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Bauzinsen Entwicklung

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Entwicklung der Bauzinen

Bauzinsen Entwicklung der letzten 5 Jahre

Dieser Bauzinsen Chart dokumentiert den besten effektiven Bauzins aus über 400 Anbietern

Chart: Bauzinsen Entwicklung je Zinsbindungsfrist
Inhaltsverzeichnis: Bauzinsen Entwicklung 2020
1. Einordnung der aktuellen Bauzinsen Entwicklung 1.1 Im historischen Zinstief 1.2 Einordnung der Zinsentwicklung der letzten Jahre
2. Was die Bauzinsen Entwicklung beeinflusst 2.1 Enger Zusammenhang zwischen Bauzinsen und Anleihe-Renditen 2.2 Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen 2.3 Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank 2.4 Die Zinspolitik der US-Notenbank 2.5 Weitere politische und ökonomische Entwicklungen
3. Profiteure der Bauzinsen Entwicklung 3.1 Immobilieneigentümer mit einer laufenden Baufinanzierung 3.2 Bauherren und Immobilienkäufer 3.3 Inhaber von Aktien
4. Ausblick auf die künftige Bauzinsen Entwicklung
5. Fazit

1. Die aktuelle Bauzinsen Entwicklung

Die Bauzinsen befinden sich derzeit auf einem extrem niedrigen Niveau. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein langfristiger Zinssenkungstrend herausgebildet. Auf zwischenzeitliche Zinserhöhungen erfolgte bislang stets ein neues Zinstief.

Die Hauptursache der momentan besonders niedrigen Bauzinsen liegt in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit einer massiven Geldmengen-Ausweitung („Politik des billigen Geldes“) einhergeht. Volkswirtschaftliche Fakten wie Geldentwertung oder Konjunkturdaten spielen zwar im Hintergrund eine Rolle, haben aber angesichts der intensiven Eingriffe der Zentralbank in den Kapitalmarkt kaum direkten Einfluss auf das Zinsniveau.

Grundsätzlich verfügen zahlreiche politische und volkswirtschaftliche Einflussfaktoren über das Potenzial, die Zinsentwicklung nachhaltig zu beeinflussen. Dazu gehören vor allem die Wirtschaftsentwicklung, die Inflationsrate, Energie- und Rohstoffpreise sowie geopolitische Krisen.

Die Geld- und Zinspolitik der EZB schaltet jedoch die Marktkräfte innerhalb des Euroraums weitgehend aus.

1.1 Im historischen Zinstief: die Entwicklung der Bauzinsen

Je länger die Zinsbindung für ein Baudarlehen, desto stärker schwanken in aller Regel die Bauzinsen, wenn sich das Zinsniveau am Kapitalmarkt ändert.

Die von den Kreditinstituten offerierten Zinssätze hängen wesentlich von der Bonität des Kreditnehmers, vom Beleihungsauslauf, von der Höhe des Baufinanzierungsdarlehens, von regionalen Besonderheiten und natürlich von der Geschäftspolitik eines Baufinanzierers ab.

20. April 2015 (Zwischentief)*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 0.80 % 0.95 % 1.53 % 1.72 %
Sollzinsen: 0.80 % 0.95 % 1.52 % 1.71 %
Anbieter: ING DiBa Commerzbank MHB MHB

26. Juni 2015 (vorübergehendes Zinshoch)*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 1.18 % 1.61 % 2.28 % 2.72 %
Sollzinsen: 1.17 % 1.60 % 2.26 % 2.69 %
Anbieter: DSL Bank ING DiBa Volksbund Wohl MHB

1. Oktober 2016 (weiteres Zwischentief)*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 0.65 % 0.72 % 1.45 % 1.68 %
Sollzinsen: 0.65 % 0.69 % 1.42 % 1.65 %
Anbieter: ING DiBa DSL Bank DSL Bank Hannoversche Leben

24. Februar 2018 (weiteres vorübergehendes Zinshoch)*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 0.97 % 1.37 % 1.93 % 2.25 %
Sollzinsen: 0.95 % 1.33 % 1.90 % 2.21 %
Anbieter: LIGA Bank BHW Allianz ERGO

21. September 2019 (erneutes Zinstief)*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 0.31 % 0.57 % 1.08 % 1.26 %
Sollzinsen: 0.26 % 0.56 % 1.06 % 1.24 %
Anbieter: Degussa Bank LIGA Bank Allianz ERGO

Aktuelle Bauzinsen*

Zinsbindung: 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
effektiv: 0.41 % 0.45 % 0.97 % 1.08 %
Sollzinsen: 0.36 % 0.44 % 0.95 % 1.06 %
Anbieter: Degussa Bank MHB Hannoversche Leben Hannoversche Leben
Oktober 2019: neues historisches Zinstief

Nachdem die Bauzinsen von ihrem im Oktober 2016 erreichten Langzeittief leicht angestiegen waren, fielen sie im Oktober 2019 auf neue historische Tiefstände.

Immobilienkredite veränderten sich seit den historischen Zinstiefs Ende 2016 bei ...

  • ... fünfjährigen Zinsfestschreibungen um -0.24 Prozentpunkte.
  • 10-Jahres-Laufzeiten um -0.27 Prozentpunkte.
  • 30-Jahres-Laufzeiten um -0.60 Prozentpunkte.

Die Zinsen für Baufinanzierungen sind seit dem Zinstief von August bis Oktober 2019 bei einigen Zinsbindungsfristen sogar noch unter die damaligen Niedrigzinsen gefallen.

  • Baukredite mit 5-jähriger Zinsbindung kosteten im Zeitpunkt des Zinstiefs im Oktober 2019 0,31 Prozent. Im Juli 2020 ist mit 0,46 Prozent Zinsen nur wenig mehr zu bezahlen.
  • Baufinanzierungen mit 10-jähriger Zinsbindungsfrist erreichten ihr bisheriges historisches Zinstief bereits Mitte August 2019 bei 0,47 Prozent, stiegen dann bis Mitte Januar 2020 auf etwa 0,75 Prozent und bewegen sich Ende Juli 2020 wieder bei knapp oberhalb von 0,50 Prozent.
  • Anfang März 2020 fielen die Zinsen für Baufinanzierungen mit 30-jährigen Zinsbindungsfristen bis auf 0,94 Prozent, erholten sich seitdem ein wenig und pendeln seither in einem Korridor zwischen 1,10 und 1,25 Prozent.

1.2 Einordnung der Zinsentwicklung der letzten Jahre

Wichtig ist die richtige Einordnung der Zinsentwicklung in einen übergeordneten, längerfristigen Zins-Abwärtstrend.

So lagen die Effektivzinsen für Baufinanzierungen mit 30-jähriger Zinsbindungsfrist im April 2011 noch bei 4,6 Prozent und damit um bemerkenswerte 3.52 Prozentpunkte höher als aktuell (23.01.2021)

Zu einer ausgewogenen Bewertung des derzeitigen Zinsniveaus gehört nicht zuletzt die Erkenntnis, dass traditionell – in den Jahrzehnten vor der ab 2007 einsetzenden Weltwirtschaftskrise - ein Zinssatz für Baufinanzierungen von durchschnittlich 7 Prozent als üblich galt.

Fazit: Nutzen Sie das niedrige Zinsniveau.

Baukredit-Interessenten profitieren unverändert von einem sehr günstigen Zinsniveau. Die meisten Beobachter gehen von einem gleichbleibenden, längerfristig aber allmählich ansteigenden Zinsniveau am Kapitalmarkt aus.

Bauzinsen Entwicklung der letzten 20 Jahre
Die Bauzinsen Entwicklung am Beispiel einer Baufinanzierung mit 10 Jahren Zinsbindung

2. Was die Bauzinsen Entwicklung beeinflusst

2.1 Enger Zusammenhang zwischen Bauzinsen und Anleihe-Renditen

Die Bauzinsen folgen gewöhnlich der Entwicklung der Renditen langfristiger Anleihen.

Bundesanleihen

Bundesanleihen sind von der Bundesrepublik Deutschland (seit 1952) herausgegebene festverzinsliche Wertpapiere.

Aktuell weisen alle Bundesanleihen Negativverzinsungen auf (zweijährige Bundesanleihen: -0.71 Prozent, dreißigjährige Laufzeiten: -0.12 Prozent).

Mögliche Zinserträge werden zudem noch durch Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag geschmälert. (Datenstand: 21.01.2021)

Chart: Renditen für Bundesanleihen

Der Euro-Bund-Future: Indikator für das langfristige Zinsniveau

Ein wichtiger Indikator für das langfristige Zinsniveau ist der Euro-Bund-Future, dem ein standardisierter Terminkontrakt auf eine zehnjährige Bundesanleihe mit 6-prozentiger Nominalverzinsung zugrunde liegt. Steigende Kurse des Euro-Bund-Future bedeuten gewöhnlich auch sinkende Verzinsungen für zehnjährige Anleihen.

Der Euro-Bund-Future, der Mitte 2008 zu Kursen um 110 Punkte gehandelt wurde und Ende 2013 bei 140 Punkten lag, erreichte im August 2016 einen damals bereits historischen Höchststand bei 168 Punkten, was schon seinerzeit einem äußerst niedrigen Zinsniveau entsprach. Zwischen Ende 2016 und Ende 2018 bewegte sich der Euro-Bund-Future auf weiterhin hohem Niveau seitwärts - in einer Bandbreite zwischen 157 und 164 Zählern.

Erneute Zinssenkungswellen in 2019 und 2020 ließen den Euro-Bund-Future bis auf einen neuen Höchststand von 179 Punkten ansteigen (September 2019 und März 2020). Aktuell notiert der wichtige Zinsindikator mit steigender Tendenz bei etwa 177,90 Zählern (05.01.2021).

Pfandbriefe

Pfandbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere, die von einer Pfandbriefbank ausgegeben werden. Pfandbriefe gelten als risikoarm, da sie mit besonders werthaltigen Sicherheiten unterlegt sind. Pfandbriefe weisen aktuell bei einer Laufzeit von 10 Jahren negative Renditen von -0.53 Prozent auf.

  • Vier- und fünfjährige Pfandbriefe rentierten mit -0.75 bzw. -0.74 Prozent.
  • Beim Kauf sechs- bis siebenjähriger Pfandbriefe erhielten Anleger zwischen -0.71 und -0.67 Prozent Zinsen, bei acht- und neunjährigen Titeln -0.62 bzw. -0.58 Prozent.

(Stand jeweils 23.01.2021)

Chart: Renditen für öffentliche Pfandbriefe

2.2 Derzeit alles überlagernd: die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie unternehmen die wichtigsten Notenbanken derzeit alles, um die Konjunktur durch die Bereitstellung von Liquidität und durch ein niedriges Zinsniveau zu unterstützen.

Den dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft lassen sich in letzter Konsequenz noch nicht vollständig abschätzen. Im schlimmsten Fall könnten gesellschaftliche, ökonomische und staatliche Strukturen dauerhaft beeinträchtigt oder zerstört werden. Staaten und Staatengemeinschaften, Notenbanken und andere öffentliche Institutionen versuchen deshalb rund um den Globus mit gigantischen Hilfspaketen für Privatpersonen, Unternehmen und für stark verschuldete Staaten, die die Pandemiefolgen einzudämmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bezifferte im Mai 2020 die bis dahin weltweit aufgelegten Rettungspakete auf 7,8 Billionen US-Dollar.

Erschwert wird die Bekämpfung des Coronavirus durch fehlendes Einvernehmen der politischen Akteure in wichtigen Staaten wie den USA und Brasilien. In Regionen, in denen der Bevölkerung keine eindeutigen Verhaltensregeln an die Hand gegeben werden, könnte die Pandemie vollends außer Kontrolle geraten – mit Folgen dann auch auf andere Weltgegenden. Davon unabhängig könnte eine weltweite „zweite Pandemie-Welle“ zu weitergehenden Beeinträchtigungen der Wirtschaft führen.

Während der akuten Phase der Pandemie, die sich mindestens in das Jahr 2021 hinein erstrecken könnte, ist wegen der geschwächten Wirtschaft kaum mit steigenden Zinsen zu rechnen. Sogar ein Negativzins-Szenario wird teilweise (so zum Beispiel für die USA) für möglich gehalten.

Eine durchgreifende und nachhaltige Stabilisierung der Wirtschaft (als Voraussetzung für eventuelle Zinserhöhungen) scheint von der dauerhaften Disziplin der Weltbevölkerung im Umgang mit dem Corona-Krankheitsrisiko und von der massenhaften Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes abzuhängen.

2.3. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Nachfolgend differenzieren wir zwischen der grundsätzlichen Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank einerseits und den Maßnahmen der EZB zur Eindämmung der ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie andererseits.

2.3.1 Die grundsätzliche Ausrichtung der Zinspolitik der EZB (unabhängig von der Corona-Pandemie)

Christine Lagarde: Ankündigung einer Überprüfung der EZB-Strategie

Am 1. November 2019 trat Christine Lagarde, die bisherige geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Nachfolge von Mario Draghi als EZB-Präsidentin an.

Unter Lagarde nahm der EZB-Rat zwar noch keine Änderungen in der Geld- und Zinspolitik der EZB vor. Die monatlichen Wertpapierkäufe sollen zunächst fortgeführt und erst dann eingestellt werden, wenn die EZB vor einer Zinserhöhung steht.

Lagarde kündigte aber an, die hinsichtlich der EZB-Geldpolitik bestehende Spaltung des EZB-Rats zu überwinden. Von mittelfristig großer Bedeutung für die Zinspolitik könnte die Ankündigung Lagardes sein, sie wolle die EZB-Strategie überprüfen und dabei feststellen, ob das 2-Prozent-Inflationsziel der Europäischen Zentralbank noch zeitgemäß sei.

Damit stellt Lagarde das zentrale, der bisherigen EZB-Niedrigzinspolitik zugrundeliegende Dogma in Frage: Draghi hatte seine Niedrigzinspolitik selbst bei gut laufender Konjunktur damit begründet, dass die Inflation nicht die von ihm (zwecks Abwendung einer Deflationsgefahr) für erforderliche gehaltene Größenordnung von nahe 2 Prozent erreicht habe.

Heftige Nebenwirkungen der EZB-Niedrigzinspolitik wie möglicherweise entstandene Preisblasen an den Aktien- und Immobilienmärkten sowie negative Auswirkungen auf Kapitalbildung, Altersvorsorgung und Bankenrentabilität nahm Draghi in Kauf – mit Verweis auf das von ihm verfolgte Ziel eine Stärkung der Eurozonen-Konjunktur. Die massive Kritik von Jens Weidmann, seinem EZB-Ratskollegen und Bundesbank-Präsidenten sowie von deutschen Politikern und Wirtschaftsvertretern veranlassten ihn nicht zu einer Anpassung der EZB-Geldpolitik.

Am 27. März 2019 hatte der EZB-Präsident allerdings erstmals die Möglichkeit angedeutet, den durch die Negativzinsen für Banken entstehenden Schaden künftig abzumildern. „Falls nötig“, so Mario Draghi, wolle man über Maßnahmen „nachdenken, die die Vorteile negativer Zinsen für die Wirtschaft bewahren, aber gleichzeitig die Nebeneffekte … abfedern.“ Bei diesem Nachdenken beließ es Draghi allerdings.

Lagarde hingegen versprach bei ihrem Amtsantritt, die Nebenwirkungen der EZB-Geldpolitik – offenbar stärker als Draghi – im Rahmen einer Überprüfung der EZB-Strategie berücksichtigen zu wollen.

Luis de Guindos, spanischer EZB-Vizepräsident erklärte anlässlich der halbjährlichen Vorstellung des Stabilitätsberichts am 20. November 2019, dass die Niedrigzinspolitik zwar die Wirtschaft stütze, Kapitalanleger jedoch zu Investitionen mit überhöhtem Risiko verleitet würden. Dies gelte ausdrücklich auch für den Immobilienmarkt. Der zu beobachtende Anstieg der Risikobereitschaft können mittelfristig die Finanzstabilität gefährden. Dagegen, so forderte der EZB-Vizepräsident (seit Juni 2018 im Amt), müsse mit allen Mitteln vorgegangen werden. Die Nebenwirkungen der Geldpolitik, so Luis de Guindos, würden immer offensichtlicher – das müsse berücksichtigt werden.

Insoweit erscheint es naheliegend, dass die EZB-Geldpolitik im Zuge der von Lagarde angekündigten Total-Überprüfung zumindest modifiziert wird. Dann aber könnten die Zinsen nach (ohnehin auf mittlere Sicht prognostizierter) Überwindung der derzeitigen Konjunkturdelle wieder ansteigen.

Hintergrund: die umstrittene Geldpolitik der Europäischen Zentralbank

Bereits anlässlich eines temporären Zinsanstiegs zwischen April und Juni 2015 fragten sich Bauherren und Immobilienkäufer, ob sich nicht bereits eine grundlegende Zinswende andeutet. Auch der leichte Anstieg der Kapitalmarktzinsen bis März 2018 um etwa 0,5 Prozent (in Verbindung mit der damals in den USA bereits vollzogenen Zinswende) ließ die Erwartung aufkommen, dass sich auch die EZB bald zu einer erster Erhöhung ihrer Leitzinsen durchringen würde.

Die Hoffnungen von Sparern und Banken auf marktgerechte Zinserhöhungen wurden jedoch regelmäßig enttäuscht: Die EZB hielt ihre Zinssätze auf historisch niedrigem Niveau und schwächte ihre extrem expansive Geldpolitik nur vorübergehend leicht ab.

Zuletzt senkte die Europäische Zentralbank ihren wichtigsten Zinssatz, den Zins für „Hauptrefinanzierungsgeschäfte“ am 10. März 2016 auf seither 0,0 Prozent. Zum „Hauptrefinanzierungssatz“ verleiht die EZB kurzfristige Kredite an die Geschäftsbanken. Die Kreditinstitute sollen durch den niedrigen Zinssatz zu einer stärkeren Kreditvergabe unter Gewährung günstiger Kreditkonditionen motiviert werden.

  • Zum Vergleich: Im Juli 2011 lag der Hauptrefinanzierungssatz bei 1,5 Prozent und im Juli 2008 bei 4,25 Prozent.
  • Für kurzfristige Kredite („über Nacht“) stellt die EZB den Geschäftsbanken ihre „Spitzenrefinanzierungsfazilität“ zu einem Zinssatz von 0,25 Prozent zur Verfügung (07/2008: 3,0%, 7/2011: 0,75%).
  • Für bei der Bundesbank unterhaltene Guthaben („Einlagefazilität“) belastet die EZB den Geschäftsbanken seit dem 10. März 2016 sogar einen Negativzinssatz von -0,4 Prozent und ab 18. September 2019 von -0,5 Prozent. Die Zentralbank wollte damit einen Anreiz zur verstärkten Kreditvergabe durch die Einlagen unterhalten.
„Quantitative Easing“: Das Anleihe-Kaufprogramm der EZB

Ende Januar 2015 entschied die EZB, dem Kapitalmarkt durch Ankauf von Staatsanleihen aus dem Euro-Währungsraum zusätzliche Liquidität zuzuführen („Quantitative Easing“; Asset Purchase Programme, APP).

  • Ab März 2015: EZB kauft monatlich Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro an.
  • April 2016: Ausweitung des Ankaufprogramms auf 80 Milliarden Euro monatlich.
  • April 2017: Reduzierung auf monatlich 60 Milliarden Euro
  • Januar 2018: weitere Reduzierung des Ankaufvolumens auf monatlich 30 Milliarden Euro
  • Oktober 2018: weitere Reduzierung auf 15 Milliarden Euro
  • Jahresende 2018: Beendigung aller Ankäufe
  • Januar bis Oktober 2019: keine zusätzlichen Anleihenkäufe, jedoch Reinvestition fällig werdender Anleihen
  • November 2019: Wiederaufnahme des Ankaufprogramms in Höhe von monatlich 20 Milliarden Euro
  • 12. März 2020: Beschluss zum zusätzlichen Ankauf von Vermögenswerten im Volumen von 120 Milliarden Euro bis Ende 2020 (wegen Corona-Pandemie)
Haftung für die von der EZB angekauften Wertpapiere

Für 20 Prozent der von der EZB aufgekauften Anleihen haftet die Eurozone als Ganzes. Für 80 Prozent der Anleihen-Summe steht die jeweilige nationale Notenbank in der Haftung. Ausgeschlossen wird derzeit nur der Ankauf griechischer Staatsanleihen, solange deren Rating nicht über Investment-Qualität verfügt. Ausnahmsweise finanziert die EZB jedoch auch Länder mit schlechter Bonität, falls sich diese in einem offiziellen Hilfsprogramm befinden.

Auf Inflationssteigerung ausgerichtete EZB-Politik – Erfolge kaum nachweisbar

Ziel der Europäischen Zentralbank ist seit Jahren eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent, um die Gefahr einer Deflation abzuwenden.

Geldentwertung (Veränderungen des HVPI-Index) in der Eurozone und in Deutschland
  • 2015: Eurozone: 0,2 % (Deutschland: 0,3 %)
  • 2016: 1,1 % (0,5 %)
  • 2017: 1,4 % (1,8 %)
  • 2018: 1,7 % (1,9 %)
  • 2019: 1,2 % (1,4 %)
  • Januar 2020: 1,4 % (1,7 %)
  • Februar 2020: 1,2 % (1,7 %)
  • März 2020: 0,7 % (1,4 %)
  • April 2020: 0,4 % (0,8 %)
  • Mai 2020: 0,1 % (0,6 %)
  • Juni 2020: 0,3 % (0,9 %)
  • Juli 2020: 0,4 % (-0,1 %)
  • August 2020: -0,2 % (0,0 %)
  • September 2020: -0,3 % (-0,2 %)
  • Oktober 2020: -0,3 % (-0,2 %)
  • November 2020: -0,3 % (-0,3 %)
  • Dezember 2020: k.A. % (-0,3 %)
Kritik an der EZB-Geldpolitik

Zahlreiche Beobachter bezweifeln seit langem, ob das Anleihenaufkaufprogramm der EZB oder gar dessen Ausweitung die erwünschten Wirkungen (insbesondere eine Inflationsrate von nahe unter zwei Prozent) zeitigen kann. Eine fehlgeschlagene Therapie lasse sich kaum durch bloße Erhöhung der verordneten Dosis zu einem Erfolg führen.

EZB am Rand ihrer Möglichkeiten

Angesichts extrem niedriger Leitzinsen, so die Kritiker, gerate die EZB an den Rand ihrer geldpolitischen Möglichkeiten und des rechtlich Zulässigen. Die EZB habe bereits jetzt ihr „Pulver verschossen“ und könne auf künftige Krisen kaum noch angemessen reagieren. Die konjunkturpolitische Steuerung obliege ohnehin den Mitgliedsstaaten der Eurozone, nicht aber der EZB.

Langfristige Gefahren einer Hyperinflation und einer Blasenbildung an den Kapitalmärkten

Die massive Geldmengenausweitung durch die EZB könnte sich langfristig in einer kaum noch zu bremsenden Inflation entladen. Die bisher aus den Rentenankäufen freigesetzten Finanzmittel seien vor allem in den Aktien- und Immobilienmarkt geflossen und hätten dort möglicherweise bereits zum Entstehen gefährlicher „Blasen“ beigetragen. Sollten derartige „Blasen platzen“, dann könnten große Schäden für die Volkswirtschaft entstehen.

Negativzinsen für Kreditinstitute: Nicht zwangsläufig sinkende Darlehenszinsen für Bankkunden

Niedrige EZB-Leitzinsen und negative Einlagenzinsen führen nicht zwangsläufig zu einer Senkung der der Kreditzinsen durch die Geschäftsbanken. Mehr als die Hälfte der deutschen Kreditinstitute nahmen vielmehr Gebührenerhöhungen vor, um aufgrund der EZB-Niedrigzinspolitik entstehende Ertragseinbußen zumindest teilweise auszugleichen.

Mit solchen Kostensteigerungen für Bankkunden als mittelbare Folge der EZB-Niedrigzinspolitik bewirkt die Notenbank das Gegenteil des eigentlich Beabsichtigten: Negativzinsen für Bankeneinlagen bei der EZB kurbeln die Konjunktur kaum an, sondern wirken sich eher dämpfend auf die Wirtschaftsentwicklung aus.

Fehlsteuerung der Kreditwirtschaft

Die EZB bemängelt eine trotz Niedrigstzinsen unzureichende Kreditvergabe-Bereitschaft der Banken. Wohl eine fundamentale Fehleinschätzung: Kreditinstitute sind schon aus betriebswirtschaftlichem Eigeninteresse ganz überwiegend bereit, Darlehen an Kunden mit ausreichender Bonität zu gewähren.

Gäben die Kreditinstitute dem Druck der EZB nach und würden sie womöglich Darlehen vergeben, ohne ein verantwortungsvolles Risikomanagement zu betreiben, so dürfte eine neuerliche Bankenkrise nur eine Frage der Zeit sein.

Auffällig ist, dass Banken in Ländern mit einer seit Jahren schwachen Konjunktur-Entwicklung wie Italien oftmals überdurchschnittlich hohe Kreditrisiken aufweisen. Gerade auf die „Förderung“ dieser Länder zielt die Niedrigzinspolitik der EZB jedoch ab. Sollen diese in der Vergangenheit offenbar zu unvorsichtigen Kreditinstitute überschuldeter Länder ihr Kreditvergabe-Verhalten noch weiter lockern und ihr Darlehensvergabe ausweiten? Besser nicht.

Ein aktueller Bankenzusammenbruch in Italien verdeutlicht die Gefahren, die von einem maroden Bankensystem ausgehen: Am 15. Dezember 2019 beschloss die italienische Regierung, 900 Millionen Euro zur Rettung der Volksbank Banca Popolare di Bari bereitzustellen. 70.000 Kleinsparern, die ihr Kapital in Anteilscheine der Bank investiert hatten, droht der Totalverlust. EU-weit geschützt sind unter anderem Spareinlagen bis zu 100.000 Euro, nicht aber Wertpapiere.

Die gescheiterte italienische Volksbank erscheint nur als ein vergleichsweise „kleiner Fisch“: In den letzten Jahren musste der italienische Staat bereits mehrere Banken vor dem Zusammenbruch retten, darunter die Banca Monte dei Paschi di Siena, das älteste Bankhaus weltweit. Die Europäische Bankenaufsicht beziffert die notleidenden (mehr als 90 Tage mit Tilgung und Zinszahlung in Verzug befindlichen) Kredite in Italien auf 187 Milliarden Euro (9,7 Prozent des gesamten Kreditbestandes, Stand Juni 2018; zum Vergleich Deutschland: 50 Milliarden Euro, was einer Quote von 1,9 Prozent entspricht; EU-Quote: 3,3 Prozent).

Sind vor solchen Hintergrund die von der EZB geradezu herausgeforderten zusätzlichen Kreditvergaben flächendeckend und gerade in Staaten mit schwächerer Finanz- und Wirtschaftsverfassung in der Breite verantwortbar? Wohl ganz und gar nicht.

Bisherige Geschäftsmodelle der Finanzwirtschaft werden obsolet

Die bisherigen Geschäftsmodelle von Banken und Sparkassen erweisen sich angesichts der langandauernden Niedrigzinsen zunehmend als obsolet. Die schrumpfenden Gewinnmargen zwingen die Kreditinstitute zu Preiserhöhungen auf der gesamten Produktbandbreite, zur Reduzierung ihrer Belegschaften, zum Rückzug aus der Fläche durch Filialschließungen und zu Fusionen.

Gefahr der Bildung von Preisblasen

Auf der Suche nach rentierlichen Anlageformen flossen große Kapitalmengen in die Aktien- und Immobilienmärkte, was zu erheblichen Kurs- bzw. Preissteigerungen führte. Sollte es zum Platzen von Preisblasen kommen, so sind nicht nur erhebliche Vermögensschäden für einzelne Investoren, sondern auch für finanzierende Banken und für die Volkswirtschaft insgesamt zu erwarten.

Höhere Aufwendungen für Mitarbeiter-Pensionsrückstellungen bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern

Finanzielle Gefahren ergeben sich aus den künstlich niedrig gehaltenen, nicht marktgerechten Zinsen auch für öffentliche Haushalte und private Unternehmen. Zwar werden für Schuldner niedrigere Zinszahlungen fällig, doch entstehen für öffentliche und private Arbeitgeber erhebliche Mehraufwendungen für Pensionsrückstellungen, um gegebene Pensionszusagen einhalten zu können. Denn anders als in der Vergangenheit wachsen in Zeiten einer Nullzinspolitik die bereits angesammelten Pensionsrückstellungen nicht mehr eigenständig durch Verzinsung.

Résumé: starke Zweifel am nachhaltigen Nutzen der EZB-Niedrigzinspolitik

Hätte die EZB auf ihre extrem expansive Geldpolitik ganz oder teilweise verzichtet, dann wäre die von ihr gewünschte Inflationsrate (Zwei-Prozent-Ziel) wohl ähnlich erreicht (oder auch nicht erreicht) worden – nur mit dem Unterschied, dass die Risiken unabsehbarer Nebenwirkungen der von der EZB ausgelösten Geldmengen-“Explosion“ vermieden worden wären.

2.3.2 Coronakrise: die geldpolitische Reaktion der EZB

Die momentane Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wird von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bestimmt.

Die EZB geht davon aus, dass die Corona-Pandemie nicht nur zu kurzfristigen, sondern zu langfristigen strukturellen Veränderungen der Wirtschaft führt. Globale Wertschöpfungsketten seien in Frage gestellt. Die Produktivität vieler Dienstleistungsbetriebe werde möglicherweise auf Dauer beeinträchtigt bleiben. Bestimmte Branchen werden, so jedenfalls die Einschätzung der EZB, ihr Vorkrisenniveau „nie wieder erreichen“.

Sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dauerhaft, dann sind niedrige Inflationsraten und auch auf längere Sicht eher niedrige Zinsen zu erwarten.

Der EZB-Rat traf im März 2020 als Reaktion auf die Folgen der Corona-Pandemie folgende Beschlüsse:

  • Bis zum Ende des Jahres 2020 sollen zusätzlich Vermögenswerte im Volumen von 120 Milliarden Euro angekauft werden (Aufstockung des APP-Ankaufprogramms)
  • Außerdem entschied der EZB-Rat, im Rahmen eines zeitlich befristeten Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP) bis Ende 2020 zusätzlich Vermögenswerte im Gesamtumfang von 750 Milliarden Euro zu erwerben.
  • Zur gezielten Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen mit zinsgünstigen langfristigen Krediten bietet die EZB Kreditinstituten zwischen Juni 2020 und Juni 2021 besonders vorteilhafte Refinanzierungsmöglichkeiten an (targeted longer-term refinancing operations, TLTRO‑III).
  • Die Leitzinsen beließ die EZB auf dem bereits sehr niedrigen Niveau (Hauptfinanzierungsgeschäfte 0,00 Prozent, Spitzenrefinanzierungsfazilität 0,25 Prozent, Einlagefazilität -0,50 Prozent).

Mit diesem Maßnahmenbündel will die EZB vor dem Hintergrund der Coronakrise ihren Beitrag zur Sicherung von Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Preisstabilität in der Eurozone leisten.

2.4 Die Zinspolitik der US-Notenbank

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte mit der Zinswende bereits Ende 2015 begonnen. Seit dem Zinstief hat das Federal Reserve System bisher bereits folgende Zinsschritte durchgeführt:

  • 16.12.2015 Anhebung Leitzins-Bandbreite von 0,25 bis 0,50 Prozent
  • 14.12.2016 von 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15.03.2017 von 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14.06.2017 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13.12.2017 von 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21.03.2018 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13.06.2018 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26.09.2018 von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19.12.2018 von 2,25 bis 2,50 Prozent
  • 31.07.2019 Senkung Leitzinsbandbreite von 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 18.09.2019 von 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 30.10.2019 von 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 03.03.2020 von 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 16.03.2020 von 0 bis 0,25 Prozent

Im Jahr 2016 hatte sich die US-Notenbank dafür entschieden, in behutsamen Zinsschritten bis Ende 2019 einen „Gleichgewichtszins“ von 3 Prozent zu erreichen.

Nach langandauernder heftiger Kritik durch US-Präsident Trump stoppte die (eigentlich unabhängige) US-Notenbank jedoch ihre bereits vollzogene „Zinswende“. Jerome Powell, der Präsident der Federal Reserve erklärte am 20. März 2019, dass die US-Leitzinsen jetzt zunächst auf dem jetzigen Niveau verbleiben könnten. Schließlich senkte die US-Zentralbank ihre Leitzinsen im Juli, September und Oktober 2018 um jeweils 0,25 Prozentpunkte.

Mit zwei deutlichen Zinssenkungen reagierte die US-Notenbank im März 2020 auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Zudem kündigte sie ein weiteres Maßnahmenpaket in Koordination mit anderen Notenbanken an.

2.5 Weitere politische und ökonomische Entwicklungen mit Auswirkungen auf das Zinsniveau

Zwar dominiert derzeit die Corona-Pandemie das wirtschaftliche Geschehen weltweit. Aber auch andere geopolitische Faktoren verfügen über das Potenzial, die Zinsentwicklung zu beeinflussen.

2.5.1 Die USA – derzeit ein Epizentrum weltweiter Krisen

Spannungen zwischen den USA und China als Gefahr für die Weltwirtschaft

Die von der Politik, insbesondere durch den US-Präsidenten Donald Trump initiierten Belastungen des Welthandels (unter anderem durch Zollstreitigkeiten) haben sich bereits deutlich negativ auf die Weltwirtschaft ausgewirkt. Eine sich dadurch abschwächende Weltkonjunktur spricht für niedrige oder sogar weiter sinkende Zinsen. Ein deutlicher Zinsanstieg wird wohl frühestens dann wahrscheinlicher, wenn die Weltwirtschaft von den Belastungen durch „First“-Nationalismus und Protektionismus befreit ist und damit wieder bessere Rahmenbedingungen für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorliegen.

Eine Lösung der politischen Spannungen zwischen den USA und der Volksrepublik China ist aktuell nicht absehbar – im Gegenteil: die beiden Großmächte überziehen sich nunmehr gegenseitig mit heftigen Spionage-Vorwürfen. Präsident Trump ließ im Juli 2020 das chinesische Konsulat im texanischen Houston schließen, worauf China die Schließung des US-Konsulats in der südwestchinesischen Großstadt Chengdu verfügte.

Politische Beobachter sprechen bereits von einem neuen „kalten Krieg 2.0“ zwischen China und den USA – sicherlich keine guten Voraussetzungen für einen Wiederaufschwung des internationalen Handels und der Weltwirtschaft insgesamt. Damit verringern sich die Aussichten auf in absehbarer Zeit wieder ansteigende Zinsen.

Innenpolitische Auseinandersetzungen in den USA: Belastung für die US-Ökonomie und für die Weltwirtschaft

Eine (durchaus möglich erscheinende) Abwahl von Donald Trump als US-Präsident bei den Präsidentschaftswahlen am 3. November 2020 würde aus Sicht vieler Beobachter einen wesentlichen Störfaktor in den internationalen Beziehungen und eine Belastung für die Weltwirtschaft beseitigen. Ein solches Szenario setzt aber voraus, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahlen nicht unter einem Vorwand verschiebt, eine Wahlniederlage akzeptiert (was er laut eigener öffentlicher Aussage jedoch ausdrücklich nicht zusagen möchte) und ein friedlicher Übergang im Präsidentenamt stattfindet.

Im Falle einer von Donald Trump im Zusammenhang mit den Präsidentschafts-Wahlen ausgelösten Verfassungskrise sind gewalttätige Auseinandersetzungen in den USA bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen nicht mehr völlig auszuschließen. Umfangreiche Waffenarsenale befindet sich sowohl im US-Privatbesitz als auch in der Verfügungsgewalt bereits organisierter gegnerischer Milizen.

Dessen ungeachtet setzt Präsident Trump offenbar weiterhin auf eine Verschärfung der innenpolitischen Konfrontation, um sich seinen Wählern gegenüber als Garant für Sicherheit und Ordnung zu profilieren und so seine persönlichen Wahlaussichten vermeintlich zu verbessern.

US-Wirtschaft: corona- und politikbedingt derzeit im freien Fall

Am 30. Juli 2020 gab das Bureau of Economic Analysis der US-Regierung bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem ersten Quartal 2020 um 32,9 Prozent geschrumpft ist. Im ersten Quartal 2020 hatte der Rückgang der Wirtschaftsleistung gegenüber dem letzten Quartal 2019 noch bei „nur“ 8 Prozent gelegen. (zum Vergleich Deutschland: Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts: zweites Quartal 2020: -10,1 Prozent, erstes Quartal 2020: -2,0 Prozent, jeweils gegenüber dem Vorquartal)

Die US-Arbeitslosenquote stieg von 3,4 Prozent (Dezember 2019) auf 11,1 Prozent (17,8 Millionen Erwerbslose im Juni 2020). Einige Arbeitsmarktexperten halten im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie sogar einen Anstieg der US-Erwerbslosenquote auf 45 Prozent für möglich (dies entspräche 70 Millionen Arbeitslosen). Fast achselzuckend entschuldigend wird in diesem Zusammenhang von einigen Beobachter auf die halt ausgeprägte „Hire-and-fire-Mentalität“ in den USA verwiesen.

Zinsanstieg unwahrscheinlich: gefährliche Mixtur aus Corona-Pandemie, innenpolitischen Spannungen und einer auf Konfrontation zielenden Präsidentschaft Trump

Würde die Wirtschaft der USA aufgrund innerer Unruhen zusätzlich geschwächt, so müsste auch die Weltwirtschaft zwangsläufig erheblichen weiteren Schaden nehmen. Steigende Zinsen erschienen dann auf kurze und mittlere Sicht so gut wie ausgeschlossen.

Ein deutlicher Zinsanstieg wird wohl frühestens dann wahrscheinlicher, wenn die Weltwirtschaft von den Belastungen durch „First“-Nationalismus und Protektionismus befreit ist und damit wieder bessere Rahmenbedingungen für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorliegen.

2.5.2 Großbritannien: Auswirkungen des Austritts aus der EU

Der Brexit wird sich auf viele Wirtschaftsaktivitäten in Europa auswirken – von der Güterversorgung bis zur Preisentwicklung.

Selbst wenn Großbritannien nunmehr tatsächlich (wie von Premierminister Boris Johnson mehrfach bekräftigt) Ende Januar 2020 aus dem EU-Regel-System ausscheiden sollte, stehen voraussichtlich mehrjährige Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien bevor. Während dieser langwierigen Verhandlungen dürften erhebliche Unsicherheiten fortbestehen, die die Entscheidungen von Unternehmen und Verbrauchern erschweren und zumindest verzögern werden.

Je größer die vom Brexit ausgelösten wirtschaftlichen Schäden sein werden, desto nachhaltiger dürften die Zinsen auf ihrem jetzigen niedrigem Niveau verharren.

2.5.3 Italien: Coronavirus verschärft die wirtschaftliche Instabilität

Die unsichere politische und wirtschaftliche Lage des hoch verschuldeten Italien ist mit Unwägbarkeiten für die Devisenkurs-Entwicklung und den Bestand des Euro, das europäische Zinsniveau und womöglich sogar für den Zusammenhalt der Europäischen Union verbunden.

Italien: hohe Staatsverschuldung, gefährdetes Rating

Mit einer Staatsverschuldung von 2,41 Billionen Euro erreichte Italien Ende 2019 eine Schuldenquote von 134,8 Prozent (gemessen am Bruttoinlandsprodukt). Der Stabilitäts- und Wachstumspakt verlangt jedoch von den EU-Staaten der Eurozone eigentlich die Einhaltung einer Obergrenze für die Schuldenquote von maximal 60 Prozent.

Unglücklicherweise gehört Italien zu den am härtesten von der Corona-Pandemie betroffenen europäischen Staaten. Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte die Schuldenquote Italiens im Zusammenhang mit der Coronakrise auf 155 Prozent ansteigen. Dabei ließ der hohe Schuldenstand Italien bereits bislang – trotz Niedrigstzinsen - kaum Spielräume für Investitionen.

Schon vor der Coronakrise hatten die internationalen Rating-Agenturen die Bonität Italiens unter strenger Beobachtung.

Standard & Poor's (Italien-Rating BBB mit ebenfalls negativen Ausblick) verweist ausdrücklich auf die Belastung durch ein schwächeres Wachstum, welches das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Wirtschaftsleistung verschlechtere.

Eine finanzielle Rettung der drittgrößten EU-Volkswirtschaft Italien (analog der seinerzeitigen Vereinbarungen mit Griechenland) wird von Wirtschafts- und Finanzexperten wegen des zu großen Schulden-Volumens Italiens nicht für durchführbar gehalten.

Italien würde vom Corona-Wiederaufbaufonds der EU profitieren

Einen Beitrag zur finanziellen Stabilisierung der von der Coronakrise besonders stark betroffenen EU-Staaten wie Italien soll der vom Europäischen Rat am 21. Juli 2020 beschlossene Corona-Wiederaufbaufonds („Corona-Hilfspaket“) leisten.

Der Wiederaufbaufonds umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro, davon 390 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse sowie Kreditlinien über 360 Milliarden Euro. Italien würde voraussichtlich 81,8 Milliarden Euro aus dem Zuschuss-Budget erhalten.

Allerdings hat das Europaparlament die erforderliche Zustimmung zum Corona-Aufbaufonds zunächst verweigert. Eine deutliche Mehrheit des EU-Parlaments forderte den Europäischen Rat (der Staats- und Regierungschefs) in einer Resolution zu Änderungen am Finanzpaket auf (Streitpunkte: Rechtsstaatsprinzip, Klima, Digitalisierung, Forschung und Gesundheit).

Würde Italiens Zahlungsfähigkeit von den internationalen Kapitalmärkten ernsthaft in Zweifel gezogen, dann könnte dies zu einem Anstieg des Zinsniveaus nicht nur in Italien, sondern auch in der gesamten Eurozone führen.

2.5.4 Schwächere Konjunkturentwicklung in China – Bremse für Zinserhöhungen

Ein nachhaltig starkes Wachstum der Weltwirtschaft würde einen Zinsanstieg begünstigen. Von großer Bedeutung ist die Wirtschaftsentwicklung wichtiger Schwellenländer wie der Volksrepublik China, der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft.

Das chinesische Wachstum verlangsamte sich in den letzten Jahren kontinuierlich. Die Abschwächung des chinesischen Volkswirtschaft machte sich bereits in der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie mit Symptomen wie einer sich tendenziell abschwächenden Industrieproduktion, einer nachlassenden Binnennachfrage, stagnierenden Erzeugerpreisen und einem zurückgehenden Außenhandel bemerkbar.

Folgen der Corona-Pandemie für die chinesische Wirtschaft

2019 war das chinesische Bruttoinlandsprodukt noch um 6,1 Prozent gestiegen. Bedingt durch die Corona-Pandemie verzeichnete die Volksrepublik im ersten Quartal 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes gegenüber dem ersten Quartal 2019 von 6,8 Prozent – dem ersten Rückgang seit Beginn der amtlichen Datenerhebungen im Jahr 1992.

Allerdings gelang der chinesischen Wirtschaft im zweiten Quartal 2020 bereits wieder ein erstaunlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent. Damit hat sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr laut chinesischem Statistikamt auf insgesamt „nur noch“ minus 1,6 Prozent reduziert.

USA und China: Streit der Großmächte schadet der Wirtschaft

Eine wesentliche Ursache der Verschlechterung der Wirtschaftsentwicklung lag aber zunächst in dem von Donald Trump ausgelösten Handelsstreit, dessen Folgen den internationalen Währungsfonds im Jahr 2019 zu einer mehrmaligen Reduzierung der Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft veranlassten.

Die im Dezember 2019 zwischen China und den USA erreichte Teileinigung im Handelsstreit hat offensichtlich die Beziehungen der beiden Staaten nicht nachhaltig verbessert. Im Gegenteil scheint sich die Rivalität der beiden Großmächte zu verschärfen.

Während die Machtpolitik des chinesischen Präsidenten Xi Misstrauen schürt, bildet die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten und die Art seiner „America First“-Politik sicherlich keine stabile Grundlagen für eine vertrauensvolle internationale Zusammenarbeit.

Immer mehr bestätigt sich, dass Donald Trump um so lautstärker „auftrumpft“, je mehr er innenpolitisch unter Druck gerät (zunächst durch das gegen ihn geführte Impeachment-Verfahren, nun durch schlechte Umfragewerte) und je näher die US-Präsidentschaftsahlen rücken.

Wenn die wirtschaftliche Dynamik der Volksrepublik China und damit auch der Weltwirtschaft nachlässt, so wird sich dies eher dämpfend auf das weltweite Zinsniveau auswirken.

3. Profiteure der Bauzinsen Entwicklung

Die aktuellen Zinsen für Baufinanzierungen haben das Zinstief vom Herbst 2016 unterschritten. Baufinanzierungen sind jetzt sogar zu deutlich günstigeren Konditionen als damals erhältlich.

Effektivzins je Zinsbindungsfrist am 23.01.2021 (in Klammern hinzugefügt: Zinsveränderung seit Herbst 2016):

  • 5 Jahre 0.41 % (-0.24 %)
  • 10 Jahre 0.45 % (-0.27 %)
  • 20 Jahre 0.97 % (-0.57 %)
  • 30 Jahre 1.08 % (-0.60 %)

Bauherren und Immobilienkäufer profitieren also nach dem massiven Zinsrückgang der vergangenen Jahre weiterhin von im historischen Vergleich sehr günstigen Baufinanzierungs-Konditionen. Die Investition in eine Immobilie stellt angesichts geringer Zinsen für Spareinlagen, Tagegelder, Festgelder und Anleihen eine überlegenswerte Anlage-Alternative dar. Der Erwerb einer günstigen Immobilie wird von vielen Investoren einem derzeit besonders schwankungsanfälligen Aktien-Investment vorgezogen.

Grundsätzlich stellt zwar die Investition in eine Immobilie angesichts geringer Zinsen für Spareinlagen, Tagegelder, Festgelder und Anleihen eine überlegenswerte Anlage-Alternative dar. Allerdings sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt noch nicht absehbar.

Die unverändert enge Wohnraumsituation in Deutschland spricht zwar langfristig für die Möglichkeit eines weiteren Anstiegs der Preise für Wohnimmobilien. Kurz- und mittelfristig könnte es aber in einigen Lagen durchaus zu einem Rückgang der Immobilienpreise kommen. Bei schwacher Konjunktur wird auch die Nachfrage nach Immobilien eher nachlassen.

Steigt die Arbeitslosigkeit aufgrund von coronabedingten Unternehmensinsolvenzen, so ist nicht auszuschließen, dass einige Hausbesitzer ihre Immobilienfinanzierungen nicht mehr bedienen können. Käme es dann – bei ohnehin allgemein niedrigerer Immobiliennachfrage - zu Zwangsverkäufen, so könnte dies durchaus zu - zumindest mittelfristig - sinkenden Preisen führen. Ohnehin sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren vielerorts (insbesondere in den Ballungszentren) deutlich angestiegen.

3.1 Immobilieneigentümer mit einer laufenden Baufinanzierung

Immobilienbesitzer können von der derzeitigen Zinssituation profitieren. Bei Ablauf einer Zinsbindungsfrist besteht die Möglichkeit, niedrige Zinsen bei langen Zinsfestschreibungen zu vereinbaren. Wessen Zinsbindungsfrist noch für einige Zeit läuft, der kann sich durch Abschluss eines Forward-Darlehens bereits heute (unter Entrichtung einer Forward-Prämie) eine zinsgünstige Anschlussfinanzierung sichern. Forward-Darlehen lassen sich bis zu 60 Monate im Voraus vereinbaren.

3.2 Bauherren und Immobilienkäufer

Wer jetzt ein Haus baut oder eine Immobilie erwirbt, der kommt bei einer Fremdfinanzierung in den Genuss langfristig günstiger Zinsen. Allerdings sollte eine Baufinanzierung nicht vorrangig unter dem Gesichtspunkt niedriger Kreditzinsen oder unter dem Druck kurzfristiger Zinsschwankungen getätigt werden.

Nach den deutlichen Immobilien-Preisanstiegen der letzten Jahre mehren sich die Stimmen, die vor Immobilien-Preisblasen insbesondere in Ballungsräumen warnen. Zwar spiegelt sich in den seit Jahren stark steigenden Immobilienpreise auch die hohe Nachfrage nach Wohnraum, die auf ein unzureichendes Angebot trifft: Geschätzt wird, dass in Deutschland eine Million Wohnungen fehlen. Für zusätzlichen Preisauftrieb sorgten aber auch die niedrigen Baufinanzierungszinsen und aufgrund des von der Europäischen Zentralbank massiv gedrückten Zinsniveaus fehlende Anlagealternativen.

Wer also eine Immobilie erwerben möchte, der sollte nicht nur auf eine gute Lage und hohe Bauqualität, sondern auch auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten. Überhöhte Immobilienpreise können den Vorteil niedriger Darlehenszinsen schnell zunichte machen.

Immobilienkäufer sollten in ihrem Finanzierungsplan eine hohe Tilgung und in ihrem Haushaltsplan eine ausreichende Liquiditätsreserve berücksichtigen, damit Zinsen und Tilgung für den Immobilienkredit auch nach Ablauf der vereinbarten Zinsbindungsfrist bei einem dann möglicherweise höheren Zinsniveau problemlos entrichtet werden können.

Die Auswirkung verschiedener Zins- und Tilgungsraten lassen sich schnell mit dem Bauzinsrechner simulieren und als Chart darstellen.

3.3 Inhaber von Aktien

Die von der Europäischen Zentralbank ausgelöste Liquiditätsflut und die daraus folgenden Niedrigzinsen begünstigten steigende Aktienkurse. Die überreichlich vorhandene Liquidität sucht (vermeintlich) lukrative Anlage-Möglichkeiten.

Mangels gut rentierlicher Anlage-Alternativen floss ein großer Anteil des Kapitals, das aus dem EZB-Anleihen-Ankaufprogramm stammt, in den Aktienmarkt. Nachhaltig steigende Zinsen würden die Phase des politisch gewollten, aber nicht marktgerecht billigen Geldes beenden und damit das Aufwärtspotenzial am Aktienmarkt deutlich begrenzen.

Nach neun aufeinander folgenden Jahren mit einem weitgehend unterbrechungsfreien Kursanstieg verzeichnete der Deutsche Aktienindex DAX im Jahr 2018 einen Kursrückgang auf 10.559 Punkte (-17,8 Prozent).Nicht zuletzt aufgrund des erneut rückläufigen Zinsniveaus und wegen fehlender Investmentalternativen erholte sich der Index bis Ende 2019 auf 13.249 Zähler (+25,5 Prozent).Seinen bisherigen historischen Höchststand von 13.783 Punkten erreichte der DAX Mitte Februar 2020.

Anleger sollten ohnehin beachten, dass ein jahrelanger Aktienboom, der nicht zuletzt auf überreicher, politisch motivierter Liquidität beruht, häufig mit der Bildung einer „Kursblase“ einhergeht. Solche Kursübertreibungen enden oft in einem plötzlich einsetzenden und scharfen Kursrückgang – nicht selten dann, wenn die Zinsen nach langer Talfahrt wieder anzusteigen beginnen.

Kurz darauf kam es aufgrund der Sorgen um die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft zu dramatischen Kurseinbrüchen an den Weltbörsen. Der Deutsche Aktien-Index fiel innerhalb nur eines Monats auf 8.416 Zähler, was einem Rückgang gegenüber dem Februar-Hoch von 38,9 Prozent entspricht.

Danach allerdings erholten sich die Aktienkurse rasch. Dem DAX gelang bis Ende Juli 2020 ein Wiederanstieg bis auf 12.234 Indexpunkte. Die letzten Börsentage waren allerdings wieder von aufkeimenden Sorgen um die Corona-Pandemie geprägt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Anstieg der Aktienkurse seit Februar 2020 durch zukünftige Unternehmenserfolge untermauert werden kann oder ob die vorangegangenen Kursanstiege nur auf eine überbordende Liquidität zurückzuführen waren, die nach Anlagemöglichkeiten suchte.

4. Ausblick auf die künftige Bauzinsen Entwicklung

Der Zeitpunkt einer Zinswende in der Eurozone lässt sich vor dem Hintergrund der dargelegten Krisenherde und Unsicherheiten kaum exakt bestimmen. Die Ergebnisse der von der neuen EZB-Präsidentin in Aussicht gestellten Überprüfung der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank können die Zinsentwicklung mittelfristig beeinflussen.

Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung von den Folgen der Corona-Pandemie könnte Jahre in Anspruch nehmen. Angesichts einer coronabedingt schwachen Wirtschaftsentwicklung werden die Zinsen in Europa daher wohl bis mindestens Ende 2021 auf niedrigem Niveau verbleiben.

Datenbasierte Trends

Bauzinsen Prognose 2021

5. Fazit

Die Zinsen für Baufinanzierungsdarlehen befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Hauseigentümern mit vorhandenen Baudarlehen bieten sich gute Möglichkeiten, bei einer auslaufenden Zinsbindung eine zinsgünstige Anschlussfinanzierung abzuschließen. Wenn die Zinsbindung erst in einiger Zeit endet, ermöglicht ein Forward-Darlehen die Sicherung des günstigen Zinsniveaus für die Zukunft.

Aufgrund der coronabedingt unsicheren Wirtschaftslage können Kaufinteressenten die Preisentwicklung am Immobilienmarkt in den nächsten Monaten zunächst beobachten. In der Breite des Marktes sind kurzfristige Preisanstiege derzeit kaum zu erwarten, so dass Kaufentscheidungen in vielen Fällen ohne Zeitdruck vorbereitet und eventuelle Preisrückgänge für eine Wunschimmobilie genutzt werden können.

Wer das günstige Zinsniveau für Baufinanzierungen nutzen möchte, der sollte unbedingt auf die Angemessenheit des Kaufpreises, auf einen adäquaten Eigenkapital-Einsatz und auf eine hohe Tilgungsrate achten.