Bauzinsen berechnen

Aktuelle Bauzinsen Prognose 2022

Hier erfahren Sie die aktuellen Zins-Trends und die Bauzinsen Prognose für 2022/2023

  • täglich neu berechnete Bauzinsen Trends und Charts
  • von Experten betreute Prognosen für Bauzinsen
  • Zusammenfassung aktueller Risiken und Chancen
Entwicklung der Bauzinsen

Der aktuelle Bauzinsen Trend für 10-jährige Laufzeiten

Basierend auf dem gleitenden Mittelwert eines beobachteten Zeitraums lässt sich der aktuelle Bauzinsen-Trend bestimmen. Im folgenden Bauzinsen Chart vergleichen wir täglich den Bestzins für 10-jährige Laufzeiten mit dem Durchschnittswert der zurückliegenden 40 Wochen:

*Bauzins (eff.) zum Zeitpunkt x (keine Angebote); Berechnungsgrundlagen

Auswertung der Bauzinsen Trends

Hier sehen Sie die tägliche Auswertung der Bauzinsen Trends für alle gängigen Zinsbindungsfristen:

Zinsbindung2 Wochen-Trend*10 Wochen-Trend*40 Wochen-Trend*
5 Jahrestarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
8 Jahrestarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
10 JahreAufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
12 JahreAufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
15 JahreAufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
20 JahreAufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
25 Jahrestarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
30 Jahrestarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
* basierend auf dem gleitenden Mittelwert des beobachteten Zeitraums, Stand: 28.09.2022

Warum sollten Sie die Trends und Prognosen für Bauzinsen verfolgen?

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Banken gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Kosten Ihres Immobilienkredites. Die Prognose der Bauzinsen ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Immobilien.

Immobilienbesitzer, deren Finanzierung sich in der Zinsbindung befindet, können die aktuellen Zinsen durch ein Forward-Darlehen für die Zukunft sichern. Mietern, die ihren ständig steigenden Mietkosten entkommen wollen, wird die Erfüllung eines Immobilienwunsches durch niedrige Bauzinsen erleichtert.

Der Zinssatz für ein Baudarlehen ist allerdings nur ein Faktor von vielen beim Erwerb einer Immobilie. Ob ein Kauf wirklich „günstig“ ist, hängt auch vom Kaufpreis sowie von der Lage und Ausstattung einer Immobilie ab.

Beispielrechnung:

Sie möchten monatlich 500 Euro als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 aufwenden. Bei einem Effektivzins von 3 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit 23 Jahre und ein Monat. Während diesem Zeitraum müssen Sie Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei einem Effektivzins von 2 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit bereits nur 20 Jahre und drei Monate. Insgesamt entsteht eine deutlich geringere Zinsbelastung in Höhe von 21.740,57 Euro.

Sie möchten eigene Beispiele berechnen? Dann nutzen Sie einfach unseren schnellen Bauzinsrechner mit Tilgungsverlauf und Chart.

Inhalt: Bauzinsen Prognose 2022
1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
2. Die aktuelle Zinssituation
3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose?3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank3.2 Die Geldpolitik der Federal Reserve (USA)3.3 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst3.4 Grundsatz: je stärker die Konjunktur, desto höher die Zinsen3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Immobilienkauf nicht um jeden Preis
4. Zusammenfassung möglicher Bauzinsen Szenarien
5. Fazit: Bauzinsen Prognose 20225.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer5.2 Empfehlungen für die Anschlussfinanzierung

1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren schon oft eine Zinswende vorhergesagt. Zwischenzeitliche Zinserhöhungen blieben aber jeweils nur auf kurze Zeitspannen begrenzt.

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Nun aber geraten die Notenbanken wegen steigender Inflation unter Druck, ihre Leitzinsen zu erhöhen, um so der Geldentwertung entgegenzuwirken.

Allerdings können unvorhergesehene Ereignisse Prognosen jederzeit zunichtemachen, die kurz zuvor noch als schlüssig erschienen. So neigen nicht nur Verbraucher, sondern auch "Experten" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?

Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten jede Bauzinsen Prognose mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Aktueller Hinweis: Vorsicht in der „Zeitenwende“ ist die „Mutter jeder Baufinanzierung"

Immobilien-Interessenten sollten folgenden Grundsatz in ihren Kaufplänen einbeziehen:

Je verworrener eine Situation ist, desto umsichtiger und auch zurückhaltender sollten größere Investitions-Entscheidungen durchdacht werden - insbesondere dann, wenn langfristige Verpflichtungen eingegangen werden.

Beispiel: Die erheblichen wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs lassen sich derzeit nicht einmal ansatzweise abschätzen („Zeitenwende“).

Bei Vorliegen zu vieler Unbekannten (Faktoren und / oder deren Reichweiten) ist jede größere Entscheidung leicht mit unüberschaubaren Risiken verbunden. Die Effekte sind häufig erst im Nachhinein (vielleicht viele Jahre später) erkennbar.

2. Die aktuelle Zinssituation

Die Bauzinsen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem allgemeinen Zinsniveau, insbesondere mit den Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere. Dazu zählen Bundesanleihen und öffentliche Pfandbriefe.

Niedrigzinssituation in Deutschland

Investoren sehen Bundesanleihen als „sicheren Hafen“ an und nehmen sogar negative Zinsen in Kauf. Am 22. März 2019 fielen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen (erstmals seit Oktober 2016) unter die Null-Prozent-Marke. Aktuell rentieren zehnjährige Bundesanleihen bei positiven +1,61 % (Stand 01.09.2022).

Anleger, die in zehnjährige Bundesanleihen investierten, erhielten also nur einen geringen Habenzins. Anleger müssen ohnehin beachten, dass das in festverzinsliche Wertpapiere investierte Kapital einem Kaufkraftverlust durch eine derzeit hohe Inflation unterliegt.

Anleihen mit kürzeren Laufzeiten weisen leicht niedrigere Renditen auf: die Umlaufrendite beträgt laut Bundesbank +1,43 Prozent. Seit Putins Krieg gegen die Ukraine Ende Februar 2022 ist die Umlaufrendite damit um immerhin 1,46 Prozent-Punkte gestiegen (Stand 31.08.2022). Ihren bisher tiefsten Wert hatte die Umlaufrendite im ersten Halbjahr 2020 bei etwa -0,9 Prozent erreicht.

Was ist eine Umlaufrendite?

Die Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite von Anleihen der höchsten Bonitätsstufe und einer ursprünglichen Laufzeit von mindestens vier Jahren. Die Restlaufzeit muss mindestens drei Jahre betragen.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig

Aufgrund pandemiebedingt erhöhter Staatsausgaben stieg die Verschuldung des Bundes (einschließlich Sondervermögen) bis Dezember 2021 auf 1.548,5 Milliarden Euro (zum Vergleich 2020: 1.403,4 Milliarden Euro und 2019: 1.188,6 Milliarden Euro).

Von der umlaufenden Bundesschuld entfielen zum Jahresende 2021:

  • 42,3 Prozent auf zehnjährige und
  • 20,8 Prozent auf dreißigjährige Bundesanleihen.

Weitere Informationen und Zins-Charts, vor allem auch zur Geldpolitik der EZB stehen Ihnen in unserem Artikel Bauzinsen Entwicklung zur Verfügung.

3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose 2022/2023?

Von zentraler Bedeutung für die Bauzinsen ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB orientiert sich traditionell am Ziel der Geldwertstabilität. Zudem hat die Notenbank in den letzten Jahren – offiziell oder verdeckt – das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt im Blick.

Aber auch weitere Faktoren beeinflussen die Renditen deutscher festverzinslicher Wertpapiere und damit indirekt die Höhe von Bauzinsen.

Auf die Zinsen wirken sich unter anderem aus:

  • derzeit im Zentrum stehend: „Putins Krieg“ gegen die Ukraine und dessen Folgen für die Weltwirtschaft,
  • die zuletzt sprunghaft gestiegene Inflation (in erster Linie aufgrund Energiepreis-Anstieg und Ukraine-Krieg),
  • Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft,
  • die Folgen des Austritts Englands aus der EU,
  • aktuelle oder latente Finanz- und Wirtschaftskrisen (zum Beispiel in derTürkei, in Italien und Griechenland),
  • die instabile Situation im Nahen und Mittleren Osten (Syrien, Irak, Iran) und in Nordafrika (vor allem in Libyen).

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1.1 Die derzeitige Geldpolitik der EZB

Die Europäischen Zentralbank dominiert derzeit die Zinsentwicklung in der Eurozone. Die EZB schien zuletzt eher von Krisen und nationalstaatlichen Problemen getrieben, statt ein der Geldwertstabilität verpflichteter, unabhängiger Akteur zu sein.

Ziel der EZB: Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

Um den Euro stabil zu halten, aber auch die Gefahr einer Deflation zu verringern, strebt die EZB eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an. Nachdem die Inflationsrate 2020 in der Eurozone auf 0,3 Prozent zurückging, stieg sie 2021 stetig an. Für August 2022 deuten erste Zahlen auf Inflationsraten von 7,9 Prozent hin.

Damit liegt die aktuelle Inflation deutlich über dem Zielwert der EZB.

Die extreme Niedrigzinspolitik der Notenbank

Die EZB veränderte ihre Leitzinsen zuletzt am 8. September 2022 (gültig ab dem 14. September 2022):

  1. Die Hauptrefinanzierungsfazilität, zu der die Banken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei 1,25 Prozent p. a.
  2. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Banken nur 1,50 % Zinsen (Spitzenrefinanzierungsfazilität).
  3. Für Guthaben bei der Notenbank (Einlagefazilität), erhalten Banken aktuell keine Zinsen (0,75 Prozent, zuvor 0,0 Prozent).
Was bezweckte die Zentralbank mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen?

Die Politik des „billigen Geldes“ sollte die Nachfrage von Konsumenten und Firmen nach Produkten und Diensten verstärken. Das sollte die Konjunktur ankurbeln und so ein Abgleiten in eine für die Wirtschaft gefährliche Deflation vermeiden.

Asset Purchase Programme (APP), allgemein: "Quantitative Easing"

Seit März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Länder der Eurozone mit mehr Liquidität zu versorgen. Das Ziel der Aktion ist die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken.

  • Erworben wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldpapiere und gedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro. Ab April 2016 weitete die EZB das Volumen auf 80 Milliarden Euro aus.
  • Stückweise erfolgten dann jedoch Kürzungen der monatlichen Anleihekäufe (ab April 2017: 60 Milliarden Euro, Januar 2018: 30 Milliarden Euro, Oktober 2018: 15 Milliarden Euro).
  • Zum Jahresende 2018 lief das Quantitative-Easing-Programm schließlich aus.
  • Wegen der sich damals abkühlenden Konjunktur nahm die EZB ab November 2019 das Programm im Volumen von 20 Milliarden Euro wieder auf.
Corona-Pandemie: zusätzliche Ankaufprogramme der EZB

a.) Aufstockung des Asset Purchase Programme (APP) - Um den Folgen der Pandemie zu trotzen, entschied die EZB im März 2020, weitere Vermögenswerte in Höhe von 120 Milliarden Euro zu erwerben.

b.) Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) - Zusätzlich startete die EZB am 26. März 2020 Anleihekäufe privater und öffentlicher Schuldner im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). Das PEPP ist ein Anleihe-Ankaufprogramm, das zunächst bis (mindestens) Ende Juni 2021 geplant war. Ursprünglich war ein PEPP-Volumen von 750 Milliarden Euro vorgesehen. Am 4. Juni 2020 erhöhte der EZB-Rat das Volumen um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro.

Am 10. Dezember 2020 erweiterte die EZB das Volumen des PEPP-Programms um weitere 500 Millionen Euro auf 1,85 Billionen Euro. Im Dezember 2021 entschied der EZB-Rat, das PEPP Anleihekauf-Programm Ende März 2022 auslaufen zu lassen. Bereits für das PEPP-Schlussquartal (Januar bis März 2022) plant die EZB Anleihekäufe in abnehmendem Umfang.

Allerdings will die Europäische Zentralbank fällige Tilgungsbeträge aus den im Rahmen von PEPP erworbenen Wertpapieren bis mindestens Ende 2024 wieder anlegen.

Beschlüsse des EZB-Rats vom Dezember 2021

Am 16. Dezember 2021 beschloss der EZB-Rat, die Ankäufe von Vermögenswerten im Rahmen von APP schrittweise zu reduzieren:

  • erstes Quartal: monatlich 20 Milliarden Euro
  • zweites Quartal 2022: Erhöhung auf monatlich 40 Milliarden Euro (allerdings bei gleichzeitigem Wegfall der Anleihen-Ankäufe über das Pandemie-Notfallprogramms PEPP)
  • drittes Quartal 2022: monatlich 30 Milliarden Euro
  • ab Oktober 2022: monatlich 20 Milliarden Euro – und zwar so lange, wie es die EZB-Rat zinspolitisch für notwendig hält.
Ukraine-Krieg: EZB-Rat beschleunigt Reduzierung der Anleihen-Ankäufe

Vor dem Hintergrund des „unsicheren Umfelds“ beschloss der EZB-Rat am 10. März 2022 eine beschleunigte Reduzierung der APP-Anleihenankäufe:

  • April 2022: 40 Milliarden Euro,
  • Mai 2022: 30 Milliarden Euro,
  • Juni 2022: 20 Milliarden Euro.

Über die APP-Anleihenankäufe im dritten Quartal 2022 will der EZB-Rat zu einem späteren Zeitpunkt unter Berücksichtigung der dann aktuellen Lage entscheiden. Das Pandemie-Notfallprogramm PEPP läuft bereits Ende März 2022 aus.

Wiederanlage von Tilgungsbeträgen auch nach einer Zinswende

Der EZB-Rat beabsichtigt die Wiederanlage von Tilgungsbeträgen aus den im Rahmen von APP erworbenen Wertpapieren. Und zwar „für längere Zeit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem er mit der Erhöhung der Leitzinsen beginnt.“

Die Wiederanlage fällig werdender PEPP-Vermögenswerte soll bis mindestens Ende 2024 erfolgen.

3.1.2 Die Entwicklung der Verbraucherpreise

Bei hoher Inflation erhöhen die Notenbanken in aller Regel die Leitzinsen, um der Geldentwertung entgegenzuwirken.

In den letzten Jahren bewegten sich die Inflationsraten in Deutschland und in der Eurozone auf einem moderaten Niveau.

Dies änderte sich allerdings im Jahr 2021: im Jahresverlauf stieg die Inflation deutlich an. Als Gründe werden die in Deutschland ausgelaufene Mehrwertsteuer-Senkung, pandemiebedingter Nachfrage-Nachholbedarf, Probleme bei Lieferketten und massiv erhöhte Energiepreise genannt.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts, ist die Inflationsrate in Deutschland im August 2022 auf 7,9 Prozent (VPI) gestiegen. Das ist mit der höchste Wert seit fast 40 Jahren. Grund für die sehr hohe Inflation seien, so das Bundesamt, die Preise für Energie und der Ukraine-Krieg.

Die Entwicklung der Inflation von 2016 bis 2022

In den letzten Jahren vor 2021 unterschritt die Inflation regelmäßig das 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

  • 2015: HVPI Eurozone: 0,2 % (HVPI Deutschland: 0,7 %)
  • 2016: 0,2 % (0,4 %)
  • 2017: 1,5 % (1,7 %)
  • 2018: 1,8 % (1,9 %)
  • 2019: 1,2 % (1,4 %)
  • 2020: 0,3 % (0,4 %)
  • 2021: 2,6 % (3,2 %)
  • Januar 2022: 5,1 % (5,1 %)
  • Februar 2022: 5,9 % (5,5 %)
  • März 2022: 7,4 % (7,6 %)
  • April 2022: 7,4 % (7,8 %)
  • Mai 2022: 8,1 % (8,7 %)
  • Juni 2022: 8,6 % (8,2 %)
  • Juli 2022: 8,9 % (8,5 %)
  • August 2022: 9,1 % (8,8 %)

Quelle: Eurostat HVPI-Index

Ökonomen warnten frühzeitig vor hoher Inflation

Schon Anfang 2021 hielten Ökonomen Inflationsraten von 5 Prozent für möglich:

  1. Die Ökonomen begründeten ihre Prognose mit der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung werde das Angebot an Arbeitskräften knapp. Das zwingt Unternehmen in Zukunft deutlich höhere Löhne zu zahlen.
  2. Für eine langfristig höhere Inflation spreche auch die erhöhte Wachstumsrate der Geldmenge: die jährliche Zuwachsrate der Geldmenge sei im Zuge der Corona-Krise von 5 Prozent auf nunmehr 10 Prozent gestiegen.
EZB musste ihre Inflationsprognosen für 2022 bereits mehrfach erhöhen

Ein Rückblick auf Prognosen der EZB zeigt, dass selbst Annahmen vermeintlich fachkundiger „Experten“ mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen sind. Bei der Prognose der Inflationsraten für 2021 und 2022 unterlag die EZB brisanten Fehleinschätzungen:

  1. Vor dem Hintergrund der im Euroraum im Jahr 2021 auf 5,0 Prozent angestiegenen Inflation (zum Vergleich: die EZB-Inflationsprognose für 2021 lag ursprünglich bei 1,0 Prozent) erhöhte die Notenbank ihre Prognose für das Jahr 2022 im Januar 2022 auf 3,2 Prozent – nach einer Vorhersage von zuvor lediglich 1,7 Prozent.
  2. Im März 2022 musste die EZB ihre Inflationserwartungen für 2022 nochmals kräftig nach oben anpassen. Wegen des Ukraine-Krieges und der steigenden Energiepreise erhöhte die Zentralbank ihre Inflationsprognose 2022 für den Euroraum auf nunmehr 5,1 Prozent.

Für 2023 soll die Geldentwertung auf 2,1 Prozent (vorherige Schätzung 1,8 Prozent) zurückgehen und 2024 weiter auf 1,9 Prozent (bislang 1,8 Prozent) sinken. Zugleich senkte Europäische Zentralbank ihre Wachstumsprognose 2022 für die Eurozone auf 3,7 Prozent (zuvor 4,2 Prozent).

Hintergrund: die bisherigen Inflationsprognosen der EZB

Für lange Zeit hatte die EZB ihre Politik der niedrigen Zinsen mit niedrigen Inflationsprognosen begründet. Bis in den Januar 2022 hinein vermittelte die EZB den Eindruck, dass an der Nullzinspolitik festgehalten werden könne. Die Inflation habe ihren Höchstwert Ende 2021 erreicht und werde im Laufe des Jahres 2022 wieder deutlich fallen, so die damalige Einschätzung. Die EZB erklärte stets, die Inflation sei „weitgehend temporären Faktoren geschuldet, die im Jahresverlauf 2022 nachlassen dürften“.

Als Ursachen der verstärkten Inflation hatte die EZB unter anderem folgende Gründe genannt:

  • die Wiederanhebung der deutschen Mehrwertsteuer im Januar 2021,
  • Anpassung der Gewichte im Verbraucherpreis-Index (als Reaktion auf den Corona-Shutdown),
  • Anstieg der Preise für Rohstoffe,
  • Verteuerung von Energie aufgrund der neu eingeführten CO₂-Bepreisung (ab Januar 2021) und
  • vorübergehende Lieferprobleme.

Der erhöhte Preisanstieg, so die damalige Einschätzung der EZB, würde nur von kurzer Dauer sein.

Warum die EZB von einer niedrigen Inflationsrate ausging und wie es dann ganz anders kam

Für eine niedrigere beziehungsweise wieder deutlich zurückgehende Inflationsrate sprachen laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgende Gesichtspunkte (Anfang 2021):

  1. in absehbarer Zeit voraussichtlich begrenzte Lohnerhöhungen
  2. eine geringe Auslastung der Wirtschaft
  3. eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar

Tatsächlich aber zeigte sich nach den ersten Corona-Wellen ein Nachholbedarf, der sich in Form einer erhöhten Produktnachfrage bemerkbar machte. In Verbindung mit der Pandemie kam es zu Problemen in Lieferketten und auch in diesem Zusammenhang zu steigenden Produktpreisen.

Auch die Erwartung, ein gegenüber dem US-Dollar stärkerer Euro werde zu niedrigeren Importpreisen führen, erwies sich als Fehleinschätzung. Angesichts der höheren Zinserwartungen in den USA fiel der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich:

  • von 1,22 US-Dollar je Euro (Januar 2021)
  • auf 1,11 US-Dollar je Euro (April 2022)

Das entspricht einem Rückgang des Euro gegenüber dem US-Dollar um 9,0 Prozent.

EZB gestand Prognose-Versagen ein

Da mutet eine plötzliche Kehrtwende von Christine Lagarde, der Präsidentin der Europäischen Zentralbank doch recht kleinlaut an: angesichts der Inflation und Kritik an der Geldpolitik erklärte Lagarde am 21.01.2022 bei einem Meeting des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass die EZB die Inflation unterschätzt habe.

Entschuldigend wies Lagarde darauf hin, dass auch andere Akteure demselben Prognose-Irrtum unterlegen gewesen seien. (Die (vermeintlichen) Vergehen einzelner Anderer sind allerdings keine Entschuldigung für eigene Fehler.)

Die Notenbank, meinte Lagarde, müsse nunmehr „offen sein für Änderungen am Inflationsausblick“. „In ein paar Monaten“ werde die EZB „neue Projektionen“ zu Inflation und Konjunktur haben.

Aus den Protokollen des EZB-Rats war nun zu entnehmen, dass „das Szenario einer höheren Inflationsrate über einen längeren Zeitraum nicht ausgeschlossen werden kann.“

EZB handelt im Interesse hoch verschuldeter Staaten

Kritiker vermuten, dass die EZB nach Vorwänden suchte, um ihre Niedrigzinspolitik im Interesse hoch verschuldeter EU-Staaten fortzuführen. Derweil nimmt die (bereits mehrjährige) Kritik an der den Geldwert auf Dauer offenbar massiv gefährdenden Niedrigzinspolitik der Notenbanken weiter zu.

So erklärte der brasilianische Wirtschaftsminister, dass die Inflation seiner Meinung nach nicht bloß ein vorübergehendes Phänomen sei. „Die Zentralbanker schlafen am Steuerrad.“

3.1.3 Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg für die Zinsentwicklung?

Der Angriffskrieg Putins auf die Ukraine erfordert von der Europäischen Zentralbank eine grundlegende Entscheidung. Während die stark gestiegene Inflation für Zinserhöhungen spricht, müsste die EZB angesichts aktueller Konjunktursorgen ihre Nullzinspolitik eher beibehalten.

Welchen Weg die EZB tatsächlich wählt, ist derzeit schwer vorherzusehen. Die Währungshüter wissen es momentan wohl selber nicht so ganz genau. Die Entscheidung über die künftige Zinspolitik dürfte davon abhängen, ob die EZB die Risiken für die Geldwertstabilität höher bewertet als mögliche Konjunktursorgen.

Maßgeblich ist hierbei die weitere Entwicklung des Ukrainekriegs: je länger der Krieg andauert und je verheerender seine globalen Auswirkungen ausfallen, desto eher wird die EZB eine Rückkehr zur Nullzinspolitik erwägen.

Die Dauer, Intensität und Auswirkungen des Ukrainekriegs sind derzeit kaum absehbar. Machthaber Putin nimmt bei seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die von ihm verursachten Nöte des Rests der Welt keine Rücksicht.

Ungewisse EZB-Prognose mit vielen Unbekannten

Am 10. März 2022 legte die EZB die Grundlagen für eine Zinswende nach oben (trotz des zwei Wochen vorher begonnenen Ukraine-Kriegs). Man wolle die EZB-Anleihenkäufe beschleunigt reduzieren und im Sommer 2022 ganz einstellen.

Das Ende des Erwerbs von Vermögenswerten ist deshalb bedeutsam, weil die EZB immer betont hatte, dass eine Zinserhöhung erst nach Auslaufen der Anleihenkäufe erfolgen könne.

Dementsprechend erklärte EZB-Präsidentin Lagarde nun, dass die Zinswende wohl erst "einige Zeit nach dem Ende" der Anleihenkäufe erfolgen werde. Dies könne "eine Woche oder auch Monate" bedeuten, meinte Lagarde. Dem Beschluss ist laut Lagarde eine lebhafte Diskussion im EZB-Rat vorausgegangen.

Stabile Wirtschaftsentwicklung – Voraussetzung einer EZB-Zinswende

Am 21. März 2022 erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass die Zentralbank für 2022 trotz des Kriegs in der Ukraine von einem Wachstum der Wirtschaft ausgehe – und zwar selbst bei Eintritt eines „düstersten Szenarios“.

Luis de Guindos, Vizepräsident der EZB erklärte noch deutlicher, dass selbst nach dem „schlechtesten Szenario“ für die Eurozone in 2022 ein Wachstum von über zwei Prozent zu erwarten sei.

Am 24. März 2022 verlautbarte die EZB, dass man mit einem kräftigen, aber verlangsamten Wirtschaftswachstum im Euroraum rechne. Als Belastungsfaktor sehe die EZB in erster Linie die hohen Energiekosten.

Die Aussichten für die Konjunktur würden, so die EZB, vom Verlauf des Kriegs und von den Wirkungen der Sanktionen abhängen.

Die EZB erkennt einen Preisanstieg „auf breiter Front“

Zwar seien die pandemiebedingten Konjunktur-Risiken zurückgegangen. Nun aber könne der Ukrainekrieg zu einer Verschärfung der Lieferengpässe führen.

Lagarde benannte am 30. März 2022 die Gründe, die ihrer Auffassung nach für weiter steigende Inflationsraten sprechen:

  • weiterhin hohe Energiepreise,
  • zunehmender Druck auf die Lebensmittelpreise (auf Russland und die Ukraine entfallen 30 Prozent der globalen Weizenexporte, auf Russland und Belarus ein Drittel der weltweiten, für die Düngemittelherstellung bedeutenden Kali-Produktion) sowie
  • Engpässe bei bestimmten Produkten (Russland ist weltgrößtes Exportland für Palladium, das bei der Katalysatoren-Herstellung benötigt wird; für die Halbleiter-Produktion wiederum ist Neongas von essenzieller Bedeutung, das zu 70 Prozent aus der Ukraine stammt).
Mutig erklärter Wille: Die EZB will nun die Zinswende einleiten

Derzeit gewichtet die EZB das Inflationsrisiko offenbar höher ein als die möglichen Risiken für die Konjunktur. Solange die Zentralbank diese Einschätzung beibehält, wird ihre Entscheidung für eine Zinswende wohl Bestand haben.

Zur Vorbereitung der Zinswende lässt die Notenbank zunächst ihre Anleihenprogramme (APP und PEPP) auslaufen. Eine erste Erhöhung der EZB-Leitzinsen könnte („einige Wochen oder Monate“ nach der Beendigung von APP und PEPP), also vielleicht im dritten Quartal 2022 erfolgen.

Zinswende: ja klar, es sei denn ...

Abzuwarten bleibt die Entwicklung des Ukraine-Kriegs, der sich in vielfältiger und gravierender Form auf die Weltwirtschaft auszuwirken droht.

Alle bisherigen Wachstums- und Inflationsprognosen gehen bislang davon aus, dass kein sofortiger Lieferstopp für russische Energierohstoffe erfolgt. Zugleich wird davor gewarnt, dass bei sofortigem Energie-Lieferstopp deutlich höhere Inflationsraten und ein deutlich geringere Wirtschaftswachstum zu erwarten ist. Für Deutschland nehmen Ökonomen in einem solchen Fall einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von bis zu drei oder vier Prozent an.

Das aber könnte die EZB zu einer Neueinschätzung der Lage veranlassen - unter Rückkehr zur Nullzinspolitik und der Wiederaufnahme von Anleihenankauf-Programmen.

Sachverständigenrat der Bundesregierung

Die „Wirtschaftsweisen“, die am 30. März 2022 eine Wirtschaftsprognose vorlegten, erwarten für Deutschland im Jahr 2022 nur noch ein Wachstum von 1.8 Prozent. In ihrer Schätzung vom November 2021 waren es noch 4,6 Prozent. Zugleich gehen die Wirtschaftsweisen von einer Inflation 2022 von 6,1 Prozent aus.

Die Lage sei „außerordentlich ernst“, meint der Sachverständigenrat. Komme es zu einem Lieferstopp von russischem Gas und Öl, dann „könne niemand die Folgen vorhersagen“. „Gravierende Verwerfungen“ einschließlich „massiver Preissteigerungen, Energie-Engpässe und Betriebsschließungen“ müssten dann befürchtet werden - „das wollen Sie nicht erleben.“

Überblick: Auswirkungen von Putins Ukrainekrieg

Mögliche belastende Auswirkungen:

  • Unterbrechung internationaler Lieferketten,
  • Rückgang der Weltkonjunktur,
  • Anstieg der Arbeitslosenzahlen,
  • Preissteigerungen aufgrund von Lieferengpässen
  • weltweite Hungerkrisen,
  • Migrationsbewegungen und deren Folgeprobleme,
  • Ausweitung der militärischen Auseinandersetzungen,
  • bei kriegsbedingt einbrechender Wirtschaftsleistung: Stopp der sich bisher abzeichnenden „Zinswende“ und Fortführung der Niedrigstzinspolitik der Notenbanken – mit der Gefahr einer weiter ansteigenden Inflation),
  • krisenbedingt expansive Geldpolitik trotz Inflation: Entwertung von Geldwerten, Gefahren für die Altersversorgung, soziale Verwerfungen.

Mögliche positive Nebeneffekte:

  • beschleunigte Umstellung auf regenerative Energien
  • Festigung des Zusammenhalts der EU- und der NATO-Staaten
  • bei einem Regime-Wechsel in Russland: Stärkung von Demokratien und liberaler Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen

3.1.4 Corona-Pandemie: noch längst nicht beendet

Die EZB warnt vor drohenden Gefahren für die Finanzstabilität – generell und auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Banken: Risiko erhöhter Wertberichtigungen auf Kredite

Zwar sorgten die gewaltigen staatlichen Hilfsmaßnahmen kurzfristig für eine Eindämmung der Risiken. Sollten jedoch derzeitige Hilfsleistungen wie Darlehensgarantien und Kreditstundungen zu abrupt beendet werden, könnten Unternehmen und private Haushalte unter Druck geraten.

Nach Auslaufen der Hilfsprogramme sei damit zu rechnen, dass die Banken zu erhöhten Wertberichtigungen auf Kredite gezwungen sein werde ("Klippeneffekt"). Daher werde die Ertragslage der Banken schwach bleiben.

Gefahr der Bildung von Preisblasen

Die EZB beobachtet zudem eine steigende Risikobereitschaft bei Investmentfirmen und teilweise überhöhte Preise bei Vermögenswerten. Dies könne zu abrupten Kursrückgängen führen und die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.

EZB: Preise für Wohnimmobilien 10 bis 30 Prozent zu hoch

Die Europäische Zentralbank sieht Indizien für überzogene Preise bei Wohnimmobilien. Nach Einschätzung der EZB befinden sich die Immobilienpreise mittlerweile etwa 10 bis 30 Prozent oberhalb eines angemessenen Preisniveaus. Dies gilt nach Auffassung der EZB auch für Immobilienlagen außerhalb der Ballungszentren.

Ob das erreichte Preisniveau am Immobilienmarkt Bestand haben wird, hängt nach Bewertung der EZB davon ab,

  • in welchem Ausmaß die Arbeitslosigkeit krisenbedingt ansteigen und
  • wie stark der Rückgang der Einkommen nach Auslaufen der staatlichen Hilfen ausfallen wird.
Höheres Zinsniveau: Risiko lang laufender Kredite

Etwa die Hälfte aller Kredite für Wohnimmobilien sei mit Zinsbindungen von über zehn Jahren ausgestattet. Der hohe Anteil lang laufender Kredite (mit niedrigen Zinsen) mache das Finanzsystem anfällig, sobald es zu deutlichen Zinssteigerungen komme.

Mit anderen Worten: es besteht die Gefahr, dass Kredite bei einer späteren Kreditprolongation zu dann höheren Zinssätzen nicht mehr bedient werden können.

Kredite an Unternehmen – Umfang coronabedingter Kreditausfälle nicht abzuschätzen

Die EZB-Präsidentin warnt ebenfalls davor, die Folgen der Pandemie für die Bankbilanzen angesichts der niedrigen Zahl von Firmeninsolvenzen zu unterschätzen. Ein endgültiger Überblick über Ausfälle von Firmenkrediten als Folge der Corona-Pandemie, so Lagarde, werde erst mit mehrjähriger Verzögerung vorliegen.

Derzeit sei eine qualitative Einschätzung der Kreditbestände der Banken noch nicht möglich. Erst mit Auslaufen der staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen werde sich die „wahre finanzielle Gesundheit der Unternehmen“ zeigen.

Allerdings deute die Zahl von Kreditstundungen und Wertberichtigungen bereits jetzt auf eine sich verschlechternde Risikosituation hin.

Banken erwarten Kreditausfälle in den Jahren 2022 bis 2024

Auch die Finanzwirtschaft geht infolge der Corona-Pandemie von deutlich steigenden Wertberichtigungen infolge einer Zunahme des Volumens notleidender Kredite aus.

Eine von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing e. V. (BKS) durchgeführte Befragung der Kreditwirtschaft ergab für 2021 ein Volumen notleidender Kredite in Höhe von 40,6 Milliarden Euro. Zu berücksichtigen sei, dass die Banken nur durch staatliche Hilfen vor einer größeren Insolvenz- und Kreditausfallwelle bewahrt wurden.

Die Kreditwirtschaft rechnet damit, dass sich die Folgen der Pandemie in den Jahren 2022 bis 2024 in den Bilanzen zeigen werden. Für das Jahr 2022 gehen die Risikomanager der Kreditwirtschaft von einem Anstieg des Volumens notleidender Kredite auf 47 Milliarden Euro aus.

Bei Immobilienkrediten rechnen die Banken mit geringeren Ausfallquoten als bei Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen. Für die Zukunft sei jedenfalls, so die Risikoexperten der Geldhäuser, von einer zunehmend schwieriger werdenden Lage auszugehen.

Was ist ein „notleidender Kredit“?

Als „notleidend“ gilt ein Kredit, wenn der Kreditnehmer mehr als 90 Tage mit der Bedienung des Darlehens in Verzug ist.

3.2 Die Geldpolitik der Federal Reserve (USA)

Das Zinsniveau im US-Dollar-Raum beeinflusst die Zinsen weltweit. Die US-Notenbank Federal Reserve System hatte in den USA nach mehrjähriger Null-Zins-Politik bereits im Jahr 2015 eine Zinswende nach oben eingeleitet.

Ab Juli 2019 war die US-Notenbank jedoch zu ihrer Niedrigzinspolitik zurückgekehrt. Die ab Ende 2019 einsetzende Corona Pandemie führte zu einer Verlängerung und Intensivierung der Niedrigzinspolitik der Federal Reserve.

Die auch in den USA stark gestiegene Inflation veranlasst die US-Notenbank nunmehr zu einer restriktiven Geldpolitik – einschließlich einer Erhöhung der Leitzinsen.

Anlass für Zinserhöhungen: hohe Inflation in den USA

Die US-Notenbank folgt (ebenso wie die EZB) dem 2-Prozent-Inflationsziel. Dabei achtet sie insbesondere auf eine von der Entwicklung bei Energiepreisen und Nahrungsmitteln bereinigte Inflationsrate („Kerninflation“).

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fiel die Inflationsrate im März 2020 kräftig auf 1,5 Prozent. Allerdings führten die rasche Erholung der US-Wirtschaft, umfangreiche Konjunkturpakete und Lieferkettenprobleme zu einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate.

  • Im Verlauf des Jahres 2021 stieg die US-Inflation von 1,4 Prozent (Januar 2021) auf 7,0 Prozent im Dezember 2021. Damit erreichte die Geldentwertung in den USA ihren höchsten Stand seit nahezu 40 Jahren.

In den ersten Monaten des Jahres 2022 nahm die US-Inflationsrate weiter zu:

  • Januar 2022: 7,5 Prozent
  • Februar 2022: 7,9 Prozent
  • März 2022: 8,5 Prozent
  • April 2022: 8,3 Prozent
  • Mai 2022: 8,6 % Prozent
  • Juni 2022: 9,1 % Prozent
  • Juli 2022: 8,5 % Prozent

Die Kerninflation (Inflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise) lag 2021 bei hohen 5,5 Prozent. Sie stieg im Januar 2022 auf 6,0 Prozent und im Februar 2022 auf 6,4 Prozent – auch dies die höchsten Werte seit 40 Jahren.

Veränderte Lageeinschätzung der US-Notenbank

Noch bis Ende 2021 hatte die US-Zentralbank den Anstieg der US-Inflation zu einem „vorübergehenden“ Phänomen erklärt. Angesichts der stark erhöhten Inflationswerte sieht sich die Federal Reserve jetzt aber doch zu einer strafferen Geld- und Zinspolitik veranlasst.

Immobilienmarkt als Treiber der US-Inflation

Eine Hauptursache für die hohe US-Inflation ist der Immobilienmarkt. Die Mieten in den USA sind 2021 durchschnittlich um 17,8 Prozent gestiegen. Mieten sind im US-Verbraucherpreisindex mit einem Anteil von 42,8 Prozent besonders hoch gewichtet.

Ausblick: US-Inflationsrate 2022 und 2023

Die Erwartung, dass die im Dezember 2021 ausgewiesene Inflationsrate ein Maximum darstelle und die US-Inflation rückläufig entwickeln werde, hat sich nicht erfüllt. In den Monaten Januar und Februar 2022 stieg die Inflationsrate nochmals an.

Manche Ökonomen erwarten bis zum Jahresende 2022 gegenüber dem ersten Quartal 2022 etwas rückläufigen Inflationsraten. Aufgrund der momentan erheblichen Risiken (Ukraine-Krieg, aber auch die keineswegs beendete Corona-Pandemie) lassen sich derzeit wohl keine wirklich verlässlichen Inflationsprognosen für die Jahre 2022 und 2023 erstellen.

Grünes Licht für höhere Zinsen: die Wirtschaftslage Anfang 2022

Dank hohen Wirtschaftswachstum und einer niedrigen Arbeitslosenquote bei gleichzeitig hoher Inflation hat die Federal Reserve die Zinswende bereits eingeleitet.

Bereits im Dezember 2021 hatte die Fed entschieden, ihre zur Stützung der Konjunktur getätigten Wertpapierkäufe im März 2022 auslaufen zu lassen.

Die starke Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft eröffnet laut Einschätzung der Federal Reserve vom Januar 2022 „einigen Spielraum“ für Zinserhöhungen.

Beobachter nehmen an, dass die FED einschließlich der im März 2022 bereits erfolgten ersten Zinserhöhung im Laufe des Jahres 2022 insgesamt drei oder vier Zinsschritte nach oben vornehmen wird.

Mögliche Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Zinspolitik der US-Notenbank

Trotz des Ukraine-Kriegs will die Federal Reserve an ihrer Zinswende nach oben festhalten. Die hohe Inflation wird als die derzeit zentrale Herausforderung für die Geld- und Zinspolitik betrachtet.

Dagegen lassen laut US-Zentralbankchef Powell die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die US-Volkswirtschaft nach. Es sei aber „höchst ungewiss“, welche Folgen der russische Einmarsch in die Ukraine, ein länger andauernder Krieg und die verhängten Sanktionen für die US-Ökonomie haben könnten.

US-Wachstum und geringe Arbeitslosenquote

2021 verzeichnete die US-Wirtschaft ein Wachstum von erstaunlichen 5,7 Prozent. Analysten rechnen für 2022 aufgrund von Zulieferproblemen und unter Berücksichtigung einer strafferen Geldpolitik mit einem etwas abgeschwächten Wachstum von 3 bis 4 Prozent.

Die US-Arbeitslosenquote sank im Dezember 2021 auf 3,9 Prozent, wobei bereits viele Unternehmen über Bewerbermangel klagen. Unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Pandemie lag die Arbeitslosenrate bei 3,5 Prozent. Damit sieht die Federal Reserve ihr Ziel der Vollbeschäftigung als erfüllt an.

Zur Einordnung: Arbeitslosenquoten unterhalb von 4 Prozent verzeichneten die USA zuletzt Ende der 1960er-Jahre.

Die Entwicklung der US-Leitzinsen („Federal Funds Rate“)

Anhebungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 16.12.2015 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 14.12.2016 von 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15.03.2017 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14.06.2017 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13.12.2017 von 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21.03.2018 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13.06.2018 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26.09.2018 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19.12.2018 von 2,25 bis 2,50 Prozent

Senkungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 31.07.2019 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 18.09.2019 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 30.10.2019 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 03.03.2020 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 15.03.2020 von 0,00 bis 0,25 Prozent

Anhebung der Leitzins-Bandbreite - von der US-Notenbank eingeleitete Zinswende:

  • 17.03.2022 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 05.05.2022 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 16.06.2022 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 28.07.2022 von 2,25 bis 2,50 Prozent
  • 22.09.2022 von 3,00 bis 3,25 Prozent

Fazit: hohe Inflation zwingt US-Notenbank zu deutlichen Zinserhöhungen

Die US-Notenbank hat die Zinswende nach oben eingeleitet. Für das Jahr 2022 werden fünf bis sechs Erhöhungen der US-Leitzinsen erwartet.

3.3 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst

Bundesanleihen weisen derzeit kaum Renditen auf. Wer aktuell zwei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der erhält von der Bundesrepublik bis zur Anleihefälligkeit Zinsen zwischen 0,29 und 0,49 Prozent pro Jahr. Die längste Bundesanleihe mit einer Laufzeit von etwas mehr als 30 Jahren erzielt gerade einmal eine positive Rendite von 1,09 Prozent (Stand 29.07.2022).

Chart: Renditen für Bundesanleihen

Zu berücksichtigen ist, dass Anleger selbst geringe Habenzinsen versteuern müssen und dass Ankauf- und Verkaufsprovisionen die Rendite zusätzlich schmälern.

Selbst bei einem künftig wieder etwas höheren Zinsniveau dürften die Renditen von Bundesanleihen sehr überschaubar bleiben. Abzuwarten bleibt, ob sich das Auslaufen der Anleihen-Stützungskäufe durch EZB und US-Notenbank auf die Anleihekurse und -renditen auswirken wird.

Bundesanleihen: Ursachen der extrem niedrigen Zinsen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei Anlegern aus verschiedenen Gründen auf ein hohes Interesse. Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der guten Bonität der Bundesrepublik. Das sorgt international für eine hohe Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen.

Dazu sind Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar: In Zeiten ökonomischer und geopolitischer Krisen bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit. Anleihe-Käufer können rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

3.4 Grundsatz: je stärker die Konjunktur, desto höher die Zinsen

Eine schwache Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem niedrigen Zinsniveau. Dagegen führt eine stärkere Konjunktur üblicherweise zu einem höheren Zinsniveau.

Eine niedrige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine schwächere Kreditnachfrage und damit für niedrigere Darlehenszinsen.

Außerdem ist bei einer niedrigen Güternachfrage eine schwächere Inflation zu erwarten. Fallende Inflationsraten gehen mit steigenden Anleihekursen (und damit fallenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

Szenario 1: erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung und positive Entwicklung der Weltwirtschaft

Nach einem coronabedingten Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung befand sich Weltwirtschaft in einer deutlichen, möglicherweise aber noch fragilen Erholungsphase.

Mit Fortschreiten der internationalen Impfkampagnen konnte sich die Weltwirtschaft etwas erholen. Dies erleichtert den Notenbanken erleichtern, ihre Niedrigzinspolitik schrittweise aufzugeben und die Leitzinsen wieder zu erhöhen. In der Folge wäre auch mit höheren Bauzinsen zu rechnen.

Szenario 2: Rückschläge in der Pandemie-Bekämpfung und schwache Weltkonjunktur

Von der Corona-Pandemie gehen weiterhin erhebliche wirtschaftliche Risiken aus. Virus-Mutanten (wie Delta und Omikron) bedeuten eine große Herausforderung für Gesundheitswesen und Volkswirtschaft. Selbst wenn die Corona-Pandemie über den Sommer 2022 zurückgedrängt werden kann, bleibt die Pandemie-Entwicklung im Winter 2022/2023 abzuwarten.

Sollte die Pandemie wieder zu stärkeren Störungen der Weltwirtschaft führen, dann ist eine Rückkehr der Notenbanken zu einer „Politik des lockeren Geldes“ nicht auszuschließen.

Aktuelle Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte im Januar 2022, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2022 um 4,4 Prozent wachsen werde. Damit reduzierte der IWF seine bisherige Prognose vom Oktober 2021 um 0,5 Prozentpunkte zurück.

Grund für die verringerten Wachstumsaussichten seien die Auswirkungen der Omikron-Welle, eine hohe Inflation, Probleme bei Lieferketten und extrem hohe Staatsschulden. Besonders stark wirken sich laut IWF die schwächeren Konjunkturprognosen für die USA und China auf die Weltwirtschaft aus.

  • Für die USA seien noch 4 Prozent Wachstum zu erwarten, was eine Verringerung der bisherigen IWF-Prognose um 1,2 Prozent bedeutet. Hintergrund ist das Scheitern des von der Biden-Regierung geplanten Ausgabenprogramms im US-Kongress, das Sozialleistungen und Klimaschutz in Billionenhöhe vorgesehen hatte.
  • Auch für China nahm der IWF seine bisherige Wachstumsprognose 2022 um 0,8 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent zurück. Als Begründung verweist der IWF auf Probleme im Immobiliensektor, das drastische Vorgehen bei lokalen Corona-Ausbrüchen und die verschlechterte Konsumentenstimmung.
  • Für Deutschland prognostiziert der IWF 2022 einen Zuwachs des BIP um 3,8 Prozent (0,8 Prozentpunkte weniger als noch im Oktober 2021). Als Ursache benennt der IWF anhaltende Lieferketten-Probleme, die die deutsche Export-Wirtschaft besonders betreffen.

Wie sich der Ukraine-Krieg auf die Weltwirtschaft und auf einzelne Volkswirtschaften auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Immobilienkauf nicht um jeden Preis

Auf dem Immobilienmarkt fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen statt. Gründe dafür waren ein jahrelang überdurchschnittlich wachsendes BIP bei zugleich niedrigen Zinsen.

Zwischen 2015 und Ende 2021 stiegen die Immobilienpreise (beziehungsweise die Kosten für Bauleistungen) durchschnittlich um 32,3 Prozent.

3.5.1 Analysten mahnen zur Vorsicht am Immobilienmarkt

Im November 2021 warnte die Bundesbank vor deutlichen Überbewertungen bei Wohnimmobilien. Die Immobilienpreise lägen in Deutschland teilweise zwischen zehn und dreißig Prozent über dem angemessenen Niveau.

Die KfW sieht keinen Anlass für „Alarmismus“, mahnt aber angesichts des Preisniveaus bei Immobilien ebenfalls zu „erhöhter Vorsicht“. Und zwar in Bezug auf die Immobilienmärkte „in ganz Europa“.

Finanzexperten weisen darauf hin, dass die Preise für Wohnimmobilien sinken könnten, wenn die Zinsen stärker als bisher erwartet steigen sollten. Weil Mietrenditen derzeit nur zwischen einem bis 3 Prozent lägen, kommen nach ihrer Meinung Immobilien kaum noch als Renditeobjekte in Betracht. Allein eine Eigennutzung macht noch Sinn.

3.5.2 Niedrige Bauzinsen versus hohe Immobilienpreise

Vielen Kauf- oder Bau-Interessenten erscheinen niedrige Bauzinsen als ein besonders verlockendes Argument für einen Immobilienerwerb. Der überproportionale Anstiege der Immobilienpreise überkompensiert jedoch in vielen Fällen die Vorteile von niedrigen Darlehenszinsen. Wer also eine Immobilie erwerben möchte, der sollte unbedingt auf einen angemessenen Kaufpreis achten.

Auf angemessene Immobilienpreise achten

Je höher der Preis einer Immobilie, desto weniger fällt die Entlastung durch niedrige Zinsen einen Immobilienkredit ins Gewicht. Interessenten sollten zwar weiterhin nach einer Baufinanzierung mit optimierten Konditionen Ausschau halten.

Angesichts des vielerorts erreichten Preisniveaus entscheidet aber derzeit eher der Kaufpreis als die Zinskondition über die Sinnhaftigkeit eines Immobilienkaufs.

Wichtige Entscheidungen nur bei ausreichend klarer Informationslage treffen

Folgende grundsätzliche Überlegung sollte bei der Entscheidung über eine Immobilienfinanzierung einbezogen werden:

Größere Investitionsentscheidungen sollten um so vorsichtiger getroffen werden,

  • je unüberschaubarer eine Entscheidungssituation (zum Beispiel: bei großen wirtschaftlichen oder politischen Unsicherheiten) und
  • je größer das Gewicht einer bestimmten Investitions-Entscheidung für einen Investor (zum Beispiel: einen Immobilienkäufer).

Vielleicht ist es sogar sinnvoll, mit zu vielen Unsicherheiten belastete und deshalb allzu risikoreiche Entscheidungen zu verschieben – bis sich Unsicherheiten und deren Folgewirkungen besser einschätzen lassen.

Zusammenfassung möglicher Szenarien

Was könnte zu steigenden Bauzinsen führen?

  • hohe Inflation: Notenbanken wollen Niedrigzinspolitik beenden
  • bereits steigende US-Zinsen bedeuten Druck auf die EZB, die Euro-Zinsen ebenfalls zu erhöhen
  • angesichts Krisen: möglicherweise größere Banken-Zurückhaltung bei der Vergabe von Darlehen
  • anziehende Weltkonjunktur nach erfolgreich bekämpften Krisen
  • mögliche krisenhafte Entwicklung an den Anleihe- oder Aktienmärkten

Was könnte für niedrige Bauzinsen sprechen?

  • bei gravierenden Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Weltwirtschaft oder
  • bei Aufflammen der Corona-Pandemie mit großen wirtschaftlichen Folgen: Wiederaufnahme der Niedrigzins-Politik durch die Notenbanken

Wann sind sowohl sinkende als auch steigende Bauzinsen vorstellbar?

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes - nicht nur in den Ballungsgebieten
  • Verschärfung der politischen und ökonomischen Instabilität einzelner Staaten (zum Beispiel Italien, Griechenland oder Türkei)

5. Fazit: Bauzinsen Prognose 2022 und 2023

Fazit: Bauzinsen Prognose

Nach der Zinswende in den USA sind Zinserhöhungen auch in der EU wahrscheinlicher geworden.

Die EZB befindet sich allerdings in einer schwierigen Lage:

  • Einerseits sind höhere Zinsen nötig - aus Gründen der Geldwertstabilität, aber auch im Interesse von Sparern, Kreditwirtschaft und Rentensystemen.
  • Andererseits, die Interessen hoch verschuldeter EU-Staaten zu berücksichtigen, die ihre Schuldenlast bei höheren Zinsen kaum noch tragen könnten.

Auf Dauer wird sich die Europäische Zentralbank dem zunehmenden Druck in Richtung höheren Zinsen kaum entziehen können. Denn bei steigenden US-Zinsen – wie von der US-Notenbank angekündigt - und gleichbleibend niedrigem EU-Zinsniveau würde der US-Dollar gegenüber dem Euro steigen.

Deshalb würden in US-Dollar gehandelte, in die EU importierte Produkte (insbesondere Erdöl, Erdgas und andere Rohstoffe) in Euro gerechnet teurer werden, was gleichbedeutend wäre mit zusätzlichem Inflationsdruck im Euroraum.

Dieser verstärkten Inflations-Entwicklung könnte die EZB dann nur noch mit einer Erhöhung der Euro-Zinsen entgegenwirken. Damit ist wohl spätestens auf mittlere Sicht auch mit höheren Zinsen für Baufinanzierungen zu rechnen.

5.1 Empfehlungen für Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen ist eine lange Zinsbindung – im Idealfall bis zum Ende der Kreditlaufzeit. Wir empfehlen aber mindestens eine Laufzeit von 12 bis 15 Jahren.

Zugleich sollten Sie eine hohe Tilgungsrate (ab über zwei Prozent) wählen, um die Entschuldung zu beschleunigen.

Bei der Finanzierung einer Immobilie sollten Sie nicht nur auf niedrige Bauzinsen, sondern auch auf einen angemessenen Kaufpreis achten. Die Europäische Zentralbank jedenfalls hält den Immobilienmarkt nach jahrelangen Preissteigerungen zumindest teilweise für überteuert – nicht nur in Ballungszentren.

5.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei der Anschlussfinanzierung sollten Sie lange Laufzeiten bevorzugen. Durch niedrigere Zinsen eingesparte Aufwendungen sollten Sie zur Erhöhung der Tilgung verwenden.

Wenn Ihre Finanzierung in den nächsten Jahren ausläuft, können Sie sich bereits heute die niedrigen Bauzinsen durch Forward-Darlehen sichern. Mit einem Forward-Darlehen können Sie die Zinsen für Ihren Anschlusskredit bis zu 60 Monate im Voraus reservieren.