Bauzinsen berechnen

Aktuelle Bauzinsen Prognose 2023

Hier erfahren Sie die aktuellen Zins-Trends und die Bauzinsen Prognose für 2023

  • täglich neu berechnete Bauzinsen Trends und Charts
  • von Experten betreute Prognosen für Bauzinsen
  • Zusammenfassung aktueller Risiken und Chancen
Entwicklung der Bauzinsen

Der aktuelle Bauzinsen Trend für 10-jährige Laufzeiten

Basierend auf dem gleitenden Mittelwert eines beobachteten Zeitraums lässt sich der aktuelle Bauzinsen-Trend bestimmen. Im folgenden Bauzinsen Chart vergleichen wir täglich den Bestzins für 10-jährige Laufzeiten mit dem Durchschnittswert der zurückliegenden 40 Wochen:

*Bauzins (eff.) zum Zeitpunkt x (keine Angebote); Berechnungsgrundlagen

Auswertung der Bauzinsen Trends

Hier sehen Sie die tägliche Auswertung der Bauzinsen Trends für alle gängigen Zinsbindungsfristen:

Zinsbindung2 Wochen-Trend*10 Wochen-Trend*40 Wochen-Trend*
5 JahreAbwärtstrendleichter Abwärtstrendstarker Aufwärtstrend
8 JahreAbwärtstrendAbwärtstrendstarker Aufwärtstrend
10 JahreAbwärtstrendAbwärtstrendAufwärtstrend
12 JahreSeitwärtstrendAbwärtstrendstarker Aufwärtstrend
15 Jahreleichter AbwärtstrendAbwärtstrendAufwärtstrend
20 JahreSeitwärtstrendSeitwärtstrendstarker Aufwärtstrend
25 JahreAufwärtstrendAufwärtstrendstarker Aufwärtstrend
30 JahreAbwärtstrendAbwärtstrendAufwärtstrend
* basierend auf dem gleitenden Mittelwert des beobachteten Zeitraums, Stand: 03.02.2023

Warum sollten Sie die Trends und Prognosen für Bauzinsen verfolgen?

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Banken gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Kosten Ihres Immobilienkredites. Die Prognose der Bauzinsen ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Immobilien.

Immobilienbesitzer, deren Finanzierung sich in der Zinsbindung befindet, können die aktuellen Zinsen durch ein Forward-Darlehen für die Zukunft sichern. Mietern, die ihren steigenden Mietkosten entkommen wollen, bleibt die Erfüllung der eigenen vier Wände ermöglicht. Die Bauzinsen befinden sich trotz des jüngsten Anstiegs immer noch deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts.

Der Zinssatz für ein Baudarlehen ist nur ein Faktor von vielen beim Erwerb einer Immobilie. Ob der Kauf „günstig“ ist, hängt von einem angemessenen Kaufpreis sowie von der Lage und Ausstattung ab.

Beispielrechnung:

Sie möchten monatlich 500 Euro als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 aufwenden. Bei einem Effektivzins von 3 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit 23 Jahre und ein Monat. Während diesem Zeitraum müssen Sie Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei einem Effektivzins von 2 % p. a. beträgt die Kreditlaufzeit bereits nur 20 Jahre und drei Monate. Insgesamt entsteht eine deutlich geringere Zinsbelastung in Höhe von 21.740,57 Euro.

Sie möchten eigene Beispiele berechnen? Dann nutzen Sie einfach unseren schnellen Bauzinsrechner mit Tilgungsverlauf und Chart.

Inhalt: Bauzinsen Prognose 2023
1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
2. Die aktuelle Zinssituation
3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose?3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank3.2 Die Geldpolitik der Federal Reserve (USA)3.3 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit kaum verzinst3.4 Grundsatz: je stärker die Konjunktur, desto höher die Zinsen3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Immobilienkauf nicht um jeden Preis
4. Zusammenfassung möglicher Bauzinsen Szenarien
5. Fazit: Bauzinsen Prognose 20235.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer5.2 Empfehlungen für die Anschlussfinanzierung

1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

In den letzten Jahren sagten Beobachter angesichts immer neuer Zins-Tiefststände mehrfach eine Zinswende nach oben vorher.

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Erst ab 2021 gerieten die Notenbanken wegen der stark steigenden Inflation unter zunehmenden Druck, die Zinswende einzuleiten. Die Prognose der zukünftigen Entwicklung von Inflation und Konjunktur unterliegen allerdings vielen Gefahren.

Unerwartete Ereignisse können Prognosen jederzeit ruinieren, die kurz zuvor noch als schlüssig erschienen. So neigen nicht nur Verbraucher, sondern auch "Experten" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben.

Welche Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?

Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten jede Bauzinsen Prognose mit Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Aktueller Hinweis: Vorsicht in der „Zeitenwende“ ist die „Mutter jeder Baufinanzierung“

Immobilien-Interessenten sollten folgenden Grundsatz in ihren Plänen einbeziehen:

Je unübersichtlicher eine Situation erscheint, desto umsichtiger sollten größere Investitionen durchdacht werden. Vor allem bei langfristigen Verträgen.

Beispiel: Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs lassen sich derzeit kaum abschätzen („Zeitenwende“).

Bei Vorliegen zu vieler unbekannter Faktoren ist jede größere Entscheidung zwangsläufig mit größeren Risiken verbunden. Die Folgen zeigen sich häufig erst im Nachhinein – vielleicht viele Jahre später.

2. Die aktuelle Zinssituation

Die Bauzinsen stehen im engen Zusammenhang mit dem allgemeinen Zinsniveau, speziell mit den Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere. Dazu zählen Bundesanleihen und öffentliche Pfandbriefe.

Niedrigzinssituation in Deutschland

Investoren betrachten Bundesanleihen als „sicheren Hafen“ und nahmen in den letzten Jahren sogar negative Zinsen in Kauf. So fielen die Renditen zehnjähriger Anleihen zuerst im Oktober 2016 und dann wieder ab März 2019 unter die Null-Prozent-Marke. Nach einem kräftigen Zinsanstieg ab Ende des Jahres 2022 rentiert die zehnjährige Bundesanleihe wieder mit 2,25 % (Stand 02.02.2023).

Anleger, die in Bundesanleihen investieren, erhalten seit Jahren nur einen geringen Habenzins. Zusätzlich unterliegt das investierte Kapital aufgrund der derzeit hohen Inflation einem starken Kaufkraftverlust.

Die Umlaufrendite lag am 2. Februar 2023 bei +2,25 Prozent. Ende Februar 2022, zum Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine, befand sich die Umlaufrendite bei +0,03 Prozent. Ihren bisher tiefsten Wert verzeichnete die Umlaufrendite mit -0,83 Prozent im März 2020.

Was ist eine Umlaufrendite?

Die Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite von inländischen Anleihen der höchsten Bonitätsstufe. Ursprünglich beträgt die Laufzeit mindestens vier und die Restlaufzeit mindestens drei Jahre.

Die Bundesbank unterscheidet Umlaufrenditen nach Restlaufzeit sowie nach öffentlichen Anleihen, Industrieanleihen und Bankanleihen. Ohne weitere Erklärung bezieht sich die Umlaufrendite auf die börsennotierten Bundesanleihen. Die Umlaufrendite gilt als Indikator für das Zinsniveau am Kapitalmarkt.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig

Aufgrund pandemiebedingt erhöhter Staatsausgaben stieg die Verschuldung des Bundes (einschließlich Sondervermögen) bis Dezember 2021 auf 1.548,5 Milliarden Euro. Bis zur Jahresmitte 2022 erhöhten sich die Schulden des Bundes nur noch relativ geringfügig auf 1.574,4 Milliarden Euro (zum Vergleich Schulden 2020: 1.403,4 Milliarden Euro und 2019: 1.188,6 Milliarden Euro).

Von den Ende-August 2022 umlaufenden Bundesanleihen entfielen:

  • 42,0 Prozent auf zehnjährige und
  • 20,2 Prozent auf dreißigjährige Bundesanleihen.

Weitere Informationen und Zins-Charts, vor allem auch zur Geldpolitik der EZB stehen Ihnen in unserem Artikel Bauzinsen Entwicklung zur Verfügung.

3. Was beeinflusst die Bauzinsen Prognose 2022/2023?

Von zentraler Bedeutung für die Bauzinsen ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB orientiert sich traditionell am Ziel der Geldwertstabilität. Zudem hat die Notenbank in den letzten Jahren – offiziell oder verdeckt – das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im Blick.

Aber auch weitere Faktoren beeinflussen die Renditen deutscher festverzinslicher Wertpapiere und damit indirekt die Höhe von Bauzinsen.

Auf die Zinsen wirken sich unter anderem aus:

  • derzeit im Zentrum stehend: Russlands Krieg gegen die Ukraine und dessen Folgen für die Weltwirtschaft,
  • die zuletzt sprunghaft gestiegene Inflation (in erster Linie aufgrund Energiepreis-Anstieg und Ukraine-Krieg),
  • Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft,
  • die Folgen des Austritts Englands aus der EU,
  • aktuelle oder latente Finanz- und Wirtschaftskrisen (zum Beispiel in der Türkei, in Italien und Griechenland),
  • die instabile Situation im Nahen und Mittleren Osten (Syrien, Irak, Iran) und in Nordafrika.

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1.1 Die derzeitige Geldpolitik der EZB

Die Europäischen Zentralbank entscheidet maßgeblich über die Zinsentwicklung in der Eurozone.

Ziel der EZB: Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

Die EZB strebt eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an um

  1. den Euro stabil zu halten und
  2. die Gefahr einer Deflation zu vermeiden.

Die EZB schien zuletzt eher von Krisen einzelner Mitgliedsländer getrieben, statt sich als ein der Geldwertstabilität verpflichteter, unabhängiger Akteur zu verstehen. Es entstand teilweise der unangenehme Eindruck, dass die EZB nicht vorausschauend agierte, sondern bereits entstandenen Notsituationen „hinterherlief“.

Die bisherige extreme Niedrigzinspolitik der Notenbank

Die Notenbanken begannen im Jahr 2008 weltweit mit einer extremen Niedrigzinspolitik, um die Konjunktur zu fördern. Die Leitzinsen fielen bis auf 0,00 Prozent. Banken mussten sogar bis zu 0,5 Prozent Negativzinsen für bei der EZB hinterlegte Guthaben entrichten.

Was bezweckte die Zentralbank mit ihrer bisherigen Politik der niedrigen Zinsen?

Die Politik des „billigen Geldes“ sollte die Nachfrage von Konsumenten und Firmen nach Produkten und Diensten verstärken. Das sollte die Konjunktur ankurbeln und so ein Abgleiten in eine für die Wirtschaft gefährliche Deflation vermeiden.

Zwischen März 2015 und Juli 2022 erwarb die EZB über verschiedene Ankaufprogramme monatlich milliardenschwere Wertpapier-Volumina. Ende des Jahres 2021 hatte sich das von der EZB „zu geldpolitischen Zwecken“ gehaltene Wertpapier-Volumen auf 445,4 Milliarden Euro erhöht. Davon entfielen 110,8 Milliarden Euro allein auf Zukäufe aus dem Jahr 2021.

Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der EZB betrug Ende 2021 680,1 Milliarden Euro. Die EZB-Bilanz wird also ganz entscheidend von den Wertpapierankäufen der letzten Jahre geprägt.

Wiederanlage von Tilgungsbeträgen auch nach einer Zinswende

Ganz beendet ist die expansive Geldmengenpolitik der Europäischen Zentralbank aber nicht. Der EZB-Rat beabsichtigt weiterhin die Wiederanlage von Tilgungsbeträgen aus den im Rahmen des allgemeinen Ankaufprogramms APP erworbenen Wertpapieren. Und zwar „für längere Zeit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem er mit der Erhöhung der Leitzinsen beginnt.“

Die Wiederanlage fällig werdender Vermögenswerte aus dem Ankaufprogramm PEPP (Ankaufprogramm zur Konjunkturunterstützung während der Corona-Pandemie) soll bis mindestens Ende 2024 erfolgen.

3.1.2 Die Entwicklung der Verbraucherpreise

Bei hoher Inflation erhöhen die Notenbanken üblicherweise die Leitzinsen, um der Geldentwertung entgegenzuwirken.

In den letzten Jahren bewegten sich die Inflationsraten in Deutschland und in der Eurozone auf einem niedrigen Niveau. Im Jahr 2020 ging die Inflation in der Eurozone sogar auf nur noch 0,3 Prozent zurück.

Die Zeit niedriger Inflation endete allerdings 2021: im Jahresverlauf stieg die Geldentwertung deutlich an. Als Gründe wurden die in Deutschland ausgelaufene Mehrwertsteuer-Senkung, pandemiebedingter Nachfrage-Nachholbedarf, Probleme bei Lieferketten und massiv erhöhte Energiepreise genannt.

Nach einem monatelangen steilen Anstieg erreichte die Inflation 10,4 Prozent (Oktober 2022) und fiel im Dezember 2022 leicht zurück auf 8,6 Prozent (jeweils VPI). Das sind die höchsten Werte seit der Einführung der Deutschen Mark im Jahr 1948. Ursachen für die hohe Inflation seien, so das Statistische Bundesamt, der starke Preisanstieg für Energie und die Folgen des Ukraine-Kriegs.

Die Entwicklung der Inflation von 2016 bis 2022

In den letzten Jahren vor 2021 unterschritt die Inflation regelmäßig das 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

  • 2015: HVPI Eurozone: 0,2 % (HVPI Deutschland: 0,7 %)
  • 2016: 0,2 % (0,4 %)
  • 2017: 1,5 % (1,7 %)
  • 2018: 1,8 % (1,9 %)
  • 2019: 1,2 % (1,4 %)
  • 2020: 0,3 % (0,4 %)
  • 2021: 2,6 % (3,2 %)
  • Januar 2022: 5,1 % (5,1 %)
  • Februar 2022: 5,9 % (5,5 %)
  • März 2022: 7,4 % (7,6 %)
  • April 2022: 7,4 % (7,8 %)
  • Mai 2022: 8,1 % (8,7 %)
  • Juni 2022: 8,6 % (8,2 %)
  • Juli 2022: 8,9 % (8,5 %)
  • August 2022: 9,1 % (8,8 %)
  • September 2022: 9,9 % (10,9 %)
  • Oktober 2022: 10,6 % (11,6 %)
  • November 2022: 10,1 % (11,3 %)
  • Dezember 2022: 9,2 % (9,6 %)

Quelle: Eurostat HVPI-Index

Resümee: Die aktuelle Inflation ist weit über dem 2-Prozent-Zielwert der EZB.

3.1.3 Die Antworten der EZB auf die hohe Inflation

Etliche Jahre hatte die EZB die Zinsen niedrig gehalten und die Geldmenge ausgeweitet, um den hoch verschuldeten EU-Staaten die Finanzierung ihrer ausufernden Schulden zu ermöglichen.

Lange Zeit hatte die EZB versichert, dass die Inflation auf niedrigem Niveau bleiben werde. Erst als die Inflation ab Ende 2021 immer schneller anstieg, war die EZB zu einer Änderung ihrer Zinspolitik gezwungen.

Am 27. Juli 2022 leitete die Europäische Zentralbank nach elf Jahren der Niedrigzinspolitik die längst überfällige Zinswende ein. Sie erhöhte ihre Leitzinsen um 0,5 Prozent. Damit stieg der Hauptrefinanzierungszinssatz, der wichtigste Zinssatz der EZB, von 0,0 Prozent auf 0,5 Prozent an.

Weitere Zinserhöhungen um 0,75 Prozent folgten am 14. September und 2. November, sowie um 0,5 Prozent am 21. Dezember 2022 und 8. Februar 2022. Damit liegen die aktuellen Leitzinssätze:

  1. Die Hauptrefinanzierungsfazilität, zu der die Banken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei 3,00 Prozent p. a.
  2. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Banken nur 3,25 % Zinsen (Spitzenrefinanzierungsfazilität).
  3. Für Guthaben bei der Notenbank (Einlagefazilität), erhalten Banken aktuell 2,50 Prozent.
Ökonomen warnten frühzeitig vor hoher Inflation

Schon Anfang 2021 hielten Ökonomen Inflationsraten von 5 Prozent für möglich:

  1. Die Ökonomen begründeten ihre Prognose mit der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung werde das Angebot an Arbeitskräften knapp. Das zwingt Unternehmen in Zukunft deutlich höhere Löhne zu zahlen.
  2. Für eine langfristig höhere Inflation spreche auch die erhöhte Wachstumsrate der Geldmenge: die jährliche Zuwachsrate der Geldmenge sei im Zuge der Corona-Krise von 5 Prozent auf nunmehr 10 Prozent gestiegen.
EZB musste ihre Prognosen für Inflation und Wachstum bereits mehrfach anpassen

Bei ihren Prognosen der Inflationsraten 2021 und 2022 lag die EZB in den letzten Jahren durchweg falsch. Das zeigt, dass selbst Annahmen fachkundiger „Experten“ mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen sind.

EZB-Inflation-Prognosen für 2022

Vor dem Hintergrund der im Euroraum im Jahr 2021 auf 5,0 Prozent angestiegenen Inflation (zum Vergleich: die EZB-Inflationsprognose für 2021 lag ursprünglich bei 1,0 Prozent) erhöhte die Notenbank ihre Prognose für das Jahr 2022

  • im Januar 2022 auf 3,2 Prozent – nach einer zum Jahresanfang 2022 bestehenden Vorhersage von lediglich 1,7 Prozent.
  • Im März 2022 erhöhte die EZB dann ihre Inflationserwartung für 2022 auf 5,1 Prozent,
  • im Juni 2022 auf 6,8 Prozent
  • und im September 2022 auf 8,1 Prozent.
  • Am Ende lag im Euroraum die Inflationsrate bei 8,4 Prozent für das Gesamtjahr 2022.
Inflation: EZB-Prognosen für 2023 und 2024

Laut EZB-Prognose vom Dezember 2022 soll die Inflation im Jahr 2023 über 6 Prozent betragen und damit gegenüber 2022 etwas rückläufig sein.

In der vorangegangenen Juni-Prognose glaubten die „EZB-Experten“ an 3,5 Prozent Inflation für 2023. Noch im Januar 2022 wurde für 2023 eine Geldentwertung nur von 2,1 Prozent geschätzt.

2024 soll laut EZB-Prognose vom September 2022 die Inflation auf nur noch 2,3 Prozent sinken. In den Quartalen zuvor waren 2,1 Prozent, 1,9 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent angenommen worden.

EZB-Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2022 bis 2024

Zugleich erhöhte die Europäische Zentralbank ihre Wachstumsprognose 2022 für die Eurozone auf 3,1 Prozent (vorherige Quartalsprognosen: 2,8 %, 3,7 %, 4,1 %).

Für 2023 geht die EZB von einem Eurozonen-Wachstum von nur 0,9 Prozent (zuvor 2,1 Prozent) aus, für 2024 von 1,9 Prozent (2,1 Prozent).

Nachdenkliche Frage:Wie verlässlich dürften solche Prognosen dieses Mal sein?

Inflation: nicht zuletzt Folge von EZB-Fehlanalysen und EZB-Niedrigzinspolitik

Für lange Zeit hatte die EZB ihre Politik der niedrigen Zinsen mit niedrigen Inflationsprognosen begründet. Bis in den Januar 2022 hinein vermittelte die EZB den Eindruck, dass sie an der Nullzinspolitik festhalten kann.

Die Inflation habe ihren Höchstwert Ende 2021 erreicht und werde im Laufe des Jahres 2022 wieder deutlich fallen, so die damalige Einschätzung. Die EZB erklärte stets, die Inflation sei „weitgehend temporären Faktoren geschuldet, die im Jahresverlauf 2022 nachlassen dürften“. Der erhöhte Preisanstieg werde nur von kurzer Dauer sein.

Als Ursachen der nach EZB-Auffassung nur vorübergehend verstärkten Inflation wurden genannt:

  • die Wiederanhebung der deutschen Mehrwertsteuer im Januar 2021,
  • Anpassung der Gewichte im Verbraucherpreis-Index (als Reaktion auf den Corona-Shutdown),
  • Anstieg der Preise für Rohstoffe,
  • Verteuerung von Energie aufgrund der neu eingeführten CO₂-Bepreisung (ab Januar 2021) und
  • vorübergehende Lieferprobleme.
Warum die EZB von einer niedrigen Inflationsrate ausging und wie es dann ganz anders kam

Für eine niedrigere beziehungsweise wieder deutlich zurückgehende Inflationsrate sprachen laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgende Gesichtspunkte (Anfang 2021):

  1. in absehbarer Zeit voraussichtlich begrenzte Lohnerhöhungen
  2. eine geringe Auslastung der Wirtschaft
  3. eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar

Tatsächlich aber zeigte sich nach den ersten Corona-Wellen ein Nachholbedarf, der sich in Form einer erhöhten Nachfrage bemerkbar machte. In Verbindung mit der Pandemie kam es zu Problemen in Lieferketten und somit zu weiter steigenden Preisen.

Auch die Erwartung, ein stärkerer Euro werde zu niedrigeren Importpreisen führen, erwies sich als Fehleinschätzung. Angesichts der höheren Zinserwartungen für die USA fiel der Euro gegenüber dem US-Dollar erheblich:

  • von 1,22 US-Dollar je Euro (Januar 2021)
  • auf 0,98 US-Dollar je Euro (September 2022)

Das entspricht einem Rückgang des Euro gegenüber dem US-Dollar um 19,7 Prozent.

Bei einem niedrigen Eurokurs werden in die EU importierte Waren, die auf dem Weltmarkt in US-Dollar bezahlt werden müssen, teurer. Ein fallender Eurokurs heizt also die Inflation im Euro-Raum zusätzlich an.

EZB gestand Prognose-Versagen ein

Da mutet eine plötzliche Kehrtwende von Christine Lagarde, der Präsidentin der EZB doch recht kleinlaut an: angesichts der Inflation und Kritik an der Geldpolitik erklärte Lagarde am 21.01.2022 beim Weltwirtschaftsforum, dass die EZB die Inflation unterschätzt habe.

Die Notenbank, meinte Lagarde, müsse nunmehr „offen sein für Änderungen am Inflationsausblick“. „In ein paar Monaten“ werde die EZB „neue Projektionen“ zu Inflation und Konjunktur haben.

EZB handelte (und handelt weiterhin) im Interesse hoch verschuldeter Staaten

Kritiker vermuten, dass die EZB nach Vorwänden suchte, um ihre Niedrigzinspolitik im Interesse hoch verschuldeter EU-Staaten fortzuführen. Über Jahre ignorierte die EZB die sich steigernde Kritik an der gefährdenden EZB-Niedrigzinspolitik.

Mutig erklärter Wille: Die EZB will die Zinsen weiter erhöhen.

Derzeit gewichtet die EZB das Inflationsrisiko offenbar höher ein als die möglichen Risiken für die Konjunktur. Solange die Zentralbank diese Einschätzung beibehält, wird ihre Entscheidung für eine Zinswende wohl Bestand haben.

Zinswende: ja klar, es sei denn ...

Abzuwarten bleibt die Entwicklung des Ukraine-Kriegs, der sich in gravierender Form auf die Weltwirtschaft auszuwirken droht.

Der Lieferstopp für russisches Gas könnte die Konjunktur im Falle eines Energie-Engpasses stark beeinträchtigen. Für Deutschland halten Ökonomen einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von bis zu drei oder vier Prozent für möglich.

Fazit

Die Europäische Zentralbank hat viel Vertrauen verspielt

  • mit jahrelang falschen Inflationsprognosen und
  • mit einer Geldpolitik, die trotz anderslautender Bekundungen nicht auf Geldwertstabilität ausgerichtet war.

Die Prognosen der EZB zu Inflation und Wachstum können nach den bisherigen Erfahrungen zutreffen oder auch nicht. Vergleichbar mit einem gut organisierten Lotteriespiel.

Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rates findet am 16. März 2023 statt.

3.1.4 Welchen Effekt hat der Ukraine-Krieg auf die Zinsentwicklung?

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine erfordert von der Europäischen Zentralbank eine grundlegende Entscheidung.

  • Die stark gestiegene Inflation spricht für Zinserhöhungen.
  • Die Konjunktursorgen sprechen für die wiederaufnehme der Niedrigzinspolitik, oder zumindest die Zinswende nach oben zu dämpfen.

Welchen Weg die EZB auf Dauer wählt, ist derzeit schwer vorherzusehen. Es hängt davon ab, ob die EZB die Risiken der Inflation oder die Konjunktursorgen höher bewertet.

Maßgeblich ist hierbei die weitere Entwicklung des Ukraine-Kriegs: je verheerender seine globalen Auswirkungen ausfallen, desto mehr wird sich die EZB zu einer Rückkehr zur Niedrigzinspolitik veranlasst sehen.

Dauer, Intensität und Auswirkungen des Ukraine-Kriegs kaum absehbar

Jedenfalls führt die Einschränkung (oder sogar völlige Beendigung) der Belieferung mit russischem Gas zu drastischen Preissteigerungen. Zuletzt sorgte die bewusste Sprengung der Erdgas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 für zusätzliche Ängste vor einer unsicheren Energieversorgung.

Überblick: Auswirkungen von Russlands Ukraine-Krieg

Mögliche belastende Auswirkungen des russischen Kriegs gegen die Ukraine:

  • Rückgang der Weltkonjunktur,
  • Unterbrechung internationaler Lieferketten,
  • Energieknappheit für Haushalte und Unternehmen,
  • Preissteigerungen aufgrund von Lieferengpässen und hohen Energiepreisen,
  • erhöhte Anzahl von Insolvenzen,
  • möglicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen,
  • weltweite Hungerkrisen,
  • Migrationsbewegungen mitsamt Folgeproblemen,
  • möglicher Stopp der „Zinswende“ und Wiederaufnahme einer Niedrigzinspolitik – mit der Gefahr einer weiter ansteigenden Inflation,
  • bei krisenbedingt expansiver Geldpolitik trotz Inflation: Entwertung von Währungen, Gefahren für die Altersversorgung, soziale Verwerfungen.

Mögliche positive Nebeneffekte:

  • beschleunigte Umstellung auf regenerative Energien
  • Festigung des Zusammenhalts der EU- und der NATO-Staaten
  • mögliche Stärkung von Demokratien und liberaler Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen

3.1.5 Gefahren durch Corona-Pandemie und durch hohe Energiepreise

EZB und Geschäftsbanken warnen vor krisenbedingt drohenden Gefahren für die Finanzstabilität.

Banken: Risiko erhöhter Wertberichtigungen auf Kredite

Nach Auslaufen der Corona-Hilfen sei damit zu rechnen, dass die Banken zu erhöhten Wertberichtigungen auf Kredite gezwungen sein werden ("Klippeneffekt"). Daher werde die Ertragslage der Banken eher schwach bleiben.

EZB-Präsidentin warnte davor, die Folgen der Pandemie für die Bankbilanzen zu unterschätzen. Ein endgültiger Überblick über Ausfälle von Firmenkrediten als Folge der Corona-Pandemie werde erst mit mehrjähriger Verzögerung vorliegen.

Auch vor dem Hintergrund drastisch gestiegener Energiepreise fordern Banken staatliche Hilfe für ihre mittelständischen (Kredit-) Kunden.

Gefahr der Bildung von Preisblasen

Die EZB beobachtet eine steigende Risikobereitschaft bei Investmentfirmen und teilweise überhöhte Preise bei Vermögenswerten. Dies könne zu abrupten Kursrückgängen führen und die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.

EZB: Preise für Wohnimmobilien 15 bis 40 Prozent zu hoch

Die Europäische Zentralbank sieht Indizien für überzogene Preise bei Wohnimmobilien. Nach Einschätzung der EZB befanden sich die Immobilienpreise Ende 2021 etwa 15 bis 40 Prozent oberhalb eines angemessenen Preisniveaus. Dies gilt nach Auffassung der EZB auch für Immobilienlagen außerhalb der Ballungszentren.

Ob das erreichte Preisniveau am Immobilienmarkt Bestand haben wird, hängt nach Bewertung der EZB davon ab, inwieweit:

  • die Nachfrage nach Immobilien unverändert anhält,
  • die vorhandene Immobilien-Nachfrage durch die Bauindustrie abgearbeitet werden kann (Lieferengpässe und Personalmangel)
  • die hohe Inflation die für Immobilienkäufe verfügbare Kaufkraft der privaten Haushalte schmälert.

Höheres Zinsniveau: Risiko lang laufender Kredite

Etwa die Hälfte aller Kredite für Wohnimmobilien ist mit Zinsbindungen von über zehn Jahren ausgestattet. Der hohe Anteil lang laufender Kredite (mit niedrigen Zinsen) mache das Finanzsystem anfällig für Zinssteigerungen.

Mit anderen Worten: es besteht die Gefahr, dass Anschlusskredite dann zu höheren Zinsen nicht mehr bedient werden können.

3.2 Die Geldpolitik der Federal Reserve (USA)

Das Zinsniveau im US-Dollar-Raum beeinflusst die Zinsen weltweit. Die US-Notenbank hatte nach mehrjähriger Null-Zins-Politik bereits im Jahr 2015 eine erste Zinswende nach oben eingeleitet.

Im Juli 2019 kehrte die Fed zu ihrer Niedrigzinspolitik zurück. Erst aus konjunkturellen Gründen, später wegen der Folgen der Corona-Pandemie.

Ab März 2022 veranlasste die auch in den USA stark gestiegene Inflation die US-Notenbank zu mehreren Leitzins-Erhöhungen.

Hohe Inflation in den USA: Anlass für kräftige Zinserhöhungen

Die US-Notenbank folgt (ebenso wie die EZB) dem 2-Prozent-Inflationsziel. Dabei achtet sie insbesondere auf eine von der Entwicklung bei Energiepreisen und Nahrungsmitteln bereinigte Inflationsrate („Kerninflation“).

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fiel die Inflationsrate im März 2020 deutlich auf 1,5 Prozent. Allerdings führten die rasche Erholung der US-Wirtschaft, umfangreiche Konjunkturpakete und Lieferkettenprobleme zu einem erheblichen Anstieg der Inflation.

Im Verlauf des Jahres 2021 zog die US-Inflation von 1,4 Prozent (Januar 2021) auf 7,0 Prozent im Dezember 2021 an. Damit erreichte die Geldentwertung in den USA ihren höchsten Stand seit nahezu 40 Jahren.

Während des Jahres 2022 nahm die US-Inflation weiter zu. Sie erreichte im Juni 2022 mit 9,1 Prozent ihren bisherigen Höchstwert und nimmt seither wieder leicht ab.

  • Januar 2022: 7,5 Prozent
  • Februar 2022: 7,9 Prozent
  • März 2022: 8,5 Prozent
  • April 2022: 8,3 Prozent
  • Mai 2022: 8,6 % Prozent
  • Juni 2022: 9,1 % Prozent
  • Juli 2022: 8,5 % Prozent
  • August 2022: 8,3 % Prozent
  • September 2022: 8,2 % Prozent
  • Oktober 2022: 7,7 % Prozent
  • November 2022: 7,1 % Prozent
  • Dezember 2022: 6,5 % Prozent

Die dauerhaft hohe Inflation veränderte die Lageeinschätzung der US-Notenbank

Noch bis Ende 2021 hatte die US-Zentralbank den Anstieg der US-Inflation zu einem „vorübergehenden“ Phänomen erklärt. Die rasch steigenden Inflationswerte veranlassten die Federal Reserve aber dann doch zu einer straffen Geld- und Zinspolitik.

Ausblick: US-Inflationsrate 2022 und 2023

Für das Gesamtjahr 2022 erwarten Ökonomen eine US-Inflation von etwa 7,7 Prozent. Im Jahr 2023 soll die Geldentwertung deutlich auf 2,9 Prozent und in den Folgejahren in Richtung 2,0 Prozent fallen.

Aufgrund der erheblichen Risiken lassen sich Inflationsprognosen für 2022 und für die Folgejahre derzeit nur unter großem Vorbehalt erstellen.

Mögliche Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Zinspolitik der US-Notenbank

Trotz des Ukraine-Kriegs will die Federal Reserve an ihrer Zinswende nach oben festhalten. Die hohe Inflation wird als die derzeit zentrale Herausforderung für die Geld- und Zinspolitik betrachtet.

Dagegen lassen laut US-Zentralbankchef Powell die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die US-Wirtschaft nach. Es sei aber „höchst ungewiss“, welche Folgen ein länger andauernder Krieg und die verhängten Sanktionen für die US-Ökonomie haben könnten.

Die Entwicklung der US-Leitzinsen („Federal Funds Rate“)

Anhebungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 16.12.2015 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 14.12.2016 von 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15.03.2017 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14.06.2017 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13.12.2017 von 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21.03.2018 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13.06.2018 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26.09.2018 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19.12.2018 von 2,25 bis 2,50 Prozent

Senkungen der US-Leitzins-Bandbreite

  • 31.07.2019 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 18.09.2019 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 30.10.2019 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 03.03.2020 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 15.03.2020 von 0,00 bis 0,25 Prozent

Anhebung der Leitzins-Bandbreite - von der US-Notenbank eingeleitete Zinswende:

  • 17.03.2022 von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 05.05.2022 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 16.06.2022 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 28.07.2022 von 2,25 bis 2,50 Prozent
  • 22.09.2022 von 3,00 bis 3,25 Prozent
  • 02.11.2022 von 3,75 bis 4,00 Prozent
  • 14.12.2022 von 4,25 bis 4,50 Prozent
  • 01.02.2023 von 4,50 bis 4,75 Prozent

Am 21.09.2022 prognostizierte die US-Notenbank zudem, dass der US-Leitzins bis Ende 2022 auf 4,4 Prozent und im Jahr 2023 bis auf 4,6 Prozent ansteigen werde. Erst 2024 könnten nach dieser Prognose die US-Zinsen wieder sinken.

Fazit: Hohe Inflation zwingt US-Notenbank zu deutlichen Zinserhöhungen

ie US-Notenbank hat die Zinswende nach oben eingeleitet. Für die Jahre 2022 und 2023 werden weitere Erhöhungen der US-Leitzinsen erwartet.

3.3 Bundesanleihen: Renditen steigen wieder

Bundesanleihen weisen wieder geringe Renditen auf. Wer aktuell zwei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der erhält Zinsen zwischen 2,54 und 2,46 Prozent pro Jahr. Die längste Bundesanleihe mit einer Laufzeit von etwas mehr als 30 Jahren erzielt eine Rendite von 2,44 Prozent (Stand 02.01.2023).

Chart: Renditen für Bundesanleihen

Zu berücksichtigen ist, dass Anleger selbst geringe Habenzinsen versteuern müssen. Ankauf- und Verkaufsprovisionen schmälern die Rendite zusätzlich.

Selbst bei einem künftig wieder etwas höheren Zinsniveau dürften die Renditen von Bundesanleihen sehr überschaubar bleiben. Wahrscheinlich deutlich unterhalb der derzeitig sehr hohen Inflationsrate.

Ursachen der niedrigen Zinsen für Bundesanleihen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei Anlegern aus verschiedenen Gründen auf ein hohes Interesse. Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von Bundesanleihen von der guten Bonität der Bundesrepublik Deutschland. Dies führt international zu einer hohen Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen.

Zudem sind Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar: In Zeiten ökonomischer und geopolitischer Krisen bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit. Investoren können rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

3.4 Grundsatz: je stärker die Konjunktur, desto höher die Zinsen

Eine schwache Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem niedrigen Zinsniveau. Dagegen führt eine stärkere Konjunktur üblicherweise zu einem höheren Zinsniveau. Eine niedrige Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine schwächere Kreditnachfrage und damit für niedrigere Zinsen. Außerdem ist bei einer niedrigen Güternachfrage eine schwächere Inflation zu erwarten. Fallende Inflationsraten gehen mit steigenden Anleihekursen (und damit fallenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

Szenario 1: erfolgreiche Pandemie-Bekämpfung, schnelle Beendigung des Ukraine-Kriegs und positive Entwicklung der Weltwirtschaft

Nach einem coronabedingten Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung befand sich die Weltwirtschaft in einer deutlichen, aber noch fragilen Erholungsphase.

Die Folgen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine werden auch für die Weltwirtschaft werden umso gravierender sein,

  • je länger und intensiver der Krieg geführt wird
  • und je mehr die Volkswirtschaften von Drittstaaten durch Kriegsfolgen betroffen sind.

Kann der russische Ukraine-Krieg rasch beendet werden, dann könnte sich die Weltkonjunktur stabilisieren. Die Zinsen würden dann eher stabil bleiben. Bei zu hoher Inflation aufgrund von Leitzins-Erhöhungen würde das Zinsniveau allerdings weiter ansteigen.

Szenario 2: Rückschläge in der Pandemie-Bekämpfung oder sich verschärfender Ukraine-Krieg

Die Corona-Pandemie spielte über den Sommer 2022 in der öffentlichen Wahrnehmung eine abnehmende Rolle. Trotzdem bleibt die Pandemie-Entwicklung im Winter 2022/2023 abzuwarten. Möglicherweise ist die „Stimmung“ derzeit besser als die „Lage“: die Corona-Todesfallzahlen liegen im Herbst 2022 über den Werten des Vorjahres.

Sollte die Pandemie zu erneuten schweren Störungen der Weltwirtschaft führen, dann ist eine Rückkehr zu einer „Politik des lockeren Geldes“ nicht auszuschließen.

Auch der Ukraine-Krieg kann sich gravierend auf Wirtschaftslage auswirken

Der Ukraine-Kriegs könnte laut Prognosen in den westlichen Staaten zu einem Rückgang der Wirtschaft um mehrere Prozentpunkte führen. Dies wäre für die Zentralbanken der Anlass von einer Abkehr von weiteren Zinserhöhungen. Vielleicht sogar die Rückkehr zur Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre.

Aktuelle Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung

Die Welthandelsorganisation (WTO) geht in ihrer Prognose für 2022 unverändert von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 2,8 Prozent aus.

Die WTO glaubt, dass sich die Folgen von Ukraine-Krieg, Energiekrise und Corona-Pandemie verstärkt im Jahr 2023 zeigen werden:

  • das weltweite Wirtschaftswachstum werde sich auf 2,3 Prozent abschwächen und
  • der Welthandel werde nur noch um 1,0 Prozent wachsen – bei einer Prognosebandbreite zwischen -2,8 Prozent und +4,6 Prozent.

Allerdings vermutet die WTO (im Oktober 2022), dass der Inflationsdruck seinen Höhepunkt überschritten haben könnte.

Die für Deutschland vorliegenden aktuellen Prognosen für das Wirtschaftswachstum liegen in einer Prognose-Bandbreite:

  • zwischen +1,1 Prozent und +2,5 Prozent für 2022 und
  • zwischen -1,4 Prozent und +3,7 Prozent für 2023.

Hervorzuheben sind folgende Prognosequellen zum deutschen Wirtschaftswachstum:

  • Bundesregierung (April 2022): +2,2 % (2022), +2,5 % (2023)
  • EU-Kommission (Juli 2022): +1,4 %, +1,3 %
  • OECD (Juni 2022): +1,9 %, +1,7 %
  • Bundesbank (Juni 2022): + 1,9 %, +2,4%
  • Gemeinschaftsprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute (September 2022): +1,4 %, -0,4 %.

Wie genau sich der Ukraine-Krieg auf die Weltwirtschaft und auf einzelne Volkswirtschaften auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

3.5 Immobilienmarkt und Bauzinsen: Immobilienkauf nicht um jeden Preis

Auf dem Immobilienmarkt fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen statt. Gründe dafür waren ein jahrelang überdurchschnittlich wachsendes BIP bei zugleich niedrigen Zinsen.

Zwischen 2015 und Ende 2021 stiegen die Immobilienpreise (beziehungsweise die Kosten für Bauleistungen) durchschnittlich um 32,3 Prozent.

3.5.1 Analysten mahnen zur Vorsicht am Immobilienmarkt

Schon seit längerer Zeit warnt die Bundesbank vor deutlichen Überbewertungen bei Wohnimmobilien. Die Immobilienpreise lägen in Deutschland zwischen 15 und 40 Prozent über dem angemessenen Niveau.

Finanzexperten warnen, dass die Nachfrage und damit die Preise für Wohnimmobilien sinken könnten. Denn weitere Zinserhöhungen und steigende Bauzinsen erscheinen realistisch.

3.5.2 Relativ niedrige Bauzinsen versus hohe Immobilienpreise

Doch vielen Interessenten erscheinen die im langjährigen Vergleich immer noch niedrigen Bauzinsen als ein gutes Argument für einen Immobilienerwerb. Der überproportionale Anstieg der Immobilienpreise überkompensiert jedoch in vielen Fällen die Vorteile von niedrigen Zinsen. Wer also eine Immobilie kaufen möchte, der sollte unbedingt auf einen angemessenen Preis achten.

Auf angemessene Immobilienpreise achten

Je höher der Kaufpreis, desto weniger fällt die Entlastung durch niedrige Zinsen ins Gewicht. Interessenten sollten zwar weiterhin nach einer Baufinanzierung mit optimierten Konditionen Ausschau halten. Angesichts des vielerorts erreichten Preisniveaus entscheidet aber derzeit eher der Kaufpreis als die Zinsen über den Sinn eines Immobilienkaufs.

Wichtige Entscheidungen nur bei ausreichend klarer Informationslage treffen Folgende grundsätzliche Überlegung sollte bei der Entscheidung über eine Immobilienfinanzierung einbezogen werden:

Größere finanzielle Entscheidungen sollten umso vorsichtiger getroffen werden,

  • je unüberschaubarer eine Situation (zum Beispiel: bei großen wirtschaftlichen oder politischen Risiken) und
  • je größer das Gewicht einer bestimmten Investitions-Entscheidung für einen Investor (zum Beispiel: einen Immobilienkäufer).

Oft ist es sinnvoll, mit zu vielen Unsicherheiten belastete und deshalb allzu risikoreiche Entscheidungen zu verschieben. Zumindest für so lange, bis sich die Situation besser einschätzen lässt.

4. Zusammenfassung möglicher Szenarien

Was könnte zu steigenden Bauzinsen führen?

  • hohe Inflation: Notenbanken vollziehen die Zinswende und erhöhen konsequent ihre Leitzinsen
  • deutlich steigende US-Zinsen bedeuten Druck auf die EZB, bei den Euro-Leitzinsen nachzuziehen
  • angesichts Krisen: möglicherweise größere Banken-Zurückhaltung bei der Vergabe von Darlehen
  • anziehende Weltkonjunktur, falls Krisen erfolgreich bewältigt werden können

Was könnte für niedrige Bauzinsen sprechen?

  • bei gravierenden Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Weltwirtschaft oder
  • beim Aufflammen der Corona-Pandemie mit großen wirtschaftlichen Folgen: Wiederaufnahme der Niedrigzins-Politik durch die Notenbanken

Wann sind sowohl sinkende als auch steigende Bauzinsen vorstellbar?

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes - nicht nur in den Ballungsgebieten
  • Verschärfung der politischen und ökonomischen Instabilität einzelner Staaten (zum Beispiel Italien, Griechenland oder Türkei)
  • Auswirkungen der Wahlen in Italien vom 25.09.2022: die Wirtschafts-, Finanz- und Europapolitik einer voraussichtlich rechtsnationalen Regierung ist derzeit noch nicht absehbar.

5. Fazit: Bauzinsen Prognose 2023

Fazit: Bauzinsen Prognose

Die bereits angehobenen Leitzinsen der EZB werden voraussichtlich im Jahr 2023 weiter ansteigen. Dies wird kurz- und mittelfristig zu steigenden Bauzinsen führen.

5.1 Empfehlungen für Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung weiterhin zu noch vergleichsweise günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen sind immer noch längere Zinsbindungen– im Idealfall bis zum Ende der Kreditlaufzeit. Wir empfehlen aber mindestens eine Laufzeit von 12 bis 15 Jahren.

Zugleich sollten Sie eine hohe Tilgungsrate (zwei Prozent oder höher) wählen, um die Entschuldung zu beschleunigen.

Bei der Finanzierung einer Immobilie sollten Sie nicht nur auf niedrige Bauzinsen, sondern vor allem auf einen angemessenen Kaufpreis achten. Die Europäische Zentralbank jedenfalls hält den Immobilienmarkt nach jahrelangen Preissteigerungen für überteuert – nicht nur in Ballungszentren.

5.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei der Anschlussfinanzierung sollten Sie lange Laufzeiten bevorzugen. Durch niedrigere Zinsen eingesparte Aufwendungen sollten Sie zur Erhöhung der Tilgung verwenden.

Wenn Ihre Finanzierung in den nächsten 5 Jahren ausläuft, können Sie sich bereits heute die vergleichsweise niedrigen Bauzinsen durch Forward-Darlehen sichern.