbar wurden, gab die Europäische Zentralbank im März 2020 bekannt, dass sie bis zum Jahresende 2020 zusätzlich Anleihen im Volumen von 120 Milliarden Euro zur Unterstützung der Volkswirtschaft der Eurozone durch zusätzliche Liquidität ankaufen wolle.

Niedrige Leitzinsen: Welche Ziele verfolgt die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik?

Niedrige Zinsen sollen dem Entstehen einer konjunkturdämpfenden Preissenkungsspirale entgegenwirken. Zentrales Ziel der Europäischen Zentralbank ist die Annäherung der Inflationsrate an „unter, aber nahe von zwei Prozent“, so dass die Gefahr einer künftigen Deflation (Sinken des Preisniveaus) minimiert wird.

Die EZB beabsichtigt mit ihren niedrigen Zinssätzen für Kredite an Banken und mit ihren Negativzinsen auf Bankeneinlagen, die Finanzwirtschaft zur Ausweitung der Kreditvergaben an Firmen- und Privatkunden zu veranlassen. Unternehmen und Verbraucher sollen durch niedrige Kreditzinsen zu verstärkten Investitionen und Konsumausgaben ermuntert werden. Die Konjunktur soll dadurch gestärkt werden.

Die Gefahren einer Deflation

Entwickelt sich eine Deflation, dann erwarten Verbraucher und Unternehmen, dass sie benötigte Wirtschaftsgüter in Zukunft noch günstiger als zum jetzigen Zeitpunkt erwerben können. Die Marktteilnehmer werden deshalb ihre Kauf- und Investitionsentscheidungen so weit wie irgend möglich in die Zukunft verschieben. Dies aber führt zu einer tendenziell sinkenden volkswirtschaftlichen Nachfrage und möglicherweise zu einer tiefen Rezession. Hat sich eine Deflation erst einmal verfestigt, so fällt die Rückkehr auf einen volkswirtschaftlichen Wachstumspfad besonders schwer.

Ist das EZB-Inflationsziel (2 Prozent) durch die Niedrigzinsen erreicht worden?

Im Jahr 2018 hatte sich die Inflationsrate zwischenzeitlich an den von der EZB angestrebten Zielwert von 2 Prozent angenähert – allerdings insbesondere aufgrund steigender Preise für Energierohstoffe. Nach Auslaufen dieser Sondereffekte ging die Inflationsrate in Deutschland ebenso wie in der Eurozone wieder deutlich zurück.

Die Corona-Pandemie führte im Jahr 2020 weltweit zu massiven Einbrüchen der Wirtschaftsleistung und auch zu einem Rückgang der Inflationsraten. Die Geldentwertung lag im Juli 2020 für die Eurozone bei +0,4 Prozent und in Deutschland bei -0,1 Prozent, also bereits in einem leicht deflationären Bereich.

Leitzinsen Prognose

Selten schien die Lage so eindeutig wie heute: die Folgen der Corona-Pandemie bestimmen wohl auf absehbare Zeit die Entwicklung der Leitzinsen - kurz-, mittel und langfristig.

Geld- und Zinspolitik: EZB-Strategiewechsel unter Christine Lagarde?

Im November 2019 folgte Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank ihrem Vorgänger Mario Draghi nach.

Während der Amtszeit Draghis (2011-2019) war beklagt worden, dass die Niedrigzinspolitik der EZB gravierende Nebenwirkungen auslöse, die von der Notenbank nicht berücksichtigt würden. Insbesondere wurde auf die schädlichen Folgen dauerhaft niedriger Zinsen für Sparer und Altersvorsorge und für das Bankensystem sowie auf die Möglichkeit der Bildung von Preisblasen an den Aktien- und Immobilienmärkte hingewiesen.

Bei ihrem Amtsantritt kündigte Christine Lagarde eine umfassende Revision der bisherigen EZB-Strategie bis zum Jahresende 2020 an, die auch die kritisierten Nebenwirkungen der extremen Niedrigzinspolitik einbeziehen sollte. Lagarde erklärte ausdrücklich, dass sie auch das bislang zentrale Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank auf seine „Zeitgemäßheit“ überprüfen wolle.

Wenige Monate nach der Ankündigung Lagardes vom November 2019 führte die Corona-Pandemie jedoch zu einer grundsätzlichen Lageveränderung. Die EZB sah sich zwecks Stützung der angeschlagenen europäischen Wirtschaft genötigt, ihre Niedrigzinspolitik fortzuschreiben und ihre Anleihenkäufe auszuweiten.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie

Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie war die Weltwirtschaft insbesondere durch globale Handelsstreitigkeiten geschwächt. Die Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wurden bis Ende 2019 mehrfach reduziert.

Die Corona-Krise des Jahres 2020 löste die massivsten Rückgänge der Wirtschaftsleistung seit Jahrzehnten aus.

  • Im zweiten Quartal 2020 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt der 19 zur Eurozone gehörenden Staaten gegenüber dem Vorquartal um 12,1 Prozent (Deutschland -10,1 Prozent).
  • Das Bruttoinlandsprodukt in dem für Deutschland so wichtigen Exportmarkt USA stürzte gegenüber dem ersten Quartal 2020 sogar 32,9 Prozent in die Tiefe. Die USA leiden zudem unter einer gefährlichen Mixtur aus besonders schlechtem Corona-Krisen-Management und schweren, sich eher noch verschärfenden innenpolitischen Problemen.

Die Verantwortlichen für Politik und Wirtschaft sind derzeit auf die Umsetzung von Corona-Nothilfe-Maßnahmen fokussiert. Bereits Ende Mai 2020 erreichten die Rettungspakete laut Internationalem Rettungsfonds ein Volumen von 7,8 Billionen US-Dollar.

Bedeutendes Strategiesignal der US-Notenbank: niedrige Zinsen künftig selbst bei guter Konjunktur

Am 27. August 2020 verkündete Jerome Powell, der Präsident der US-Zentralbank Federal Reserve einen vielerorts als „historisch“ bezeichneten Strategiewechsel in der US-Geld- und Zinspolitik. Diese neue Strategie der US-Notenbank könnte sich als richtungsweisend auch für andere Zentralbanken wie die EZB erweisen.

Der US-Notenbank-Präsident erklärte, dass für die Federal Reserve künftig der Arbeitsmarkt, also nicht mehr die Geldwertstabilität oberste Priorität haben werde.

Zwar werde die US-Notenbank, so Powell, das 2-Prozent-Inflationsziel grundsätzlich beibehalten. Nach der neuen Strategie der Federal Reserve genügt es jedoch künftig, wenn sich der mehrjährige Durchschnittswert der Inflationsrate nahe 2 Prozent befindet. Damit werden niedrige Leitzinsen in Zukunft auch bei einer gut laufenden Konjunktur grundsätzlich für zulässig angesehen.

Nach der bisherigen, seit 2012 geltenden Fed-Strategie galt es als „Grund zur Sorge“, wenn vom 2-Prozent-Inflationsziel auf Dauer nach unten oder oben abgewichen wurde.

Während der Corona-Krise hatte die Federal Reserve ihre Leitzins-Spanne auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt und signalisiert, sie wolle noch für längere Zeit an diesem Zinsniveau festhalten.

Fazit: kurz-, mittel- und langfristig niedrige Leitzinsen zu erwarten

Ob auf kurze, mittlere oder lange Sicht – soweit heute absehbar, dürfte sich auch die Europäische Zentralbank für längere Zeit einer äußerst expansiven Geld- und Zinspolitik verpflichtet fühlen. Dauerhaft sehr niedrige Leitzinsen (möglicherweise sogar in verstärktem Ausmaß Negativzinsen) werden die Folge sein.