Bauzinsen berechnen

Bauzinsen Prognose 2021/2022

Erfahren Sie wohin sich die Bauzinsen den Trends nach entwickeln

  • datenbasiert, denn niemand kann in die Zukunft sehen
  • täglich neu berechnete Bauzinsen Trends und Charts
  • aktuelle Experten Prognose für die Bauzinsen 2021/2022
Entwicklung der Bauzinsen

Der aktuelle Bauzinsen Trend für 10-jährige Laufzeiten

Basierend auf dem gleitenden Mittelwert eines beobachteten Zeitraums lässt sich der aktuelle Bauzinsen Trend bestimmen. Im folgenden Bauzinsen Chart vergleichen wir täglich den Bestzins für 10-jährige Laufzeiten mit dem Durchschnittswert der zurückliegenden 10 Monate:

Auswertung der Bauzinsen Trends

Hier sehen Sie die tägliche Auswertung der Bauzinsen Trends für alle gängigen Zinsbindungsfristen:

Zinsbindung 2 Wochen-Trend* 10 Wochen-Trend* 10 Monats-Trend*
5 Jahre leichter Aufwärtstrend Aufwärtstrend Aufwärtstrend
8 Jahre Aufwärtstrend Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
10 Jahre Seitwärtstrend Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
12 Jahre Seitwärtstrend Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
15 Jahre Seitwärtstrend leichter Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
20 Jahre Seitwärtstrend Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
25 Jahre Seitwärtstrend Aufwärtstrend Aufwärtstrend
30 Jahre Seitwärtstrend Aufwärtstrend starker Aufwärtstrend
* basierend auf dem gleitenden Mittelwert des beobachteten Zeitraums, Stand: 20.04.2021

Warum Sie die Trends und Prognosen über die Entwicklung der Bauzinsen verfolgen sollten

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Kreditinstitute gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Zinskosten Ihres Immobilienkredites. Die Prognose der Bauzinsentwicklung ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Bestandsimmobilien.

Auch Immobilieneigentümer, deren Baufinanzierung sich noch innerhalb einer Zinsbindung befindet, können sich die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Vereinbarung für die Zukunft sichern. Mietern, die vielleicht schon seit vielen Jahren ihren ständig steigenden Mietverpflichtungen entkommen wollen, wird die Erfüllung eines lange gehegten Immobilienwunsches durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Der Zinssatz für ein Baufinanzierungsdarlehen ist allerdings nur einer der wichtigen Faktoren beim Erwerb einer Immobilie. Ob ein Immobilienkauf wirklich „günstig“ ist, hängt insbesondere auch von einer angemessenen Höhe des Kaufpreises sowie von der bedarfsgerechten Lage und Ausstattung einer Immobilie ab.

Beispielrechnung:

Wer 500 Euro monatlich als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 Euro aufwenden möchte, der muss bei einem Effektivzinssatz von 3 % p. a. während einer Kreditlaufzeit von 23 Jahren und einem Monat Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei Effektivzinsen von 2 % (und einer unveränderten monatlichen Kreditrate von 500 Euro) ist die Baufinanzierung aufgrund der höheren Tilgungsleistung bereits nach 20 Jahren und 3 Monaten vollständig zurückgeführt. Insgesamt entstehen deutlich geringere Zinsbelastungen in Höhe von 21.740,57 Euro.

Inhalt: Bauzinsen Prognose 2021/2022
1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
2. Die aktuelle Zinssituation
3. Was die Bauzinsen Prognose beeinflusst 3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank 3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA) 3.3 Einfluss des Zinsniveaus auf den Aktienmarkt 3.4 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit niedrig verzinst 3.5 Immobilienmarkt und Zinsen: Vorsicht vor Preisübertreibungen 3.6 Gute Konjunktur bedeutet höhere Zinsen 3.7 Weiter zunehmende Risiken: die Auswirkungen (geo-) politischer Krisen
4. Zusammenfassung möglicher Bauzinsen Szenarien
5. Fazit: Bauzinsen Prognose 2021 5.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer 5.2 Empfehlungen für die Anschlussfinanzierung

1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren schon oft eine Zinswende vorhergesagt. Nach Ausbruch der Corona-Epidemie und der damit verbundenen Abschwächung der Weltkonjunktur rückt eine Zinserhöhung nicht nur in Europa in weite Ferne.

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bleibt vor dem Hintergrund der durch die Coronakrise schwer getroffenen Volkswirtschaft extrem expansiv.

Unvorhergesehene Ereignisse können jederzeit Prognosen zunichtemachen, die kurz zuvor noch als schlüssig erschienen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu gewichten.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?

Hinweis: Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten daher jede Zinsprognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

2. Die aktuelle Zinssituation

Die Bauzinsen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem allgemeinen Zinsniveau, insbesondere mit den Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere. Dazu zählen Bundesanleihen und öffentliche Pfandbriefe.

Niedrigzinssituation in Deutschland

Bundesanleihen werden von Investoren als „sicherer Hafen“ sogar zu Negativzinsen nachgefragt. Am 22. März 2019 fielen die Markt-Renditen zehnjähriger Bundesanleihen (erstmals wieder seit Oktober 2016) unter die Null-Prozent-Marke. Derzeit rentieren zehnjährige Bundesanleihen bei -0.27 % (16.04.2021).

Anleger erhalten also keine Habenzinsen mehr, sondern verpflichten sich bei Erwerb einer Staatsanleihe faktisch zu Zinszahlungen an den deutschen Staat. Das in festverzinsliche Anleihen investierte Anlagekapital unterliegt zudem einem Kaufkraftverlust durch Inflation.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig

Aufgrund pandemiebedingt erhöhter Staatsausgaben stieg die Verschuldung des Bundes (einschließlich Sondervermögen) bis Ende Oktober 2020 auf 1.215,4 Milliarden Euro. Damit lag die Bundesverschuldung um 162,1 Milliarden Euro über dem Stand vom Jahresende 2019 (+13,3 Prozent). Von der Bundesschuld entfielen 528,6 Milliarden Euro (43,5 Prozent) auf 10-jährige Bundesanleihen und 251,3 Milliarden Euro (20,8 Prozent) auf Papiere mit 30-jähriger Laufzeit (Angaben jeweils ohne inflationsindexierte Anleihen).

Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen sind aufgrund des hohen Anteils an der Gesamtkreditaufnahme des Bundes von großer Bedeutung für die allgemeine Zinsentwicklung.

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel zum Thema Bauzinsen Entwicklung zur Verfügung.

3. Was die Bauzinsen Prognose 2021/2022 beeinflusst

Von zentraler Bedeutung für das Zinsniveau ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Darüber hinaus beeinflussen aber auch zahlreiche weitere Faktoren die Renditen deutscher festverzinslicher Wertpapiere und damit indirekt die Höhe von Bauzinsen. Auf die Zinsen können sich unter anderem auswirken

  • die noch nicht absehbaren Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaftsentwicklung und auf die Reaktionen von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern – sowohl kurzfristiger als auch möglicherweise langfristiger Verhaltensänderungen
  • der (nach bisherigen Planungen zum Jahresende 2021) umzusetzende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie die Unsicherheiten, die aus den noch nicht geregelten Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien erwachsen
  • aktuelle oder latente Finanz- und Wirtschaftskrisen (zum Beispiel in der Türkei und in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union)
  • die instabile Situation im Nahen und Mittleren Osten (Syrien, Irak, Iran), im ebenfalls ölreichen Nordafrika (insbesondere in Libyen) und in der Ostukraine

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1.1 Die derzeitige Geldpolitik der EZB

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dominiert derzeit das Zinsgeschehen in der Eurozone. Aber selbst die EZB scheint eher ein von der Corona-Pandemie getriebener als ein Akteur mit eigenen Handlungsspielräumen zu sein.

Zentrales geldpolitisches Ziel der EZB: Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

Um die Gefahr einer die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gefährdenden Deflation zu verringern, strebt die Europäische Zentralbank eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an.

Nachdem sich die Geldentwertung diesem Ziel zwischenzeitlich angenähert hatte, geht die Inflationsrate derzeit wieder deutlich zurück.

Extreme Niedrigzinspolitik der Notenbank

Die EZB veränderte ihre Leitzinsen zuletzt am 10. März 2016 (mit Wirkung vom 16. März 2016). Die "Hauptrefinanzierungsfazilität", zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a.. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute lediglich 0,25 % Zinsen ("Spitzenrefinanzierungsfazilität"). Unterhalten Banken Guthaben bei der Notenbank ("Einlagefazilität"), so berechnet ihnen die EZB seit dem 18. September 2019 sogar Minuszinsen in Höhe von 0,5 Prozent (zuvor -0,4 Prozent).

Was bezweckt die Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik?

Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Kreditwirtschaft zu einer verstärkten Darlehensvergabe veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken, die Konjunktur damit ankurbeln und so auch ein Abgleiten in eine gefährliche Deflation vermeiden.

Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Zwischen März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken (Asset Purchase Programme (APP), "Quantitative Easing").

  • Erworben wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und forderungsgedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro. Ab April 2016 weitete die EZB das Ankaufvolumen auf 80 Milliarden Euro aus.
  • Schrittweise erfolgten dann jedoch Reduzierungen der monatlichen Anleihenankäufe (ab April 2017: 60 Milliarden Euro, Januar 2018: 30 Milliarden Euro, Oktober 2018: 15 Milliarden Euro)
  • Zum Jahresende 2018 lief das Quantitative-Easing-Programm schließlich aus.
  • Wegen der sich abschwächenden Konjunkturaussichten nahm die EZB ab November 2019 das Anleihenankaufprogramm im Volumen von 20 Milliarden Euro wieder auf.
Corona-Pandemie: zusätzliche Ankaufprogramme der EZB

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie entschied die Europäische Zentralbank am 12. März 2020, bis zum Jahresende 2020 zusätzlich Vermögenswerte in Höhe von netto 120 Milliarden Euro anzukaufen (Asset Purchase Programme, APP), um die europäische Volkswirtschaft zu unterstützen.

Zusätzlich startete die EZB am 26. März 2020 Ankäufe von Anleihen privater und öffentlicher Schuldner im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). Das PEPP-Programm ist ein temporäres Ankaufprogramm mit einer Laufzeit bis (mindestens) Ende Juni 2021. Nachdem ursprünglich ein PEPP-Volumen von 750 Milliarden Euro vorgesehen war, erhöhte der EZB-Rat das Ankaufvolumen am 4. Juni 2020 um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro.

Am 29. Oktober 2020 erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass im EZB-Rat Einigkeit darüber bestehe, dass angesichts der zweiten Corona-Pandemiewelle und des daraus resultierenden Anstiegs der Risiken für die Konjunktur weitere geldpolitische Maßnahmen der EZB erforderlich seien.

Volkswirte nehmen an, dass der EZB-Rat möglicherweise bereits in seiner Sitzung vom 10. Dezember 2020 eine nochmalige Ausweitung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) beschließen wird.

Corona-Pandemie: EZB warnt vor Risiken für Finanzstabilität

Ende November 2020 warnte die EZB in ihrem Halbjahresbericht zur Finanzstabilität vor drohenden Gefahren, die sich nach ihrer Einschätzung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ergeben:

  • Zwar sorgten die gewaltigen staatlichen Hilfsmaßnahmen kurzfristig für eine Risikoeindämmung. Sollten jedoch derzeitige Unterstützungsleistungen wie Darlehensgarantien und Kreditstundungen zu abrupt beendet werden, könnten Unternehmen und private Haushalte nach Einschätzung der EZB unter finanziellen Druck geraten.
  • Nach Auslaufen der staatlichen Hilfsprogramme sei damit zu rechnen, dass die Finanzwirtschaft zu erhöhten Wertberichtigungen auf Kredite gezwungen sein werde. Daher werde die Ertragslage der Banken schwach bleiben.
  • Die EZB beobachtet zudem eine steigende Risikobereitschaft bei Investmentgesellschaften und teilweise überhöhte Preise bei bestimmten Vermögenswerten. Dies könne zu plötzlichen Kursrückgängen führen und die volkswirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
  • Die Europäische Zentralbank sieht Indizien für überzogene Preise bei Wohnimmobilien, nachdem die Immobilienpreise innerhalb der Eurozone im ersten Halbjahr 2020 um weitere 5 Prozent gestiegen seien. Ob das erreichte Preisniveau am Immobilienmarkt Bestand haben wird, hängt nach Bewertung der EZB davon ab, in welchem Ausmaß die Arbeitslosigkeit krisenbedingt ansteigen und wie stark der Rückgang der Haushaltseinkommen nach Auslaufen der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen ausfallen wird.
Corona-Pandemie: EZB-Bankenaufsicht sieht große potenzielle Gefahren für Finanzinstitute

Bereits am 5. November 2020 hatte die EZB-Bankenaufsicht die europäische Geldinstitute aufgefordert, sich auf möglicherweise drohende ökonomische Auswirkungen der zweiten Welle der Corona-Pandemie einzustellen.

Andrea Enria, der italienische Vorsitzende des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus der EZB (Single Supervisory Mechanism, SSM) wies darauf hin, dass die die Konjunkturentwicklung in den nächsten Monaten unverändert unsicher bleibe. Banken, so Enria, könnten zwar auf das Beste hoffen, „sollten sich aber auf das Schlimmste vorbereiten.“

Nach Einschätzung des obersten EZB-Bankenaufsehers existieren sehr hohe Kreditrisiken, während sich Vermögenswerte in den Bankbilanzen verschlechterten. Die größte Gefahr für die Kreditwirtschaft sei ein Anstieg „fauler Kredite“. Dies könne in einigen Fällen dazu führen, dass Banken keine Kredite mehr vergeben könnten und eine Unterstützung der Wirtschaft durch Kreditgewährung nicht mehr möglich sei.

Wie aufmerksam und kritisch die EZB die Lage des Bankensektors bewertet, zeigt auch eine Äußerung von Isabel Schnabel, seit Anfang 2020 Mitglied des sechsköpfigen EZB-Direktoriums. Auch Schnabel drückte am 4. November 2020 ihre Sorge um die weitere Kreditvergabe der Banken in der Eurozone aus. Bemerkenswert war zudem ihre Äußerung, dass die Stabilität am Anleihemarkt keinesfalls „selbstverständlich“ sei. Die derzeitige Lage sei von „außergewöhnlicher Unsicherheit“ geprägt.

Turbulenzen am Anleihemarkt und ein damit verbundenes plötzliches Ansteigen der Zinsen sind nach Einschätzung der EZB momentan jederzeit möglich.

Kreditrisiken im Bankensystem, Unsicherheiten im Anleihemarkt: mögliche Auswirkungen auf das Zinsniveau

Bei einem Zusammenwirken von rückläufiger Konjunktur, steigenden Wertberichtigungen auf von Banken herausgelegte Kredite und sich vermindernden Kapitalrücklagen könnte die Niedrigzinspolitik der Zentralbank ins Leere laufen.

Sollte die Finanzwirtschaft aufgrund dramatisch steigender Kreditausfälle zu größerer Zurückhaltung bei den Kreditvergaben gezwungen sein oder kommt es zu einem Zinsanstieg aufgrund von Turbulenzen an den Anleihemärkten, dann erscheint ein Anstieg der Zinsen auch für Baufinanzierungskredite durchaus möglich.

3.1.2 Die Entwicklung der Verbraucherpreise – nicht mehr zwingendes Kriterium für die EZB-Zinspolitik, aber immer noch ein wichtiger Anhaltspunkt

Eine hohe Inflation korrespondiert gewöhnlich mit einem erhöhten Zinsniveau. In den letzten Jahren bewegten sich die Inflationsraten in Deutschland und in der Eurozone auf einem moderaten Niveau.

Inflationsentwicklung 2016 bis 2020

In den letzten Jahren unterschritt die Geldentwertungsrate regelmäßig das 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

  • 2016: 0,2 % in der Eurozone (0,5 % in Deutschland),
  • 2017: 1,3 % (1,5 %),
  • 2018: 1,7 % (1,8 %),
  • 2019: 1,2 % (1,4 %),
  • 2020: 0,4 % (0,5 %),
  • Januar 2021: 0,9 % (1,1 %)
  • Februar 2021: 0,9 % (1,4 %)
  • März 2021: - % (1,8 %)
Aktuelle Inflationsprognose von EZB und Deutscher Bundesbank

In ihrem Monatsbericht November 2020 geht die Deutsche Bundesbank wegen der zweiten Corona-Welle und der daraufhin ergriffenen Teil-Lockdown-Maßnahmen davon aus, dass die europäischen Volkswirtschaft im IV. Quartal 2020 einen Rückschlag hinnehmen muss, nachdem sie sich in den Sommermonaten von der ersten Corona-Welle (März und April 2020) kräftig erholen konnten. Die offenbar vor dem Einsatz stehenden Corona-Impfstoffe geben laut Deutscher Bundesbank aber Anlass zur Hoffnung, dass die pandemiebedingten Restriktionen in absehbarer Zeit allmählich auslaufen könnten. Damit sei eine deutliche wirtschaftliche Erholung wahrscheinlich, die durch die umfangreichen staatlichen Hilfspakete gefördert werde.

Eine Verbesserung der konjunkturellen Situation in Verbindung mit einer durch die Zentralbank stark ausgeweiteten Geldmenge dürfte zu einem Anstieg der Geldentwertung führen. Die Europäische Zentralbank erhöht daher ihre Inflationsprognosen (Stand 30.11.2020) auf

  • 1,6 % (2021) und
  • 1,9 % (2022).
Einordnung der Inflationsprognosen

Die bisherigen Inflationsprognosen sind mit Eintritt der Coronakrise hinfällig geworden. Derzeit lässt sich kaum mit Sicherheit sagen, wie sich die Inflationsrate mittel- oder langfristig entwickeln wird. Kurzfristig dürfte die Inflationsrate aufgrund nachlassender Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern eher niedrig bleiben. Die durch Hilfsprogramme von Staaten und Notenbanken explosionsartig erhöhten Geldmengen könnten aber längerfristig kräftige Preissteigerungen auslösen.

Möglich erscheinen zumindest in einigen Produktbereichen dauerhafte Nachfrage-Rückgänge – auch weit über den Zeitraum der Coronakrise hinaus. Die Coronakrise könnte tiefgreifende Veränderungen des Konsumverhaltens auslösen – beispielsweise eine beschleunigte Anpassung an die Herausforderungen des Klimaschutzes. Von grundsätzlichen Änderungen der Konsumgewohnheiten könnten beispielsweise die vielleicht vor drastischen Schrumpfungsprozessen stehende Luftfahrtbranche, die Automobilindustrie, der Tourismussektor, die Veranstaltungsbranche sowie Gastronomie und Hotellerie betroffen sein.

Sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dauerhaft, dann sind niedrige Inflationsraten und auch auf längere Sicht tendenziell niedrige Zinsen zu erwarten.

3.1.3 Mögliche Neuausrichtung der EZB-Zinspolitik unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Als richtungsweisend für die künftige Entwicklung auch der Bauzinsen könnte sich eine mögliche Neuausrichtung der Geldpolitik der Notenbank durch Christine Lagarde erweisen, der seit November 2019 amtierenden EZB-Präsidentin.

Lagarde will zwar die bisherige Zinspolitik ihres Vorgängers Mario Draghi zunächst beibehalten. Zugleich aber kündigte sie an, die bisherige EZB-Strategie bis Ende 2020 umfassend zu überprüfen. Ausdrücklich wies sie darauf hin, dass sie auch das bisher für die EZB-Geldpolitik zentrale „2-Prozent-Inflationsziel“ daraufhin überprüfen wolle, ob es noch „zeitgemäß“ sei.

Insbesondere will Lagarde die negativen Nebenwirkungen der bereits langjährigen EZB-Niedrigzinspolitik stärker berücksichtigen. Schon bei Vorlage ihres Stabilitätsberichts hatte die EZB im November 2019 von Einschätzung der Notenbank berichtet, dass Kapitalanleger vor dem Hintergrund niedriger Zinsen zunehmend zur Inkaufnahme überhöhter Risiken bereit seien, um Erträge für ihr Kapital zu erwirtschaften.

Angekündigte Neuausrichtung der EZB-Geldpolitik: im Schatten der Corona-Pandemie

Auch die von Christine Lagarde geplante Neuausrichtung der EZB-Geldpolitik dürfte von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht unbeeinflusst bleiben. Die Zentralbank wird versuchen, den „Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft“ durch längerfristig niedrige Leitzinsen unterstützen.

3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)

Das Zinsniveau im US-Dollar-Raum beeinflusst die Zinsen weltweit. Das Federal Reserve System (die US-Notenbank) hatte in den USA nach mehrjähriger Null-Zins-Politik bereits im Jahr 2015 die Zinswende nach oben eingeleitet.

Bis Ende 2019 wollte die US-Zentralbank ihren Leitzins Federal Funds Rate eigentlich bis auf 3,00 Prozent anheben. Am 20. März 2019 beschloss die Federal Reserve jedoch nach massivem Druck durch Präsident Donald Trump, ihre drei Jahre zuvor begonnene Straffung der Geldpolitik „vorerst“ einzustellen. Ab Juli 2019 erfolgten dann sogar mehrere Zinssenkungen.

Joe Biden, der designierte Nachfolger von Trump im Amt des US-Präsidenten, sprach sich bereits für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik durch die Federal Reserve aus.

Anhebungen der US-Leitzins-Bandbreite um jeweils 0,25 Prozent

  • 16.12.2015 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 14.12.2016 von 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15.03.2017 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14.06.2017 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13.12.2017 von 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21.03.2018 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13.06.2018 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26.09.2018 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19.12.2018 von 2,25 bis 2,50 Prozent

Senkungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 31.07.2019 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 18.09.2019 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 30.10.2019 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 03.03.2020 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 15.03.2020 von 0,00 bis 0,25 Prozent (aktueller Stand)

Die Auswirkungen der Coronakrise auf das US-Zinsniveau

Die Federal Reserve der USA folgt (ebenso wie die EZB) dem 2-Prozent-Inflationsziel, achtet dabei aber besonders auf eine von der Entwicklung bei Energiepreisen und Nahrungsmitteln bereinigte Inflationsrate.

Nach einem Inflationstief im Sommer 2019 von 1,6 bis 1,8 Prozent stieg die US-Geldentwertung bis Januar 2020 auf 2,5 Prozent und 2,3 Prozent im Februar 2020. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ging die Jahresinflationsrate im März 2020 kräftig auf 1,5 Prozent zurück.

Unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die Corona-Pandemie senkte die Federtal Reserve am 3. März 2020 den Korridor ihres Leitzinses „Federal Funds Rate“ um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 bis 1,25 Prozent. Nachdem dieser Zinsschritt den coronabedingten Kurssturz an den Aktienbörsen nicht zu stoppen vermochte, folgte nur kurz darauf, am 15. März 2020 eine zweite Leitzinssenkung um nunmehr volle 1,0 Prozentpunkte auf eine Bandbreite von nur noch 0,00 bis 0,25 Prozent.

Außerdem kündigte die Federal Reserve an, durch Anleihenankäufe Liquidität im Volumen von 700 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft zu pumpen. Darüber hinaus sollen Banken gegebenenfalls Notfallkredite erhalten.

Ohnehin war bereits vor der Coronakrise kaum mit steigenden Zinsen in den USA zur rechnen: der auf seine persönlichen Interessen stets sorgsam bedachte Donald Trump erhofft sich von niedrigen, die Konjunktur stützenden Zinsen Rückenwind für seine Wiederwahl.

Im sogenannten „Beige Book April 2020“ der Federal Reserve, das Analysen der US-Notenbank zur aktuellen wirtschaftlichen Situation enthält (veröffentlicht am 15.04.2020), berichtet die Fed von einem durch die Corona-Pandemie ausgelösten abrupten und scharfen Wirtschaftseinbruch in sämtlichen US-Regionen.

Fazit

Schon wegen der massiven Auswirkungen von Covid-19 auf die US-Wirtschaft werden die Zinsen in den USA voraussichtlich auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau verharren „President elect“ Joe Biden erklärte bereits seine Unterstützung für die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank.

3.3 Einfluss des Zinsniveaus auf den Aktienmarkt

Höhere Zinsen wirken sich eher dämpfend auf die Kursentwicklung am Aktienmarkt aus: Sie gehen mit einer Renditesteigerung für festverzinsliche Wertpapiere einher, die dann als Anlageform gegenüber Aktien attraktiver erscheinen und sind mit steigenden Fremdkapitalkosten für Unternehmen verbunden.

Ein niedriges Zinsniveau erhöht hingegen die Attraktivität von Aktieninvestments als möglicherweise renditestarker Anlagealternative.

Nach mehrjährigem Kursanstieg erreichte der DAX am 23. Januar 2018 mit 13.597 Punkten ein neues Allzeit-Hoch. Anschließend verlor der deutsche Leitindex jedoch deutlich und ging bis zum Jahresende 2018 auf 10.559 Zähler zurück. Damit büßte der DAX im Jahresverlauf 2018 immerhin 2.420 Indexpunkte ein (18,6 Prozent).

Nachdem die Europäische Zentralbank die bei vielen Investoren bestehenden Erwartungen auf steigende Zinsen nicht erfüllt hatte, kam es in 2019 zu einem erneuten DAX-Anstieg um fast 26 Prozent auf 13.287 Punkte.

Anfang 2020 setzte sich der weltweite Aktien-Kursanstieg zunächst fort. Am 18. Februar 2020 erreichte der DAX ein weiteres historisches Hoch bei 13.789 Punkten.

Unmittelbar anschließend allerdings führten die den Kapitalanlegern bewusst werdenden dramatischen Konsequenzen der Corona-Pandemie zu einem jähen Kursabsturz: der deutsche Aktien-Index verlor innerhalb nur eines Monats 38,6 Prozent - bis auf einen Tiefststand von 8.472 Index-Punkten am 17. März 2020.

Trotz der unklaren Auswirkungen der Pandemie gelang den Kapitalmärkten weltweit ein überraschend schnelle Stabilisierung. Auch der DAX konnte die vorangegangenen Kursverluste rasch wieder ausgleichen. Anfang Dezember 2020 notierte der Index bei etwa 13.300 Zählern – in der Nähe seines im Februar 2020 erreichten historischen Höchststands.

Ausblick auf die DAX-Entwicklung 2021

Die weitere Kursentwicklung an den internationalen Börsen hängt von der Bewältigung der Corona-Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgeschäden ab.

Der bereits für Dezember 2020 oder Januar 2021 angekündigte Einsatz von Impfstoffen könnte den Börsen weiteren Auftrieb geben. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass zumindest das Jahr 2021 - selbst bei reibungsloser Impfung der Weltbevölkerung - noch von coronabedingten Einschränkungen geprägt sein wird.

Abzuwarten bleiben außerdem die Folgewirkungen der im vierten Quartal 2020 begonnenen zweiten Pandemiewelle. Einzelne Branchen wie Luftfahrt und Automobilindustrie weisen coronabedingt besondere Risiken auf. Eine zentrale Bedeutung wird jedoch der Finanzwirtschaft zukommen: Sollten bei mittelfristig erhöhter Arbeitslosigkeit und aufgrund zahlreicher Unternehmensinsolvenzen gewerbliche und private Kredite in größerem Umfang ausfallen, so könnten (ohnehin ertragsschwache) Finanzinstitute in Schwierigkeiten geraten – mit möglichen Folgen für die Kreditversorgung der gesamten Volkswirtschaft.

Das Börsenjahr 2021 dürfte noch von erheblichen Unwägbarkeiten belastet sein.

3.4 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst

Bundesanleihen weisen derzeit kaum Renditen auf. Wer aktuell zwei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0.7 und -0.61 Prozent pro Jahr. Die längste Bundesanleihe mit einer Laufzeit von knapp 30 Jahren erzielt gerade einmal eine positive Rendite von 0.29 Prozent (Stand 16.04.2021).

Chart: Renditen für Bundesanleihen

Zu berücksichtigen ist bei alledem, dass Anleger selbst geringe Habenzinsen noch versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.

Bundesanleihen: Ursachen der extrem niedrigen Zinsen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse.

Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik Deutschland, die für eine international hohe Nachfrage nach Bundesanleihen sorgt. Alle bedeutenden Rating-Agenturen halten die finanzielle und ökonomische Situation Deutschland für auf hohem Niveau stabil und vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote.

Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisensituationen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

Coronakrise beendet „Schwarze Null“

Die in den Jahren der „Schwarzen Null“ erzielten Haushaltsüberschüsse (Bundeshaushalte ohne Nettoneuverschuldung) gehören seit März 2020 der Vergangenheit an. Ende März 2020 beschlossen Bundestag und Bundesrat Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und für das Gesundheitswesen im Volumen von insgesamt 1.173 Milliarden Euro (davon 353,3 Milliarden Euro als unmittelbar haushaltswirksame Unterstützungsleistungen und 819,7 Millionen Euro als Bundesgarantien). Hinzu kommen Hilfspakete der Bundesländer und der Europäischen Union. Alle politischen Handlungsebenen schließen weitere Hilfspakete bei Bedarf nicht aus.

Zum Vergleich: der ursprüngliche Bundeshaushalt für das Jahr 2020 sah Ausgaben in Höhe von 362 Milliarden Euro vor.

Niedrige Zinssätze für Bundesanleihen korrespondieren mit niedrigen Bauzinsen. Kursrückgänge langlaufender Bundesanleihen gehen gewöhnlich einem Anstieg der Bauzinsen einher.

3.5 Immobilienmarkt und Zinsen: Immobilienkauf nicht überstürzen

Vor dem Hintergrund eines jahrelang überdurchschnittlich wachsenden Bruttoinlandsprodukts bei zugleich niedrigen Zinsen fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt. Die Preise für Wohnimmobilien stiegen allein von 2015 bis Ende 2019 um durchschnittlich 15,7 Prozent.

Im ersten Halbjahr 2020 stiegen die Preise für Wohnimmobilien nach Feststellung der Europäischen Zentralbank um weitere fünf Prozent.

Auswirkungen der Coronakrise auf den Immobilienmarkt noch nicht absehbar

Für einen zumindest langfristig weiteren Preisanstieg sprechen die enge Wohnraumsituation in Ballungszentren und der Wunsch vieler Bürger, Wohneigentum zur Altersversorgung zu erwerben. Kapitalanlegern wiederum mangelt es angesichts niedriger Zinsen an Anlagealternativen.

Potenzielle Immobilienkäufer könnten allerdings wegen verschlechterter Konjunkturaussichten, unsicherer gewordener Arbeitsplätze und möglicher Einkommenseinbußen beim Erwerb von Immobilien künftig zurückhaltender agieren. Ohnehin erschweren Kontaktrestriktionen und Ängste vor einer Corona-Infektion manche Geschäftsanbahnung zwischen Käufern und Verkäufern.

Einiges spricht für eine mittelfristig verhaltene und zumindest in einzelnen Marktsegmenten sogar rückläufige Entwicklung der Immobilienpreise, zumal

  • das Preisniveau für Häuser und Wohnungen in den letzten Jahren stark angestiegen ist und der Immobilienmarkt teilweise bereits vor der Corona-Krise als überhitzt galt,
  • die Nachfrage nach gewerblich genutzten Flächen zurückgeht (gewerbliche Insolvenzen, branchenspezifisch verminderter Raumbedarf, verstärkte Home-Office-Nutzung),
  • die Coronakrise bei vielen Unternehmen und Verbrauchern einen erhöhten Liquiditätsbedarf ausgelöst und allgemein zu besonderer Vorsicht bei größeren Investitionsentscheidungen beigetragen hat.

3.6 Schwache Konjunktur bedeutet niedrige Zinsen

Eine schwache Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem niedrigen Zinsniveau. Eine niedrige Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine schwächere Kreditnachfrage und damit für niedrigere Darlehenszinsen.

3.6.1 Güternachfrage und Inflation

Außerdem ist bei einer niedrigen Güternachfrage eine schwächere Inflation zu erwarten. Fallende Inflationsraten gehen mit steigenden Anleihekursen (und damit fallenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

3.6.2 IWF, EU-Kommission, Bundesregierung: Akteure weltweit im Corona-Krisenmodus

Nach einem Jahrzehnt eines ununterbrochenen Wirtschaftsaufschwungs begannen verschiedene Institutionen bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2018 mit der Absenkung ihrer Wirtschaftsprognosen. Als größte Risiken wurden unisono die maßgeblich von der Administration Trump zu verantwortenden Handelskonflikte („America First“) und der Brexit benannt, dessen Auswirkungen schwer einschätzbar sind. Einig schienen sich die weltweiten „Wirtschaftsweisen“ auch darin zu sein, dass sich der Wachstum der Wirtschaft in 2020 – wenngleich mit erheblich vermindertem Tempo – fortsetzt.

3.6.3 Das Coronavirus verändert die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen

Viele der für die Weltwirtschaft bislang geltenden Grundannahmen ändern sich durch die Corona-Pandemie - noch rücksichtsloser und folgenschwerer als ein vielerorts als unberechenbar geltender Politakteur wie Donald Trump erweist sich nun ein winziger neuartiger Virus.

Praktisch über Nacht wurde die Eindämmung der weltweit grassierenden Corona-Seuche und die Suche nach Möglichkeiten zur Begrenzung ihrer Folgeschäden zu einer prioritären Aufgabe von Politik, Ökonomie und Medizin. An die Stelle eines zuvor nahezu blinden Glaubens an die Globalisierung und an die Funktionsfähigkeit internationaler Lieferketten tritt schockartig die Erkenntnis, dass ein in weit entfernten Weltregionen (unter nicht selten fragwürdigen Arbeits- und Umweltbedingungen) realisierbarer „Minimalpreis“ für die Güterproduktion keinesfalls immer der volkswirtschaftlich „günstigste“ Preis sein muss - insbesondere dann, wenn es um strategisch bedeutsame oder sogar überlebenswichtige Produkte geht.

Lehren und Auswirkungen der Corona-Pandemie

Künftig werden beispielsweise bestimmte Medizinprodukte wohl wieder verstärkt in Europa hergestellt werden, auch wenn dies mit höheren Produktpreisen und - insbesondere in einer alternden Gesellschaft - mit höheren Sozialversicherungsbeiträgen verbunden sein könnte.

Steigende Preise für diverse strategisch wichtige Produkte aber verringern die für anderweitigen Konsum verfügbare Kaufkraft von Verbrauchern. Dies könnte - bei auf absehbare Zeit wohl bestenfalls gleichbleibenden Nettoeinkommen - den Produktabsatz anderer Wirtschaftsbranchen beeinträchtigen, dort zu Arbeitsplatzverlusten führen und generell eine Tendenz zu grundlegenden Änderungen vieler Verhaltensweisen verstärken.

Eine größere Zurückhaltung bei Investitionen und Konsum könnte mittelfristig zu einem weiteren Rückgang der Inflationsrate und möglicherweise sogar zu einer für die Wirtschaftsentwicklung gefährlichen Deflation führen. Dann aber ist mit einem dauerhaft niedrigen Zinsniveau zu rechnen.

Zugleich könnte die Nachfrage nach Immobilien wegen größerer Vorsicht von potenziellen privaten „Häuslebauern“, Unternehmen und Kapitalanlegern zurückgehen, was zu einem rückläufigen Preisniveau auf dem Immobilienmarkt insbesondere in den als überhitzt geltenden Ballungsgebieten führen könnte.

Träfe diese Einschätzung zu (dauerhaft niedrige Zinsen und nach dem Preisboom der letzten Jahre tendenziell sinkende Immobilienpreise), dann stünden Immobilieninteressenten nicht unter einem unmittelbare Entscheidungsdruck, sondern könnten sich ausreichend Zeit nehmen, um die wirtschaftliche Lage und die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt sorgfältig zu beobachten.

3.6.4 Wirtschaftswachstumsprognosen nach Erkennung der Corona-Pandemiefolgen

Nachdem gravierende Auswirkungen der Corona-Pandemie absehbar wurden, nahmen alle Ökonomen ihre Wirtschaftsprognosen deutlich zurück.

Allerdings unterlagen die im bisherigen Jahresverlauf 2020 erstellten Prognoserechnungen erheblichen Unsicherheitsfaktoren. Dies zeigt sich nicht zuletzt an den großen Schwankungsbreiten der Prognosen und den sich schnell verändernden Prognoseergebnissen.

Weltwirtschaft und Eurozone

Anfang Dezember 2020 prognostizierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein globales Schrumpfen der Wirtschaftsleistung in 2020 um 4,2 Prozent (Prognose im März 2020: +2,4 Prozent, für den Pandemiefall: +1,5 Prozent). Positivere Signale sendet die chinesische Volkswirtschaft: Für China erwartet die OECD für 2020 ein BIP-Wachstum von +1,8 Prozent (Prognose im März 2020: +4,9 Prozent) beziehungsweise von +8,0 Prozent (2021) und 4,9 Prozent (2022) für die Folgejahre.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nahm im Oktober 2020 für das laufende Jahr einen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung um -4,4 Prozent an (Prognose im Juni 2020: -4,9 Prozent). Im Jahr 2021 soll die Weltwirtschaft dann wieder um 5,2 Prozent wachsen.

Wirtschaftsprognosen für Deutschland

Viele Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 weniger stark einbricht als noch im Frühjahr 2020 angenommen, dafür aber das Wirtschaftswachstum in 2021 etwas geringer als bislang prognostiziert ausfällt.

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („fünf Wirtschaftsweise“) (November 2020)

  • 2020: -5,1 Prozent (Prognose im Juni 2020: -6,5 Prozent),
  • 2021: +3,7 Prozent (Prognose im Juni 2020: +4,9 Prozent)

Gemeinschaftsprognose führender Wirtschaftsforschungsinstitute (Oktober 2020)

  • 2020: -5,4 Prozent (Prognose im April 2020: -4,2 Prozent),
  • 2021: +4,7 Prozent (Prognose im April 2020: +5,8 Prozent)

Internationaler Währungsfonds (Oktober 2020)

  • 2020: -6,0 Prozent (Prognose im Juni 2020: -7,8 Prozent),
  • 2021: +4,2 Prozent (Prognose im Juni 2020: +5,4 Prozent)

Bundesregierung (Oktober 2020)

  • 2020: -5,5 Prozent (Prognose im September 2020: -5,8 Prozent),
  • 2021: +4,4 Prozent (Prognose im September 2020: +4,4 Prozent).
Fazit zur wirtschaftlichen Situation

Zinserhöhungen, und damit ein Anstieg der Bauzinsen, erscheinen angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf kurze und mittlere Sicht eher unwahrscheinlich. Ganz ausschließen lässt sich aber ein Zinsanstieg vor dem Hintergrund der Unsicherheiten am Kapitalmarkt nicht: die Europäische Zentralbank hält krisenhafte Entwicklungen an den Anleihemärkten (und damit auch an den Zinsmärkten) zumindest für möglich.

3.7 Auch ohne Corona vielfältige Risiken: (geo-) politische Krisen

Bei der Erstellung einer Zinsprognose sind auch (geo-) politische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zwar lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen derartiger Risiken häufig nur schwer einschätzen. Realisiert sich jedoch auch nur eine einzige dieser Gefahren, dann sind gravierende Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten einschließlich der Zinsmärkte möglich. Derzeit ist eine Häufung und Ausweitung verschiedenster (geo-) politischer Risiken festzustellen.

3.7.1 Rohölpreis: stabilisiert nach Corona-bedingtem Kurszusammenbruch

Sinkende Rohstoffpreise signalisieren eine schwächere Weltkonjunktur, was tendenziell ein niedriges Zinsniveau begünstigt. Steigende Rohölpreise sind zumeist die Folge einer (zumindest befürchteten) krisenhaften Verknappung des Ölangebots und/oder der Ausdruck guter Perspektiven für die Weltkonjunktur.

Der weitgehende Stillstand der Weltwirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie führte im April 2020 zu einem Kollaps der Rohölpreise. Zwar hatten sich Russland und die ölexportierenden OPEC-Staaten unter Führung von Saudi-Arabien am 10. April 2020 auf eine Förderkürzung um täglich zehn Millionen Barrel geeinigt, doch reicht dies bei weitem nicht aus, um das Rohöl-Angebot an die coronabedingt um täglich etwa 30 Millionen Barrel verminderte Nachfrage anzupassen.

Insbesondere in den USA drohen Engpässe bei den Rohöl-Lager-Kapazitäten. Daraufhin wurde die US-Rohölsorte WTI am 20. April 2020 zu negativen Preisen von bis zu minus 40,32 US-Dollar je Barrel gehandelt, was im Vergleich zum Vortag einem Preisverfall von über 320 Prozent gleichkam.

Der historisch noch nie dagewesene Negativpreis für Rohöl bedeutet, dass sich Käufer des Öls nur noch dann fanden, wenn ihnen der Verkäufer zusätzlich zum Rohöl eine Geldzahlung zukommen ließ. Die Besitzer von Rohöl wissen angesichts des auf die Lagerkapazitäten drückenden Überangebots offenbar kaum noch, wo sie ihr Öl denn einlagern sollten und bemühen sich daher um nahezu jeden Preis, ihr Rohöl loszuschlagen. Die größten US-Rohöllager bewegen sich derzeit rasch auf ihre Kapazitätsgrenzen zu, obwohl auch bereits Öltanker zu Zwecken der Öleinlagerung genutzt werden.

Am Morgen des auf den beispiellosen Kursabsturz folgenden 21. April 2020 notierte WTI-Rohöl bei nur +1,40 US-Dollar je Barrel. Die in der Nordsee geförderte Rohölsorte Brent kostete 25,2 US-Dollar je Barrel, fiel aber im Tagesverlauf auf unter 20 US-Dollar.

Die Entwicklung am Rohölmarkt zeigt exemplarisch das gewaltige Ausmaß der ökonomischen Verwerfungen, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurden.

Nach den Turbulenzen vom April 2020 erholte sich der Rohöl-Preis wieder: Ende Juni 2020 kostete ein Barrel WTI-Rohöl bereits wieder 41 US-Dollar. Am 3. Dezember notierte die Rohöl-Sorte WTI bei 48 US-Dollar, kostete damit aber immer noch gut 19 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

3.7.2 Wichtige Entscheidungen in der Europäischen Union

Brexit: Austritt Großbritanniens aus der EU

Über 3 ½ Jahre nach dem Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 stand der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum 31. Januar 2020 fest. Die künftigen Beziehungen zwischen EU und Großbritannien sollen bis Ende 2020 ausgehandelt werden. Die meisten Experten halten eine nur einjährige Frist für das Aushandeln eines umfassenden Handelsabkommens für unrealistisch kurz. In der Vergangenheit wurde für den Abschluss solcher komplexen Verträge regelmäßig ein mehrjähriger Zeitraum benötigt.

Die Bewältigung der Corona-Epidemie wird für längere Zeit einen nennenswerten Teil der Kapazitäten von Politik und Wirtschaft binden. Die Bereitstellung von Zeit- und Personal-Ressourcen für die nach Einschätzung vieler Beobachter völlig „überflüssigen“ Verhandlungen um einen für alle Seiten ohnehin nur nachteiligen Brexit wird bei der Lösung realer (auch Pandemie-bedingter) Probleme fehlen.

Anfang Dezember 2020 haben sich EU und Großbritannien immer noch nicht auf einen Handelsvertrag geeinigt. Ein Brexit-Vertrag ließe sich (Stand Dezember 2020) nur noch mit Notfallzeitplänen und Sondersitzungen kurz vor dem Jahresende umsetzen, wenn man den „worst case“ eines vertragslos Anfang 2021 aus der EU ausscheidenden Großbritannien 3vermeiden möchte. Zu berücksichtigen ist, dass alle 27 EU-Staaten den Handelsvertrag mit Großbritannien ratifizieren müssten und zudem die Zustimmung des EU-Parlaments erforderlich ist.

Die öffentliche Aufmerksamkeit konzentrierte sich im Verlauf des Jahr 2020 auf die Bewältigung der Corona-Pandemie. Die Brexit-Verhandlungen traten im Vergleich dazu eher in den Hintergrund. Von Interesse ist, wie die Kapitalmärkte (und damit auch die Zinsmärkte) auf den Abschluss (oder auch Nichtabschluss) eines Handelsvertrags zum Jahresende 2020 reagieren werden.

Italien und eine sich dramatisch verschärfende Dauerkrise

Italien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union kämpft mit erheblichen Strukturproblemen. Die horrende Staatsverschuldung Italiens wird für Ende 2019 auf 2,3 Billionen Euro geschätzt. Mit einer Verschuldung von 132,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verfügt Italien damit über den zweithöchsten Verschuldungsgrad innerhalb der EU.

Die politische, wirtschaftliche und finanzielle Fragilität des wichtigen Eurolandes Italien bedroht die Stabilität des Euroraums und der gesamten Europäischen Union. Schon ist von einem „Italexit“ die Rede. Allerdings beteuert die italienische Regierung, sie plane weder den Austritt aus der EU noch aus dem Euroraum. Gelingen keine durchgreifenden Reformen, so droht schlimmstenfalls ein Aufleben der Eurokrise in vergrößertem Maßstab - mit nicht vorhersehbaren Folgen für die europäische Volkswirtschaft, insbesondere auch für die weitere Zinsentwicklung.

Noch nicht absehbar sind die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie für das besonders stark vom Coronavirus betroffene Italien. Die von der italienischen Regierung beschlossenen Corona-Hilfspakete, die durch milliardenschwere Unterstützungsleistungen der Europäischen Union ergänzt werden sollen, bedrohen nicht nur eine zusätzliche Bedrohung der Finanzstabilität Italiens, sondern auch die Stabilität der gesamten Eurozone und der Europäischen Union.

3.7.3 Handelskriege

Die von Präsident Trump ausgelösten Handelsstreitigkeiten haben für weltweite Unsicherheit gesorgt und tiefe Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen. Bislang konnte nur eine erst Teileinigung zwischen den USA und China erzielt werden.

Unter einem ab dem 20. Januar 2020 amtierenden US-Präsidenten Joe Biden dürfte sich die internationale Zusammenarbeit schrittweise deutlich verbessern und die geopolitische Lage eher beruhigen.

4. Zusammenfassung möglicher Szenarien

Was zu steigenden Bauzinsen führen könnte:

  • anziehende Weltkonjunktur nach überstandener Corona-Pandemie
  • sich wieder verbessernde Konjunkturaussichten für Europa
  • wieder steigende Zinsen insbesondere für US-Dollar-Anlagen (drohende Folge: Kapital-Umschichtungen aus dem Euro in den US-Dollar, nicht vor der US-Präsidentschaftswahl)
  • Brexit-Folgen: steigendes Zinsniveau in Großbritannien
  • aufgrund erhöhter Arbeitslosigkeit vermehrte Wertberichtigungen der Banken und daraus resultierend verminderte Kreditbereitschaft der Finanzwirtschaft
  • mögliche krisenhafte Entwicklung an den Anleihe- oder Aktienmärkten

Für niedrige oder weiter fallende Zinsen spricht:

  • Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone (aktuell aufgrund Corona-Pandemie, aber auch im Hinblick auf US-amerikanische Handelspolitik und wegen EU-Austritts Großbritanniens)
  • Verschärfung von Handelskriegen
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume
  • strikte Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank

Sowohl sinkende als auch steigende Zins-Szenarios vorstellbar:

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Italien: politische und ökonomische Instabilität. Sehr hoher Schuldenstand, weitere Erhöhung durch Corona-Hilfspakete. Fraglich erscheint die Zahlungsfähigkeit staatlicher und privater Schuldner bei steigenden Zinsen.
  • Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes, zumindest in Ballungszentren
  • jederzeit mögliche Eskalation der Ukraine-Krise
  • Eskalation der Finanz- und Wirtschaftskrise in der Türkei

5. Fazit: Bauzinsen Prognose

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der entschiedenen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein Zinsanstieg kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten. Allerdings könnten krisenhafte Entwicklungen an den Anleihemärkten oder eine erhebliche Zunahme notleidender Kredite in den Bankbilanzen zu steigenden Zinsen auch für Baufinanzierungskredite führen.

5.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung aktuell weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen sind lange Zinsbindungen – idealerweise bis zum Ende der Kreditlaufzeit.

Zugleich sollte eine hohe Tilgungsrate (von mindestens 2 bis 3 Prozent) gewählt werden, um die Entschuldung zu beschleunigen.

Baufinanzierungsinteressenten sollten jedoch bei ihrer Entscheidung zur Kreditfinanzierung einer Immobilie nicht nur auf die derzeit niedrigen Kreditzinsen, sondern auch auf einen angemessenen Kaufpreis des Immobilienobjektes achten. Die Europäische Zentralbank jedenfalls hält den Immobilienmarkt nach jahrelangen Preissteigerungen zumindest teilweise für überteuert.

Solange sich keine durchgreifende Erholung der Weltwirtschaft abzeichnet, erscheint ein höheres Zinsniveau nahezu ausgeschlossen. Wegen der voraussichtlich bis auf Weiteres niedrig bleibenden Bauzinsen können Immobilien-Interessenten noch warten, um ihre Wunschimmobilie nach einem coronabedingt denkbaren Preisrückgang am Immobilienmarkt vielleicht noch etwas preisgünstiger zu erwerben.

5.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei Anschlussfinanzierungen sollten lange Zinsbindungen bevorzugt werden. Durch niedrigere Kreditzinsen eingesparte Aufwendungen können zur Erhöhung der Tilgung verwendet werden.

Wer bereits über eine Baufinanzierung verfügt, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, der kann sich bereits heute die niedrigen Zinsen durch ein bis zu 60-monatiges Forward-Darlehen sichern.