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Baupreisindex 2020

Wir beobachten und dokumentieren für Sie die Baupreisindizes für Wohngebäude.

  • Baupreisindizes als Charts und Tabelle
  • Bewertung der Baupreis Entwicklung
Entwicklung der Bundesanleihen

Baupreisindex 2020 für Wohngebäude

Die Baupreisentwicklung seit 1990. Basiswert 2015 = 100.

Mit dem Baupreisindex als einem spezifischen Preisindex wird die Preisentwicklung für Neubauten einerseits sowie für die Erhaltung von Bestandsimmobilien andererseits gemessen. Der Preisindex ganz allgemein ist eine Kennzahl in der Volkswirtschaft zur Darstellung der Entwicklung von ausgewählten Preisen.

Der Baupreisindex stellt eine Relation der Preisentwicklung für die Hausbaukosten zwischen dem Basisjahr und dem Baujahr des Gebäudes her. Das Basisjahr seinerseits ist ein definiertes Jahr als Bezugsgröße oder anders gesagt ein Vergleichsjahr zu den Folgejahren. Für die jeweilige Festlegung des Basisjahres ist bundesweit das statische Bundesamt, abgekürzt StBA oder Destatis, zuständig und verantwortlich. Aktuelles Basisjahr ist das Jahr 2015.

Vom Baupreisindex abzugrenzen ist der Baukostenindex, bei dem die Kosten für erbrachte Bauleistungen erfasst und ausgewertet werden. Er wird maßgeblich von den beiden Kostenarten Arbeitsleistung als Manpower und Materialien bestimmt. Zu denen gehört der Aufwand für Ausrüstung, Energie, Betriebs- sowie Bauhilfsstoffe. Alternativ wird der Baupreisindex auch als Faktorindex oder Inputpreisindex bezeichnet.

Der Baupreisindex dient vorzugsweise einer Konjunkturbeobachtung sowie der aktuellen Abbildung von Preisveränderungen. Zu den Einflussbereichen des Baupreisindexes gehören die Preisgestaltung für das einzelne Bauprojekt, die Wertermittlung für bestehende Gebäude oder die Planung einer Baufinanzierung. Letztendlich fließt der Baupreisindex auch in die Versicherungsmathematik zur Wohngebäudeversicherung ein.

Diese Preise sind im Baupreisindex enthalten

Der Baupreisindex gliedert sich in die folgenden Unterkategorien beziehungsweise Indizes:

konventioneller Neubau als Hochbau von Wohn- und Nichtwohngebäuden

  • Wohngebäude
  • Bürogebäude
  • gewerbliche Betriebsgebäude

Neubau von Einfamilienhäusern in Fertigbau

  • Einzelindex

Instandhaltung von Wohngebäuden sowie Ingenieurbau

  • Instandhaltung Wohnhaus
  • Instandhaltung Wohnung
  • Ingenieurbau Straßen
  • Ingenieurbau Brücken im Straßenbau
  • Ingenieurbau Ortskanäle

Im Sprachgebrauch ist mit dem Baupreisindex derjenige für Wohngebäude gemeint, und zwar mit Blick auf die Baufinanzierung oder eine Gebäudeversicherung. Für die Indexbemessung ist immer die Summe derjenigen Kosten ausschlaggebend, die der Bauherr tatsächlich für die Bauleistung bezahlt.

Die Einzelbauleistungen des Baupreisindexes für Wohngebäude als dem vielgefragtesten Index sind Bauleistungen unterteilt in die beiden Bereiche:

  1. Rohbauarbeiten
  2. Ausbauarbeiten

Zu jeder dieser Kategorien gehören jeweils mehrere Bauleistungen. Jeweils die fünf am stärksten gewichteten von ihnen werden beispielhaft benannt.

Rohbauarbeiten

  • Betonarbeiten
  • Mauerarbeiten
  • Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
  • Erdarbeiten
  • Klempnerarbeiten
  • Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • ...

Ausbauarbeiten

  • Tischlerarbeiten
  • Heizanl. u. zentrale Wassererwärmungsanlagen
  • Nieder- und Mittelspannungsanl. bis 36 kV
  • Metallbauarbeiten
  • Wärmedämm-Verbundsysteme
  • Gas-, Wasser- u. Entwässerungsanl. i. v. Geb
  • ...

Berechnung des Baupreisindex

Jeder Index subsumiert in übersichtlicher Form die Details und Entwicklungen in dem infrage kommenden Wirtschaftsbereich. Das geschieht nicht bis ins kleinste Einzelpreisdetail, sondern eher als eine durchschnittliche Orientierung. Für die Anwendung im Alltag entwickelt der Baupreisindex eine gewisse Wechselwirkung, weil der Indexwert selbst ebenfalls einen zumindest mittelbaren, wenn nicht direkten Einfluss auf die Preisentwicklung in der Bauwirtschaft hat. Bei langfristigen Bauprojekten ist es eine durchaus gängige Praxis, dass Anbieter ihre Baupreise an die Indexentwicklung während der Bauzeit anpassen.

Bundesweit melden mehrere Tausend repräsentativ ausgewählte Unternehmen des gesamten Baugewerbes dem für sie zuständigen Statistischen Landesamt die quartalsweise Preisentwicklung in ihrem Segment. Aktuell, also zu Beginn der 2020er-Jahre, werden die Kosten für 177 ausgewählte Bauleistungen regelmäßig erfasst. Daraus berechnet das Statistische Landesamt die durchschnittliche Preisentwicklung in seinem Bundesland.

Diese „Landesmesszahlen“ werden dem Statistischen Bundesamt gemeldet und dort zusammengeführt oder anders gesagt zusammengefasst. Das Ergebnis sind die „Bundesmesszahlen“, aus denen die einzelnen Indizes berechnet werden.

Der Preisindex für einen bestimmten Bauwerkstyp ist ein gewichteter Mittelwert aus den einzelnen Messzahlen.

Berechnungsmethode für den Baupreisindex

Die Berechnung aller deutschen Preisindizes und somit auch die des Baupreisindexes geschieht nach der Laspeyres-Methode. Infolgedessen ist auch der Baupreisindex ein Laspeyres-Index, benannt nach dem deutschen Statistiker und Nationalökonomen Ernst Louis Étienne Laspeyres. Der im Jahr 1871 entwickelte Laspeyres-Preisindex ist seitdem die Grundlage zur heutigen Berechnung von Indizes, beispielsweise am deutschen Aktienmarkt. Dabei wird ausschließlich die Preisentwicklung in dem betreffenden Zeitraum gemessen, und zwar unter Ausklammerung von jeglichen Mengenveränderungen.

Die Gewichte für den Baupreisindex werden alle fünf Jahre angepasst; das letzte Mal im Basisjahr 2015, gefolgt vom Basisjahr 2020. Die Indizes zu den Basisjahren 2000 = 100 und 2010 = 100 wurden durch die Umbasierung der amtlichen Indizes zum Basisjahr 2015 erneut auf 100 berechnet. Dasselbe geschieht für das neue Basisjahr 2020.

Neben dem für das gesamte Bundesgebiet geltenden Baupreisindex hat jedes Bundesland seinen eigenen länderbezogenen Baupreisindex.

Die Datenerhebung als statistische Basis des Baupreisindexes und weiterer Indizes erfolgt vierteljährlich jeweils zum 1. Februar, Mai, August und November. Das Ergebnis wird etwa anderthalb Monate später auf dem Onlineportal destatis.de veröffentlicht.

Für den Preislevel der infrage kommenden Bauleistungen wird für das Basisjahr der Basiswert mit 100 Punkten zugrundegelegt. Die Durchschnittspreise für Bauleistungen der vergangenen Jahre einerseits und zukünftiger andererseits werden anhand des Basisjahres in Punkten und Prozenten dargestellt.

Dazu ein Beispiel

  • Lagen die Baupreise im Vorjahr zehn Prozent unter denen des Basisjahres, dann wird im Baupreisindex ein Wert von 90 Prozent angezeigt.
  • Sind die Baupreise im Folgejahr um drei Prozent gestiegen, dann wird im Baupreisindex der Wert von 103 Prozent angezeigt.

Das heißt zusammengefasst, dass der Wert des Baupreisindexes einen Entwicklungsverlauf darstellt und sich immer am Basiswert des Basisjahres orientiert; also jeweils 100 Prozent im letzten Basisjahr 2015 sowie zukünftig für das aktuelle Basisjahr 2020.

Permanente Aktualisierung und Fortschreibung des Baupreisindex

Die folgenden Anwendungen in der Baupraxis machen deutlich, dass und wie wichtig der aktuelle Baupreisindex für alle Beteiligten und Betroffenen tatsächlich ist.

  • Er wird zur Kalkulation von Preisangeboten sowohl für Neubau- als auch für Modernisierungs-, Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an und in Bestandsimmobilien herangezogen.
  • Der Bauherr baut seinen Kosten- und Finanzierungsplan auf der Grundlage des aktuellen Baupreisindexes auf.
  • Zusammen mit weiteren Indizes dient der Baupreisindex der Immobilienbewertung.
  • Der Baupreisindex ist ganz allgemein eine seriöse Grundlage für jegliche Kalkulation und zukünftige Entwicklung von Baupreisen. Wenngleich der Index keine festen Zahlen bietet und für die Zukunft auch nicht bieten kann, so ist er doch eine wertvolle Orientierung für die gesamte Bauwirtschaft.
  • Für die Wohngebäudeversicherung ist der Baupreisindex ein entscheidender Richtwert zur Festlegung der zum Gebäude passenden Versicherungssumme. Als weiterer Faktor fließt in diesem Zusammenhang der Tariflohnindex für das Baugewerbe ein.
  • An diesem Punkt kommt das vielen bekannte und kaum verstandene „Versicherungsjahr 1914“ ins Spiel.
  • Alle maßgebenden Faktoren werden mit dem sogenannten „Wert 1914“ für die Berechnung des Wohngebäudewertes und der damit verbundenen Versicherungssumme verwendet. Dieser Wert zeigt an, was das zu versichernde Gebäude oder Bauwerk im Jahr 1914 gekostet hätte. Über den Neuwertfaktor, der unter Berücksichtigung der Indexwerte erstellt wird, lässt sich exakt ermitteln, welchen Wert die zwischen dem Jahr 1914 und heute errichtete Immobilie nach dem aktuellen Marktwert hat oder anders gesagt verkörpert.

Aktuelle Entwicklung der Baupreisindezes

Gegenüber dem Basisjahr 2015 (Wert: 100) ist der Baupreisindex in Teilbereichen bis zu 25 Punkte gestiegen.

BauarbeitenAnteil (in ‰)*August 2019August 2020Veränderung zum Vorjahr
1) Bauleistungen am Bauwerk1000115,1118,1+2,61 %
1.1) Rohbauarbeiten444,69116,2118,7+2,15 %
Erdarbeiten37,56122125,6+2,95 %
Verbauarbeiten0,36120,4122,9+2,08 %
Ramm-, Rüttel- und Pressarbeiten2,12113,7114,8+0,97 %
Entwässerungskanalarbeiten10,42117119,9+2,48 %
Mauerarbeiten104,66114,8117,3+2,18 %
Betonarbeiten173,97116,9118,9+1,71 %
Zimmer- und Holzbauarbeiten28,74112,6114,8+1,95 %
Stahlbauarbeiten6,32109,6110,9+1,19 %
Abdichtungsarbeiten12,63116,2120,6+3,79 %
Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten41,93114,6117,8+2,79 %
Klempnerarbeiten17,39115,5118,6+2,68 %
Gerüstarbeiten8,59119,6124,1+2,89 %
1.2) Ausbauarbeiten555,31114,3117,6+2,89 %
Naturwerksteinarbeiten4,75112,1115,2+2,77 %
Betonwerksteinarbeiten2,12112,1115,2+2,77 %
Putz- und Stuckarbeiten35,88113,5116,5+2,64 %
Wärmedämm-Verbundsysteme42,96115,2118,2+2,60 %
Trockenbauarbeiten25,37113,1115,9+2,48 %
Vorgehängte hinterlüftete Fassaden1,42115,6118,9+2,85 %
Fliesen- und Plattenarbeiten23,00114116,8+2,46 %
Estricharbeiten18,12114,1116,9+2,45 %
Tischlerarbeiten87,46112,9115,7+2,48 %
Parkett- und Holzpflasterarbeiten25,65107,6109,7+1,95 %
Rollladenarbeiten15,78109,7112,6+2,64 %
Metallbauarbeiten46,30114,8118,3+3,05 %
Verglasungsarbeiten9,39111,1112,9+1,62 %
Maler- und Lackierarbeiten, Beschichtungen23,16114,5117,5+2,62 %
Korrosionsschutzarbeiten an Stahlbauten---- %
Bodenbelagarbeiten5,28109,8111,7+1,73 %
Tapezierarbeiten2,43115,4118,3+2,51 %
Raumlufttechnische Anlagen11,85113,8117,1+2,90 %
Heiz- und zentrale Wassererwärmungsanlagen67,82114,6118,5+3,40 %
Gas-, Wasser- und Entwässerungsanl. i.v.Geb.42,41118,4122,5+3,46 %
Nieder- und Mittelspannungsanlagen bis 36 kV46,81118,9123,5+3,87 %
Blitzschutzanlagen2,11111,9115,5+3,22 %
Aufzugsanl., Fahrtreppen, Fahrsteige, Förderanl.4,57108,2110+1,66 %
Gebäudeautomation4,86119,6123,4+3,18 %
Dämm- und Brandschutzarbeiten an techn. Anlagen5,81121,1126,5+4,46 %

Quelle: DESTATIS. Stand 28. Dezember 2020. *Wägungsanteil am Gesamtindex

Dazu einige aktuelle Zahlen

  • Der Baupreisindex für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude ist bundesweit im August 2020 gegenüber August 2019 um 2,61 Prozent gestiegen.
  • Zum Vergleich: Die jährliche Inflation (Verbraucherpreisindex) lag im August 2020 bei 0,0 %

Als Fazit bleibt festzuhalten

In den kommenden Jahren wird sich der Baupreisindex für Wohngebäude-Neubauten sowie für energetische Sanierungen von Alt- und Mittelbauten bei drei plus X Prozent einpendeln. In Relation dazu stehen die Zinsen als Fremdkosten für die Baufinanzierung.

Mit einem weiterhin niedrigen Zinsniveau lassen sich steigende Baupreise gut gegenrechnen - immer unter der Voraussetzung, dass mit der Hausbank über eine möglichst lange erste Zinsbindungsfrist geschickt verhandelt wird.