Bauzinsen berechnen

Aktuelle Bauzinsen Prognose 2021/2022

Hier erfahren Sie die aktuellen Zins-Trends und die Bauzinsen Prognose für 2021/2022

  • täglich neu berechnete Bauzinsen Trends und Charts
  • von Experten betreute Prognosen für Bauzinsen
  • aktuelle Zusammenfassung der Risiken und Chancen
Entwicklung der Bauzinsen

Der aktuelle Bauzinsen Trend für 10-jährige Laufzeiten

Basierend auf dem gleitenden Mittelwert eines beobachteten Zeitraums lässt sich der aktuelle Bauzinsen Trend bestimmen. Im folgenden Bauzinsen Chart vergleichen wir täglich den Bestzins für 10-jährige Laufzeiten mit dem Durchschnittswert der zurückliegenden 40 Wochen:

*Bauzins (eff.) zum Zeitpunkt x (keine Angebote); Berechnungsgrundlagen

Auswertung der Bauzinsen Trends

Hier sehen Sie die tägliche Auswertung der Bauzinsen Trends für alle gängigen Zinsbindungsfristen:

Zinsbindung2 Wochen-Trend*10 Wochen-Trend*40 Wochen-Trend*
5 JahreSeitwärtstrendSeitwärtstrendleichter Aufwärtstrend
8 JahreAufwärtstrendleichter Aufwärtstrendleichter Abwärtstrend
10 JahreAufwärtstrendAufwärtstrendAufwärtstrend
12 JahreAufwärtstrendleichter AufwärtstrendAbwärtstrend
15 JahreAufwärtstrendleichter AufwärtstrendSeitwärtstrend
20 JahreAufwärtstrendSeitwärtstrendSeitwärtstrend
25 Jahreleichter AufwärtstrendSeitwärtstrendleichter Abwärtstrend
30 Jahreleichter AufwärtstrendSeitwärtstrendAbwärtstrend
* basierend auf dem gleitenden Mittelwert des beobachteten Zeitraums, Stand: 25.09.2021

Warum sollten Sie die Trends und Prognosen für Bauzinsen verfolgen?

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Banken gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Kosten Ihres Immobilienkredites. Die Prognose der Bauzinsen ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Immobilien.

Immobilienbesitzer, deren Finanzierung sich in der Zinsbindung befindet, können die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Darlehen für die Zukunft sichern. Mietern, die ihren ständig steigenden Mietenkosten entkommen wollen, wird die Erfüllung eines Immobilienwunsches durch die niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Der Zinssatz für ein Baudarlehen ist allerdings nur ein Faktoren von vielen beim Erwerb einer Immobilie. Ob ein Kauf wirklich „günstig“ ist, hängt auch von einem angemessenen Kaufpreis sowie von der Lage und Ausstattung einer Immobilie ab.

Beispielrechnung:

Sie möchten monatlich 500 Euro als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 aufwenden. Bei einem Effektivzins von 3 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit 23 Jahre und ein Monat. Während diesem Zeitraum müssen Sie Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei einem Effektivzins von 2 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit bereits nur 20 Jahre und drei Monate. Insgesamt entsteht eine deutlich geringere Zinsbelastung in Höhe von 21.740,57 Euro.

Sie möchten eigene Beispiele berechnen? Dann nutzen Sie einfach unseren schnellen Bauzinsrechner mit Tilgungsverlauf und Chart.

Inhalt: Bauzinsen Prognose 2021/2022
1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
2. Die aktuelle Zinssituation
3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose?3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)3.3 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst3.4 Schwache Konjunktur bedeutet niedrige Zinsen3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Kauf nicht überstürzen
4. Zusammenfassung möglicher Bauzinsen Szenarien
5. Fazit: Bauzinsen Prognose 20215.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer5.2 Empfehlungen für die Anschlussfinanzierung

1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren schon oft eine Zinswende vorhergesagt. Nach Ausbruch der Corona-Epidemie und der damit verbundenen Abschwächung der Weltkonjunktur rückt eine Zinserhöhung nicht nur in Europa in weite Ferne.

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bleibt vor dem Hintergrund der durch die Coronakrise schwer getroffenen Volkswirtschaft extrem expansiv.

Unvorhergesehene Ereignisse können jederzeit Prognosen zunichtemachen, die kurz zuvor noch als schlüssig erschienen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu gewichten.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?

Hinweis: Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten daher jede Zinsprognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

2. Die aktuelle Zinssituation

Die Bauzinsen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem allgemeinen Zinsniveau, insbesondere mit den Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere. Dazu zählen Bundesanleihen und öffentliche Pfandbriefe.

Niedrigzinssituation in Deutschland

Bundesanleihen werden von Investoren als „sicherer Hafen“ sogar zu Negativzinsen nachgefragt. Am 22. März 2019 fielen die Markt-Renditen zehnjähriger Bundesanleihen (erstmals wieder seit Oktober 2016) unter die Null-Prozent-Marke. Derzeit rentieren zehnjährige Bundesanleihen bei -0.2 % (18.06.2021).

Anleger erhalten also keine Habenzinsen mehr, sondern verpflichten sich bei Erwerb einer Staatsanleihe faktisch zu Zinszahlungen an den deutschen Staat. Das in festverzinsliche Anleihen investierte Anlagekapital unterliegt zudem einem Kaufkraftverlust durch Inflation.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig

Aufgrund pandemiebedingt erhöhter Staatsausgaben stieg die Verschuldung des Bundes (einschließlich Sondervermögen) bis Ende Oktober 2020 auf 1.215,4 Milliarden Euro. Damit lag die Bundesverschuldung um 162,1 Milliarden Euro über dem Stand vom Jahresende 2019 (+13,3 Prozent). Von der Bundesschuld entfielen 528,6 Milliarden Euro (43,5 Prozent) auf 10-jährige Bundesanleihen und 251,3 Milliarden Euro (20,8 Prozent) auf Papiere mit 30-jähriger Laufzeit (Angaben jeweils ohne inflationsindexierte Anleihen).

Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen sind aufgrund des hohen Anteils an der Gesamtkreditaufnahme des Bundes von großer Bedeutung für die allgemeine Zinsentwicklung.

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel zum Thema Bauzinsen Entwicklung zur Verfügung.

3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose 2021/2022?

Von zentraler Bedeutung für die Bauzinsen ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Darüber hinaus beeinflussen aber auch zahlreiche weitere Faktoren die Renditen deutscher festverzinslicher Wertpapiere und damit indirekt die Höhe von Bauzinsen.

Auf das Zinsniveau können sich unter anderem auswirken:

  • die immer noch nicht vollständig absehbaren Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft,
  • der Austritt Großbritanniens aus der EU – und die Unsicherheiten, die sich aus den noch nicht geregelten Handelsbeziehungen erwachsen
  • aktuelle oder latente Finanz- und Wirtschaftskrisen (zum Beispiel in der Türkei und in Italien)
  • die instabile Situation im Nahen und Mittleren Osten (Syrien, Irak, Iran) und in Nordafrika (insbesondere in Libyen) sowie
  • der wieder aufflammende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1.1 Die derzeitige Geldpolitik der EZB

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dominiert derzeit die Zinsentwicklung in der Eurozone. Aber selbst die EZB scheint teilweise eher von Krisen getrieben, als ein unabhängiger Akteur zu sein.

Ziel der EZB: Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

Um die wirtschaftliche Gefahr einer Deflation zu verringern, strebt die EZB eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an. Nachdem die Inflationsrate 2020 in der Eurozone auf 0,4 Prozent zurückging (2019: 1,2 Prozent), stieg die Inflation in den ersten Monaten des Jahres 2021 deutlich an. Die Geldentwertung liegt aktuell deutlich über dem 2-Prozent-Zielwert der EZB (HVPI, Schätzung: 3.4 %, August 2021).

Extreme Niedrigzinspolitik der Notenbank

Die EZB veränderte ihre Leitzinsen zuletzt am 10. März 2016 (mit Wirkung vom 16. März 2016):

  1. Die Hauptrefinanzierungsfazilität, zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a..
  2. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute nur 0,25 % Zinsen (Spitzenrefinanzierungsfazilität).
  3. Für Guthaben bei der Notenbank (Einlagefazilität), erhalten Banken aktuell negative Zinsen in Höhe von -0.5 Prozent (seit 18.09.2019, zuvor -0,4 Prozent).
Was bezweckt die Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik?

Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Banken zu einer verstärkten Vergabe von Darlehen veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken. Das soll die Konjunktur ankurbeln und so ein Abgleiten in eine für die künftige Wirtschaftsentwicklung gefährliche Deflation vermeiden.

Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Seit März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Länder der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Der Zweck der Aktion ist die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken (Asset Purchase Programme (APP), oder auch "Quantitative Easing").

  • Erworben wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und gedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro. Ab April 2016 weitete die EZB das Volumen auf 80 Milliarden Euro aus.
  • Schrittweise erfolgten dann jedoch Kürzungen der monatlichen Anleihekäufe (ab April 2017: 60 Milliarden Euro, Januar 2018: 30 Milliarden Euro, Oktober 2018: 15 Milliarden Euro).
  • Zum Jahresende 2018 lief das Quantitative-Easing-Programm schließlich aus.
  • Wegen der sich abschwächenden Konjunktur nahm die EZB ab November 2019 das Programm im Volumen von 20 Milliarden Euro wieder auf.
Corona-Pandemie: zusätzliche Ankaufprogramme der EZB

a.) Aufstockung des Asset Purchase Programme (APP)
Wegen der Corona-Pandemie entschied die EZB am 12. März 2020, bis Ende 2020 zusätzlich Vermögenswerte in Höhe von netto 120 Milliarden Euro anzukaufen.

b.) Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP)
Zusätzlich startete die EZB am 26. März 2020 Anleihekäufe privater und öffentlicher Schuldner im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). Das PEPP-Programm ist ein Anleihe-Ankaufprogramm, das zunächst bis (mindestens) Ende Juni 2021 geplant war. Ursprünglich war ein PEPP-Volumen von 750 Milliarden Euro vorgesehen. Am 4. Juni 2020 erhöhte der EZB-Rat das Volumen um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro.

Am 10. Dezember 2020 erweiterte die Europäische Zentralbank das Volumen des PEPP-Programms um weitere 500 Millionen Euro. Auf nunmehr 1,85 Billionen Euro. Das Anleihe-Ankaufprogramm wurde nunmehr bis (mindestens) Ende März 2022 befristet. Es soll aber solange aufrechterhalten bleiben, bis die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie überwunden sind.

Nach Anstieg der Rendite am Anleihemarkt: EZB erklärt Fortsetzung der Niedrigzinspolitik

Im ersten Quartal 2021 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Renditen für Staatsanleihen.

  • So stieg die Rendite für US-Staatsanleihen zwischen Herbst 2020 und Ende März 2021 von 0,7 Prozent auf 1,6 Prozent.
  • Die – zurzeit negative – Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verringerte sich von -0,63 Prozent (Oktober 2020) auf -0,27 Prozent (Ende März 2021).

Als Auslöser des weltweiten Zinsanstiegs werden genannt:

  • das von Joe Biden auf den Weg gebrachte und schuldenfinanzierte US-Konjunkturpaket in Höhe von etwa 1,9 Billionen US-Dollar. Davon werden voraussichtlich auch Exportnationen wie Deutschland profitieren,
  • Erwartungen einer deutlichen Erholung der Weltwirtschaft, auch im Rahmen der Fortschritte bei den Corona-Impfprogrammen.

Die EZB reagierte auf den Zinsanstieg am Kapitalmarkt mit der Bekanntgabe, dass sie an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten wolle.

  • Die EZB werde das Tempo ihrer Anleihenkäufe im zweiten Quartal 2021 verstärken, um ein niedriges Zinsniveau weiterhin sicherzustellen. Günstige Zinsen seien während der Pandemie-Phase von entscheidender Bedeutung, erklärte EZB-Präsidentin Lagarde.
  • Der Gesamtrahmen des Krisenprogramms PEPP von 1,85 Billionen Euro müsse nicht erhöht werden, um die beabsichtigten verstärkten Anleihekäufe durchführen zu können. Im Rahmen von PEPP stünden, so Lagarde, noch etwa eine Billion Euro bereit. Sollte diese nicht ausreichen, so werde man das Programm-Volumen „anpassen“.

Unmittelbar im Nachgang zu dieser Erklärung der EZB-Präsidentin fielen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen wieder. Zur gleichen Zeit stieg der Deutsche Aktienindex auf ein neues Allzeithoch.

3.1.2 Die Entwicklung der Verbraucherpreise

Mit steigender Inflation steigen für gewöhnlich die Leitzinsen und somit das Zinsniveau. In den letzten Jahren bewegten sich aber die Inflationsraten in Deutschland und in der Eurozone auf einem moderaten Niveau. In den ersten Monaten des Jahres 2021 stiegen die Inflationsraten jedoch deutlich an.

Die Entwicklung der Inflation von 2016 bis 2021

In den letzten Jahren unterschritt die Inflation regelmäßig das 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

  • 2015: Eurozone: 0,2 % (Deutschland: 0,3 %)
  • 2016: 1,1 % (0,5 %)
  • 2017: 1,4 % (1,8 %)
  • 2018: 1,7 % (1,9 %)
  • 2019: 1,2 % (1,4 %)
  • 2020: 0,4 % (0,5 %)
  • Januar 2021: 0,9 % (1,1 %)
  • Februar 2021: 0,9 % (1,6 %)
  • März 2021: 1,3 % (2,0 %)
  • April 2021: 1,6 % (2,1 %)
  • Mai 2021: 2,0 % (2,5 %)
  • Juni 2021: 1,9 % (2,1 %)
  • Juli 2021: 2,2 % (3,1 %)
  • August 2021: 3,0 % (3,4 %)

Quelle: Eurostat HVPI-Index

EZB erhöht Inflationsprognose für 2021

Nach dem signifikanten Anstieg der Inflation im ersten Quartal 2021 erhöhte die Europäische Zentralbank ihre Inflationsprognose für 2021 von 1,0 Prozent auf 1,5 Prozent. Gegen Ende des Jahres 2021 sei eine Inflationsrate von 2,0 Prozent möglich, prognostiziert die EZB.

Als Ursachen der verstärkten Inflation im Euroraum nennt die EZB folgende, als vorübergehend oder als technisch eingestufte Gründe:

  • die Wiederanhebung der deutschen Mehrwertsteuer im Januar 2021,
  • Anpassung der Gewichte im Verbraucherpreis-Index (als Reaktion auf den Corona-Shutdown) und
  • Anstieg von Rohstoffpreisen (unter anderem sind die Preise für Rohöl und Kupfer angestiegen),
  • Verteuerung von Energie aufgrund der neu eingeführten CO2-Bepreisung (ab Januar 2021).

Der erhöhte Preisanstieg ist nach Einschätzung der Zentralbank aber wohl nur vorübergehender Natur. Es werde aller Voraussicht nicht zu einem grundlegenden Preisauftrieb kommen.

EZB: was für eine mittelfristig niedrige Inflationsrate spricht

Die Europäische Zentralbank rechnet mittelfristig mit einer Inflationsrate unterhalb des von der Notenbank gesetzten 2-Prozent-Inflationsziels.

Hierfür sprechen laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgende Punkte:

  • die aufgrund der Corona-Krise gedämpfte Nachfrage,
  • die generell gering Auslastung der Produktionskapazitäten der Wirtschaft,
  • die in absehbarer Zeit wahrscheinlich begrenzten Lohnerhöhungen (aufgrund eines schwieriger gewordenen Arbeitsmarkts) und
  • ein gegenüber dem US-Dollar voraussichtlich stärkerer Euro (was dämpfend auf die Entwicklung der Importpreise wirkt).
Bundesbank: Inflationsprognose für Deutschland 2021

Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank und Mitglied im EZB-Rat erwartet bis zum Jahresende 2021 eine deutsche Inflation von über drei Prozent. Nach Auslaufen von Sondereffekten (CO2-Besteuerung und Mehrwertsteuer-Wiederanhebung) ist mit einem Rückgang der Inflation zu rechnen. Aber laut Weidmann werde die Inflation voraussichtlich nicht mehr dauerhaft auf das historisch niedrige Niveau des Jahres 2020 zurückfallen.

Fazit: Inflationsprognose Eurozone

Die EZB rechnet für den weiteren Verlauf des Jahres 2021 mit einem moderaten Anstieg der Inflation in der Eurozone. Mittelfristig könnte sich die Inflationsrate bei etwa zwei Prozent einpendeln.

Langfristig allerdings könnte die Inflation deutlich anziehen: einige Ökonomen gehen auf längere Sicht von Inflationsraten von bis zu fünf Prozent aus. Langfristige Preissteigerungen seien unvermeidbar.

Die Ökonomen begründen ihre Prognose mit der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung werde das Arbeitskräfte-Angebot knapp. Unternehmen werden in Zukunft gezwungen sein, deutlich höhere Löhne zu zahlen.

Für eine langfristig höhere Inflation spreche auch die erhöhte Wachstumsrate der Geldmenge: die jährliche Zuwachsrate der Geldmenge sei im Zuge der Corona-Krise von 5 Prozent auf nunmehr 10 Prozent gestiegen.

3.1.3 Corona-Pandemie: EZB warnt vor Risiken für Finanzstabilität

Bereits Ende 2020 warnte die EZB vor drohenden Gefahren, die sich nach ihrer Annahme im Rahmen der Corona-Pandemie ergeben:

  • Zwar sorgten die gewaltigen staatlichen Hilfsmaßnahmen kurzfristig für eine Eindämmung der Risiken. Sollten jedoch derzeitige Hilfsleistungen wie Darlehensgarantien und Kreditstundungen zu abrupt beendet werden, könnten Unternehmen und private Haushalte unter Druck geraten.
  • Nach Auslaufen der Hilfsprogramme sei damit zu rechnen, dass die Banken zu erhöhten Wertberichtigungen auf Kredite gezwungen sein werde ("Klippeneffekt"). Daher werde die Ertragslage der Banken schwach bleiben.
  • Die EZB beobachtet zudem eine steigende Risikobereitschaft bei Investmentfirmen und teilweise überhöhte Preise bei bestimmten Vermögenswerten. Dies könne zu plötzlichen Kursrückgängen führen und die volkswirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
  • Die Europäische Zentralbank sieht Indizien für überzogene Preise bei Wohnimmobilien. Ob das erreichte Preisniveau am Immobilienmarkt Bestand haben wird, hängt nach Bewertung der EZB davon ab,
    • in welchem Ausmaß die Arbeitslosigkeit krisenbedingt ansteigen und
    • wie stark der Rückgang der Einkommen nach Auslaufen der staatlichen Hilfen ausfallen wird.
Gefahren für die Banken

Am 5. November 2020 hatte die EZB-Bankenaufsicht die Banken aufgefordert, sich auf mögliche wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie einzustellen. Andrea Enria, der italienische Vorsitzende des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus der EZB (Single Supervisory Mechanism, SSM) wies darauf hin, dass die Konjunkturentwicklung auf Sicht weiterhin unsicher bleibe.

Banken, so Enria, könnten zwar auf das Beste hoffen, „sollten sich aber auf das Schlimmste vorbereiten“. Nach Annahme des obersten EZB-Bankenaufsehers bestehen sehr hohe Kreditrisiken, während sich Vermögenswerte in den Bankbilanzen verschlechterten.

Die größte Gefahr für die Kreditwirtschaft sei ein Anstieg „fauler Kredite“. Das kann dazu führen, dass Banken kaum mehr Kredite vergeben. Eine Unterstützung der Wirtschaft ist dann nicht mehr möglich.

EZB: Zinsschwankungen bei möglichen Turbulenzen am Anleihemarkt

Wie aufmerksam und kritisch die EZB die Lage des Bankensektors bewertet, zeigt auch eine Äußerung von Isabel Schnabel. Frau Schnabel ist seit Anfang 2020 Mitglied des sechsköpfigen EZB-Direktoriums. Am 4. November 2020 drückte Schnabel öffentlich ihre Sorge um die weitere Kreditvergabe der Banken in der Eurozone aus.

Bemerkenswert war zudem die Äußerung Schnabels, dass die Stabilität am Anleihemarkt keinesfalls „selbstverständlich“ sei. Die derzeitige Lage sei von „außergewöhnlicher Unsicherheit“ geprägt. Turbulenzen am Anleihemarkt und ein damit verbundenes plötzliches Ansteigen der Zinsen sind nach Einschätzung der EZB momentan jederzeit vorstellbar.

Finanzwirtschaft: Kreditausfälle vor allem für 2022 und 2023 erwartet

Auch die Finanzwirtschaft geht infolge der Corona-Pandemie von deutlich steigenden Wertberichtigungen infolge einer Zunahme des Volumens notleidender Kredite aus. Das ergab eine Umfrage unter 62 Risikomanagern deutscher Finanzinstitute (März 2021).

  • 53 Prozent der befragten Kredit-Rrisiko-Experten erwarten den Höhepunkt der coronabedingten Kreditausfälle im Jahr 2022.
  • 21 Prozent vermuten hingegen, dass der größte Anteil der Wertberichtigungen auf notleidende Kredite auf das Jahr 2023 entfällt.

Es sei den bisherigen staatlichen Hilfsmaßnahmen zu verdanken, dass die Banken bislang nicht von einer großen Kreditausfallwelle getroffen sind. Viele Firmenkunden der Banken würden ohne staatliche Beihilfen nicht mehr existieren.

Bei Immobilienkrediten rechnen Banken jedoch mit geringeren Ausfallquoten als bei Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen. Für die Zukunft sei jedenfalls, so die Risikoexperten der Geldhäuser, von einer zunehmend schwieriger werdenden Lage der Banken auszugehen.

Definition: Was ist ein „notleidender Kredit“?

Als „notleidend“ gilt ein Kredit, wenn der Kreditnehmer mehr als 90 Tage mit der Bedienung des Darlehens in Verzug ist.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) schätzt, dass das Volumen notleidender Kredite bei deutschen Banken von 33 Milliarden Euro (Stand September 2020)

  • in 2021 auf 41 Milliarden Euro und
  • in 2022 auf 47 Milliarden Euro steigen wird.
Effekte der Corona-Pandemie auf die Kreditvergabe der Banken

In welchem Umfang Kredite aufgrund der Corona-Pandemie tatsächlich ausfallen werden, können die einzelnen Banken derzeit nur schwer abschätzen. Kommt es zu coronabedingt erheblichen Kreditausfällen, könnte die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe abnehmen. Eine restriktivere Kreditpolitik der Finanzwirtschaft würde mit allgemein höheren Kreditzinsen verbunden sein – das gilt natürlich auch für Bauzinsen.

Fazit: Kreditrisiken im Bankensystem, Sorge um Anleihemarkt

Bei einem Zusammenwirken von

  • rückläufiger Konjunktur,
  • steigenden Wertberichtigungen auf von Banken herausgelegte Kredite und
  • sich vermindernden Kapitalrücklagen der Finanzwirtschaft

könnte die Niedrigzinspolitik der Zentralbank ins Leere laufen. Dann erscheint ein Anstieg der Bauzinsen möglich.

3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)

Das Zinsniveau im US-Dollar-Raum beeinflusst die Zinsen weltweit. Die US-Notenbank hatte in den USA nach mehrjähriger Null-Zins-Politik bereits im Jahr 2015 die Zinswende nach oben eingeleitet. Ab Juli 2019 war die US-Notenbank jedoch zu ihrer ursprünglichen Niedrigzinspolitik zurückgekehrt.

Der neugewählte US-Präsident Joe Biden sprach sich für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik durch die Federal Reserve aus.

Anhebungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 16.12.2015 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 14.12.2016 von 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15.03.2017 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14.06.2017 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13.12.2017 von 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21.03.2018 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13.06.2018 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26.09.2018 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19.12.2018 von 2,25 bis 2,50 Prozent

Senkungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 31.07.2019 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 18.09.2019 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 30.10.2019 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 03.03.2020 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 15.03.2020 von 0,00 bis 0,25 Prozent (aktueller Stand)

Die Auswirkungen der Coronakrise auf das US-Zinsniveau

Die US-Notenbank folgt (ebenso wie die EZB) dem 2-Prozent-Inflationsziel. Dabei achtet sie aber auf eine von der Entwicklung bei Energiepreisen und Nahrungsmitteln bereinigte Inflationsrate.

Nach einem Inflationstief im Sommer 2019 von 1,6 bis 1,8 Prozent stieg die US-Inflation bis Januar 2020 auf 2,5 Prozent und 2,3 Prozent im Februar 2020. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ging die Inflationsrate im März 2020 kräftig auf 1,5 Prozent zurück.

Unter Bezug auf die Corona-Pandemie sank der US-Leitzins bis zum 15. März 2020 auf eine Bandbreite von nur noch 0,00 bis 0,25 Prozent.

Fazit: weiterhin Niedrigzinspolitik auch in den USA

Wegen der massiven Folgen von Covid-19 auf die US-Wirtschaft werden die US-Zinsen auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau verharren. US-Präsident Joe Biden erklärte ausdrücklich seine Unterstützung für die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank.

3.3 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst

Bundesanleihen weisen derzeit kaum Renditen auf. Wer aktuell zwei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0.68 und -0.6 Prozent pro Jahr. Die längste Bundesanleihe mit einer Laufzeit von knapp 30 Jahren erzielt gerade einmal eine positive Rendite von 0.27 Prozent (Stand 18.06.2021).

Chart: Renditen für Bundesanleihen

Zu berücksichtigen ist bei alledem, dass Anleger selbst geringe Habenzinsen versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.

Bundesanleihen: Ursachen der extrem niedrigen Zinsen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse. Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik. Das sorgt international für eine hohe Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen. Alle wichtigen Rating-Agenturen vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote. Sie halten die finanzielle und ökonomische Situation in Deutschland für auf hohem Niveau stabil.

Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

3.4 Schwache Konjunktur bedeutet niedrige Zinsen

Eine schwache Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem niedrigen Zinsniveau. Eine niedrige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine schwächere Kreditnachfrage und damit für niedrigere Darlehenszinsen.

Außerdem ist bei einer niedrigen Güternachfrage eine schwächere Inflation zu erwarten. Fallende Inflationsraten gehen mit steigenden Anleihekursen (und damit fallenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

3.4.1 Szenario 1: erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung und positive Entwicklung der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft scheint sich derzeit in einer Phase des Umbruchs zu befinden. Nach einer Phase des starken Rückgangs der weltweiten Wirtschaftsleistung befinden sich einige Regionen momentan in einer deutlichen Erholungsphase.

  • China, das mutmaßliche Ursprungsland des Corona-Virus, meldet kaum noch Neuinfektionen, dafür aber enorme Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung.
  • einige Länder sind mit den Impfungen bereits weit fortgeschritten – eine wichtige Voraussetzung für die zeitnahe Belebung des Binnenmarktes.
  • Umfangreiche Konjunkturpakete – zuletzt das bereits erwähnte US-Programm – werden voraussichtlich auch zu einer Belebung der Weltkonjunktur maßgeblich beitragen.
  • Für die Exportnation Deutschland ist das Lagebild noch zwiespältig:
    • einerseits verzeichnet Deutschland eine coronabedingt noch schwache Binnennachfrage und extrem krisenhafte Entwicklungen verschiedener Wirtschaftsbranchen,
    • andererseits profitiert Deutschland von einer sehr starken Exportnachfrage.

Mit zunehmendem Erfolg der internationalen Impfkampagnen sollte sich auch die Weltwirtschaft deutlich erholen. Für diesen Fall könnten die Notenbanken auf mittlere Sicht ihre strenge Niedrigzinspolitik vorsichtig lockern. Zumindest etwas steigende Inflation und höhere Zinsen – schließlich auch für Baufinanzierungen – wären denkbar.

Außerdem ist bei einer niedrigen Güternachfrage eine schwächere Inflation zu erwarten. Fallende Inflationsraten gehen mit steigenden Anleihekursen (und damit fallenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

3.4.2 Szenario 2: Rückschläge in der Pandemie-Bekämpfung und schwache Weltkonjunktur

Von der Corona-Pandemie gehen allerdings weiterhin erhebliche wirtschaftliche Risiken aus:

  • Viele Regionen befinden sich noch tief inmitten der Pandemie. In wichtigen Schwellenländern wie Brasilien und Indien scheint die Pandemie sogar völlig außer Kontrolle zu geraten. Mit unzähligen menschlichen Tragödien und mit gravierenden Folgen für die jeweiligen Länder.
  • Sollte es nicht gelingen, die Pandemie in allen Weltregionen effektiv einzudämmen, dann drohen weitere gefährliche Virus-Mutationen. Damit wäre der Erfolg regionaler Impfkampagnen zunichtegemacht.

Unabhängig von der Corona-Pandemie bestehen weitere Risiken für die Konjunktur:

  • Der Handel mit Großbritannien ist nach dem zum Jahreswechsel 2020 / 2021 vollzogenen Brexit eingebrochen.
  • In Deutschland besteht das Risiko einer Welle von Insolvenzen, sobald die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht Ende April 2021 ausläuft.

Falls die Corona-Pandemie nicht weltweit erfolgreich eingedämmt werden kann, sind die wirtschaftlichen Folgen unabsehbar:

  • Jedenfalls kurz- und mittelfristig sähen sich die Zentralbanken genötigt, an ihrer „Politik des lockeren Geldes“ festzuhalten.
  • Eine auf längere Sicht faktisch unbegrenzte Geldschöpfung durch die Notenbanken, würde aber die Gefahr einer „galoppierenden“ Inflation in sich bergen. Dagegen könnten nur noch eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken und drastische Zinserhöhungen helfen.

Aktuelle Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ging Anfang April 2021 davon aus, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2021 um 6,0 Prozent und 2022 um 4,4 Prozent wächst. (Im Januar 2021 hatte der IWF die entsprechenden Wachstumsraten noch auf 5,5 Prozent beziehungsweise 4,2 Prozent geschätzt.)

In der Eurozone wird die Wirtschaft laut IWF in 2021 um 4,4 Prozent (bisherige Prognose: 4,2 Prozent) und 2022 um 3,8 Prozent zulegen. Das deutsche BIP soll 2021 um 3,6 Prozent wachsen (bisher: 3,5 Prozent).

Für die USA hebt der IWF seine Wachstumsprognosen aufgrund des gewaltigen Konjunkturpakets und der erfolgreichen Impfkampagne für 2021 auf 6,4 Prozent an. Für 2022 erwartet der IWF ein US-Wachstum von 3,5 Prozent.

3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Kauf nicht überstürzen

Auf dem Immobilienmark fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt. Gründe dafür waren ein jahrelang überdurchschnittlich wachsendes Bruttoinlandsprodukt bei zugleich niedrigen Zinsen.

Seit 2015 stiegen die Immobilienpreise (beziehungsweise die Kosten für Bauleistungen) durchschnittlich um über 20 Prozent, davon allein im ersten Quartal 2021 um 4,5 Prozent.

3.5.1 Marktforscher warnen vor einer Immobilienblase

Das Marktforschungs-Institut Empirica ermittelte ein deutlich erhöhtes Rückschlagspotenzial. Dieses sei in den sieben größten deutschen Städten im ersten Quartal 2021 auf 46 Prozentpunkte und im Bundesdurchschnitt auf 28 Prozent gestiegen. „Selbstverständlich“, so meinte der Empirica-Geschäftsführer Braun, existiere bereits eine Immobilienblase.

In den sieben größten deutschen Städten würden Wohnungen, so die Marktforscher, mehr als das Zehnfache eines Jahreseinkommens kosten. Solche Preise seien dauerhaft nicht realistisch. „Entweder steigen die Einkommen oder die Preise fallen irgendwann.“ Erheblich steigende Einkommen erscheinen den Empirica-Forschern aber unwahrscheinlich.

3.5.2 Niedrige Kreditzinsen versus hohe Immobilienpreise

Vielen Interessenten erscheinen die niedrigen Bauzinsen als ein besonders verlockendes Argument für einen Immobilienkauf. Der überproportionale Anstiege der Immobilienpreise überkompensiert jedoch in vielen Fällen die Vorteile von niedrigen Darlehenszinsen. Wer also eine Immobilie erwerben möchte, der sollte unbedingt auf einen angemessenen Kaufpreis achten.

Prognose der Immobilienpreisentwicklung

Für die Zukunft ist eine differenzierte Preisentwicklung am Immobilienmarkt vorstellbar:

  • Besonders starke Preisanstiege verzeichneten in den letzten Jahren Immobilien in Ballungszentren. In diesen Regionen könnte es mittelfristig zu einer gedämpften oder sogar rückläufigen Entwicklung der Kaufpreise kommen.
  • Die Immobilien im Umland der größeren Städte könnten hingegen von verstärkter Nachfrage profitieren. Nicht zuletzt auch als Folge der Corona-Pandemie:
    • Veränderungen in der Arbeitswelt: verstärkte Homeoffice-Nutzung,
    • Verbesserung der Infrastruktur in ländlichen Regionen,
    • „Stadtflucht“ als Folge der während der Pandemie besonders in städtischen Umgebungen empfundenen Einschränkungen.
  • Auf mittlere Sicht könnte sich die Immobilienpreise eher verhalten entwickeln – allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden.

Fazit: wenngleich Kreditzinsen wichtig sind, künftig vor allem auch auf angemessene Immobilienpreise achten

Je höher der Preis einer Immobilie, desto weniger fällt die Entlastung durch niedrige Zinsen einen Immobilienkredit ins Gewicht. Interessenten sollten zwar weiterhin nach einer Baufinanzierung mit optimierten Konditionen Ausschau halten. Angesichts des mancherorts erreichten Preisniveaus entscheidet aber derzeit eher der Kaufpreis als die Zinskondition über die Sinnhaftigkeit eines Immobilienkaufs.

Zusammenfassung möglicher Szenarien

Was könnte zu steigenden Bauzinsen führen?

  • anziehende Weltkonjunktur nach erfolgreich bekämpfter Corona-Pandemie
  • wieder steigende Zinsen für US-Dollar-Anlagen
  • vermehrte Wertberichtigungen der Banken und daraus resultierend verminderte Kreditbereitschaft (aufgrund zunehmender Insolvenzen und erhöhter Arbeitslosigkeit)
  • mögliche krisenhafte Entwicklung an den Anleihe- oder Aktienmärkten

Was könnte für niedrige Bauzinsen sprechen?

  • strikte Niedrigzins-Politik der EZB und der Federal Reserve
  • Abschwächung der Weltwirtschaft (wegen den Folgen der Corona-Pandemie oder wegen des Scheiterns einer weltweiten Eindämmung)
  • Einbruch des Handels zwischen EU und Großbritannien (Brexit)
  • Verschärfung von Handelskriegen und Sanktionen
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume

Wann sind sowohl sinkende als auch steigende Bauzinsen vorstellbar?

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes, vor allem in den Städten
  • jederzeit mögliche Eskalation der Ukraine-Krise
  • Italien: politische und ökonomische Instabilität
  • Eskalation der Finanz- und Wirtschaftskrise in der Türkei

5. Fazit: Bauzinsen Prognose 2021/2022

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der Niedrigzinspolitik der EZB ist ein Zinsanstieg kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten. Allerdings können Krisen an den Zinsmärkten oder eine erhebliche Zunahme fauler Kredite in den Bankenbilanzen zu steigenden Zinsen führen.

5.1 Empfehlungen für Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen ist eine lange Zinsbindung – im Idealfall bis zum Ende der Kreditlaufzeit. Wir empfehlen aber mindestens eine Laufzeit von 12 bis 15 Jahren.

Zugleich sollten Sie eine hohe Tilgungsrate (ab über zwei Prozent) wählen, um die Entschuldung zu beschleunigen.

Bei der Finanzierung einer Immobilie sollten Sie nicht nur auf die niedrigen Bauzinsen, sondern auch auf einen angemessenen Kaufpreis achten. Die Europäische Zentralbank jedenfalls hält den Immobilienmarkt nach jahrelangen Preissteigerungen zumindest teilweise für überteuert.

Solange sich keine durchgreifende Erholung der Weltwirtschaft abzeichnet, erscheinen deutlich höhere Zinsen nahezu ausgeschlossen.

5.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei der Anschlussfinanzierung sollten Sie lange Laufzeiten bevorzugen. Durch niedrigere Zinsen eingesparte Aufwendungen sollten Sie zur Erhöhung der Tilgung verwenden.

Wenn Ihre Finanzierung in den nächsten Jahren ausläuft, können Sie sich bereits heute die niedrigen Bauzinsen durch Forward-Darlehen sichern. Mit einem Forward-Darlehen können Sie die Zinsen für Ihren Anschlusskredit bis zu 60 Monate im Voraus reservieren.